Stolz, Georg
»[unbekannt]«
in: Chemnitzer Allgemeine Zeitung, Dienstag, 12. Dezember 1905

relevant für die veröffentlichten Bände: I/3a Salome

[…] Und die Wirkung? Eine abschreckende. Wenigstens für mich; ich war nicht erschüttert, wohl aber aufs heftigste angeekelt von der Bearbeitung des Stoffes, angewidert von der peinlich genauen Schilderung abnormaler Geschlechtsverhältnisse, mit denen die viehische Gemeinheit der Salome ja nur zu erklären ist. Daß eine solche Dichtung geschrieben werden konnte, schon das muß mit tiefem Schmerze erfüllen, daß sich aber dazu ein Musiker findet, der dieses Zerrbild der Kunst durch die Musik greller oder auch gemildert erscheinen lassen will, das ist ein trauriges Zeichen des – Fortschrittes. Und wie steht es mit dieser Musik? Daß Sie in der Tonmalerei alle Möglichkeiten erschöpft, daß sie auch wunderbare, tief ergreifende Momente hat und daß sie geistreich und interessant immer ist, das kann bei Strauß nicht überraschen, ebenso wenig aber auch, daß die Erfindung nicht immer frisch und blühend, daß sie in ihrem unglaublichen Aufwand der Mittel oft überladen ist, daß sie in der Charakteristik der Szenen die Grenzen des Schönen oft überschreitet. […]

verantwortlich für die Edition dieses Dokuments: Claudia Heine

Bibliographie (Auswahl)

  • Auszug in Franz Messmer (Hrsg.), Kritiken zu den Uraufführungen der Bühnenwerke von Richard Strauss (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft, Bd. 11), Pfaffenhofen: Ludwig, 1989, S. 36–37 (Transkriptionsgrundlage).

Zitierempfehlung

Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe – Online-Plattform, richard‑strauss‑ausgabe.de/b45119 (Version 2019‑05‑27).

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