Brief
Richard Strauss an Gustav Mahler
Freitag, 18. August 1905, Marquartstein

relevant für die veröffentlichten Bände: I/3a Salome

Lieber Freund!

Haben Sie wirklich die in beiliegender Notiz des »Tag« gemeldete Absicht? Dann möchte ich Ihnen wenigstens mitteilen, daß von der Verlagsfirma Fürstner bis 1. September Klavierauszüge und Correcturbogen fertig gestellt werden, aus denen mit dem Studium der Hauptpartien begonnen werden kann. Schuch fängt bereits am 1. September an und gedenkt das Werk so etwa Ende November herauszubringen. Das Orchestermaterial wird menschlicher Berechnung nach bis 1. Nov. fertig sein.

Wenn Sie also umgehend mit Fürstner (der Ihnen sonst kein Material liefert) Vertrag machen, können Sie nach Gutdünken auch Anfang September mit dem Studium der Hauptpartien, das wohl 2 bis 3 Wochen in Anspruch nehmen dürfte, beginnen. Für Herodes, Herodias u. Jochanaan sind wohl Schmedes, Mildenburg u. Weidemann gegeben. Narraboth – Slezak. Wie stehts nun mit Salome? Für Dresden habe ich mich doch schließlich für Frau Wittich (des Styls u. der Wucht der Stimme wegen) entschlossen. Meinen Sie nicht, daß für Wien Frl. Kurz geeignet wäre? Es wird mir von vielen Seiten berichtet, daß sie Ihre schönste Stimme sei. Hübsch ist sie ja. Hat sie Darstellungstalent?

Von Ihren Liedern in Graz wurde mir von vielen Freunden (Rösch) mit großer Begeisterung berichtet. Auch Ihre Feuersnot soll herrlich gewesen sein; vielen Dank noch nachträglich.

Schmedes hat in Köln einen sehr anständigen Tristan gesungen. Dagegen war ich von Mildenburgs Isolde (außer im ersten Akte, wo sie große Momente hatte) stark enttäuscht. Stimme, Intonation und Vortrag im 2. u. 3. Akt ließen fast Alles zu wünschen übrig. Kittel war stimmlich vortrefflich, auch Meyer sehr tüchtig.

Wie gehts sonst? Ist die 7. schon fertig?

Ich bleibe bis l. October hier und hoffe bald Gutes von Ihnen zu hören.

Mit herzlichsten Grüßen für Sie und Ihre liebe Frau auch von der Meinigen (wem verdankt dieselbe die liebenswürdige Zusendung der schönen Seife, schönsten Dank dafür!)
Ihr treu ergebener
Dr. Richard Strauss

Bitte, bei Bestellung der Dekoration darauf zu achten, daß dieselbe möglichst kurz und der Akustik günstig ist.

Massen brauchen nicht entfaltet zu werden, die über den Boden herausragende Cisterne Jochanaans ist so einzurichten, daß der Sänger durch ein mit Gaze cachiertes Loch, für das Publikum unsichtbar, direct heraussingen und den Dirigenten sehen kann.

verantwortlich für die Edition dieses Dokuments: Claudia Heine

Quellennachweis

  • Original: [unbekannt] (Autograph)

    • Hände:

      • Richard Strauss
    • Autopsie: Keine Autopsie des Originals.

  • Original: [unbekannt] (Typoskript)

    • Hände:

      • Alma Mahler-Werfel (maschinenschriftlich)
    • Autopsie: Keine Autopsie des Originals.

    • Reproduktionen:

      • University of Pennsylvania, The Charles Patterson Van Pelt Library (University of Pennsylvania Libraries) (Philadelphia), Sammlung: Nachlass Alma Mahler-Werfel

    Bibliographie (Auswahl)

    • Edition in Richard Strauss / Gustav Mahler / Herta Blaukopf (Hrsg.), Briefwechsel: 1888-1911, Bd. Erweiterte Neuausgabe, 2. Auflage (= Piper Serie Piper; 767), München u.a., 1988, S. 99–101 (Transkriptionsgrundlage). Brief St. 18

    Zitierempfehlung

    Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe – Online-Plattform, richard‑strauss‑ausgabe.de/d03871 (Version 2019‑04‑12).

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