[unbekannt]
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in: Signale für die musikalische Welt, Bd. 6, Jg. 48, Leipzig, Januar 1890, Rubrik »Dur und Moll«, S. 85

relevant für die veröffentlichten Bände: III/5 Don Juan
Dresden, 11. Januar.

Als erstes Konzert im neuen Jahr fand die dritte der hier so sehr beliebten Quartett-Soriéen der Herren Rappoldi-Grützmacher-Remmele-Froberg statt. Das interessante Programm enthielt die Quartette von Haydn in Gdur, von Mozart in Ddur und von Beethoven in Esdur, Op. 74. – In der Oper ist nun endlich Fräulein Malten als vollständig genesen am 9. Jan. im »Tannhäuser« wieder aufgetreten, und sind ihr bei dieser Gelegenheit reiche Ovationen dargebracht worden. – Das fünfte Symphonie-Concert der König. Capelle unter Capellmeister Hagen’s Leitung brachte außer der Symphonie No. 2 Ddur von Beethoven und der Symphonie No. 2 Cdur von Schumann, zum ersten Male »Don Juan«, Tondichtung nach Lenau Op. 21 von Richard Strauß. In diesem Werk zeigt der junge Componist wieder großes Talent, zeigt aber auch, daß das Kunstideal in ihm noch nicht zur Kunstrichtung geworden ist; originale Erfindung, eigene schöpferische Kraft treten noch selten hervor, dagegen aber eine zu absichtliche Düftelei und ein zu unzweideutiges Anlehnen an sein großes Vorbild Wagner, von dem er für seinen »Don Juan« viel geborgt hat: den Feuerzauber, den Liebestrank und den Venusberg – und doch hat er die Liebe zu schildern nicht vermocht, weil diese selbst empfunden, also echt sein muß, um geglaubt zu werden. Der kleine lyrische Zwischensatz, in welchem die Clarinette und Oboe die Melodieführung haben, ist übrigens von so bedeutender Schönheit, daß man darnach allein noch Großes von Rich. Strauß erwarten kann.

verantwortlich für die Edition dieses Dokuments: Stefan Schenk

Zitierempfehlung

Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe – Online-Plattform, richard‑strauss‑ausgabe.de/b44031 (Version 2018‑01‑26).

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