Brief
Richard Strauss an Adolph Fürstner [Musikverlag]
Mittwoch, 27. September 1905, Marquartstein

relevant für die veröffentlichten Bände: I/3a Salome

[1r] [unbekannte Hand:] 1905
R. Strauss
Marquartstein, d. 27.9.

Lieber Herr Fürstner !

Wenn es mir auch schwer fällt, nach dem furchtbaren Schicksalsschlage, der Sie betroffen u. der auch uns aufs tiefste erschüttert hat, Ihnen wieder mit Geschäften zu kom̅en, so will ich doch wenigstens meine Pflicht erfüllen u. Ihre Fragen beantworten, lesen Sie’s dann, wenn Sie sich dazu fähig fühlen. –

In der Partitur des Tanzes sollen die Harfen stehen wie in der übrigen Partitur.

Intendant Jensen (Frankfurt) beklagt sich, daß Sie ihm erst die 3.te Aufführung nach Leipzig zugesagt hätten: ich möchte Sie bitten, davon abzugehen u. nach der Dresdner Uraufführung es jedem einzelnen Theater zu überlassen, wann es Salome herausbringen kann u. will.1

[1v] Mahler scheint die Wiener Censurschwierigkeiten bereits überwunden zu haben: bitte, schicken Sie ihm in meinem Auftrag Vertrag u. 4 bis 5 Klavierauszug [sic].2

Hoffentlich hat Langen jetzt endlich unterschrieben: mir für Frau Lachmann 350 M. Extrahonorar abzufordern ist eine direkte Unverschämtheit, nachdem Langen des öfteren erklärt hat, daß er allein Frau Lachmann abfinden werde. Daß ich die Lachmannsche Übersetzung […]wörtlich (mit Kürzungen) benutzen, (nicht bearbeiten) will, weiß Herr Langen seit 2 Jahren von mir. Wenn er’s verwechselt oder vergessen hat, ist’s nicht meine Schuld.

Übrigens ist mein Angebot von 20% Tantièmen für Langen so hoch, daß er davon leicht die [2r] 350 M., die Frau Lachmann jetzt plötzlich fordert[,] einrechnen kann. Wenn Herr Langen trotz öf [t]erer Mahnung von mir nicht vor 2 Jahren Alles mit Lachmann geordnet hat, – so kann ich doch nicht sein Versehen gutmachen. –

Rabbeis hat ursprünglich pro Bogen Partitur 1.20 Mark gefordert, ich habe ihm den Bogen freiwillig auf 1.50 Mark erhöht, wenn er ihn fehlerfrei abliefert.

Wie hoch beläuft sich denn jetzt das Ganze? Wenn’s nicht anders geht, will ich schon noch eine Kleinigkeit drauflegen, wenn Sie es nicht vorziehen, die Rabbeissche Copie, die ja, wenn der Vertrag perfekt wird, Ihr Eigentum wird, zu übernehmen.

Bock hat seiner Zeit auch die Copie der Domestica durch seinen Copisten anfertigen lassen u. bezahlt.

[2v] Noch eine wichtige Frage: wer bezahlt Dr Samter?3 Hat derselbe bei Ihnen feste Anstellung für alle derartigen Sachen oder muß ich hier noch besonders bluten? Hoffentlich übernim̅t den Londoner Advokaten mein Freund Speyer, sonst kostet mich vorher das ganze Zeug bald mehr, als es wert ist. –4

An Mengelberg werde ich schreiben. –

So, nun will ich Sie heute nicht weiter plagen.

Die Übertragung des französischen Originals der Salome auf meinen Klavierauszug ist fertig: ich hätte gerne, da Wildes Original französisch, daß mein Klavierauszug gleichzeitig in den 2 Ausgaben französisch (Original)
deutsch (Übersetzung)
erscheine [sic]. Es ist jetzt eine richtige französische Oper geworden.

Herzlichste Grüße Ihr sehr ergebener
DrRichardStrauss.

[vertikal:] Die Kosten für die französische Übersetzung habe ich Ihnen also erspart!

1Dieser Absatz weist am linken Rand der ersten drei Zeilen eine Anstreichung von fremder Hand auf.
2Dieser Absatz weist am linken Rand der letzten beiden Zeilen eine Anstreichung von fremder Hand auf.
3Diese Zeile weist am linken Rand eine Anstreichung von fremder Hand auf.
4Diese Zeile weist am linken Rand eine Anstreichung, mit Fragezeichen über »ganze«, von fremder Hand auf.
verantwortlich für die Edition dieses Dokuments: Claudia Heine

Quellennachweis

  • Original: [unbekannt] (Autograph)

    • Hände:

      • Richard Strauss (handschriftlich)
      • unbekannt (handschriftlich)
      • unbekannt (handschriftlich)
    • Autopsie: Keine Autopsie des Originals.

    • Reproduktionen:

      • Richard-Strauss-Archiv (Garmisch-Partenkirchen), Signatur: [Richard Strauss an Fürstner Verlag, 1890–1907, Nr. 135] (Transkriptionsgrundlage)

        • Autopsie: 2016-08-24

      • Bayerische Staatsbibliothek (München), Signatur: Ana 330.I.Fürstner, Nr. 125 (Transkriptionsgrundlage)

        • Autopsie: 2019-01-22

Zitierempfehlung

Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe – Online-Plattform, richard‑strauss‑ausgabe.de/d21124 (Version 2019‑04‑12).

Versionsgeschichte (Permalinks)