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Brief
Gustav Brecher an Richard Strauss
Dienstag, 23. August 1921

relevant für die veröffentlichten Bände: III/4 Macbeth

Verehrter Meister:

Mit äußerster Freude lese ich soeben von Ihrem Berliner Concert im September, Zarathustra – Jupiter-Symph., und not least: Sie selber! Wie wird sich auch Marienbad freuen, woselbst sich augenblicklich, außer der männlichen Jugend – (sofern ich mich noch zu dieser rechnen darf) die gesamte Familie aufhält; ich bin seit einer Woche allein in Schreiberhau, das großartige Wetter so lange als möglich zu genießen. Übermorgen muss ich nach Berlin zurück, um zum Saisonbeginn mit Schillings alles Nähere zu besprechen. Derselbe war vorgestern mit Kemp1 und einem Berliner Ehepaar, – Reisebekanntschaft –, in Schreiberhau; ich verbrachte mehrere Stunden mit ihnen in Villa und Grundstück und einem nahegelegenen Bauerngasthaus, vermied aber selbstverständlich alles Geschäftliche. Sie waren so freundlich mir eine Aktion bei den ersten Herren der Staatskapelle zu meinen Gunsten anzubieten: Sobald ich weiß in welcher Form, ob nur mit kürzerem Gastspiel, oder im Rahmen einer längeren Vertretung ich in Berlin anfange, werde ich mir erlauben Ihnen zu depeschieren und Sie um dementsprechende Fassung Ihrer Empfehlung zu bitten.

Als Programm meines Berliner Concerts am 4. Nov. habe ich Ihrem Vorschlag gemäß die Hölderlin-Gesänge2 zwischen Macbeth und Alpen-Symphonie gestellt – was ist doch auch dieser auffällig vernachlässigte Macbeth für ein gerade gewachsenes Musikstück von echt symphonischem Wurf und festester Fügung! Auch ich habe ihn jetzt erst richtig kennen gelernt. Wenn man da so gleichzeitig etlichen Bruckner (oder Mahler) studiert von dem ich auch Mehreres für nächsten Winter brauche, wird die Ungekonntheit von All Dem zu doppeltem, dreifachen Ärger. O diese Titanen von Zeitungsschreibers Gnaden – qui vivra verra.

Mit den besten Wünschen für den nur mehr kurzen Ruhe-Rest vor Herbstes & Winters Strapazen und Bürden grüßt Sie herzlich

Ihr stets ganz ergebener

Gust. Brecher.

1Barbara Kemp (1881–1959), dramatischer Sopra; ab 1914 an der Berliner Hof-/Staatsoper, war Gast am Metropolitan Opera House und bei den Bayreuther Festspielen. Seit 1923 in zweiter Ehe mit Max von Schillings verheiratet. [Anmerkung in Transkriptionsgrundlage].
2»Drei Hymnen nach Gedichten von Friedrich Hölderlin für hohe Singstimme und Orchester«, op. 71. Brecher dirigierte am 4.11.1921 in Berlin die UA; die Sopranpartie sang Barbara Kemp. [Anmerkung in Transkriptionsgrundlage].
verantwortlich für die Edition dieses Dokuments: Stefan Schenk

Quellennachweis

  • Original: Unbekannt

    • Hände:

      • [Schreiber nicht in Datenbank verzeichnet]
    • Autopsie: Keine Autopsie des Originals.

Bibliographie (Auswahl)

  • Edition in Gabriele Strauss (Hrsg.) / Monika Reger (Hrsg.): Ihr aufrichtig Ergebener: Richard Strauss im Briefwechsel mit zeitgenössischen Komponisten und Dirigenten, Bd. 2 (= Veröffentlichungen der Richard-Strauss-Gesellschaft, Bd. 15), Berlin, 1998, S. 126 (Transkriptionsgrundlage).

Zitierempfehlung

Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe – Online-Plattform, richard‑strauss‑ausgabe.de/d09589 (Version 2017‑03‑31).