Brief
Richard Strauss an Alexander Ritter
Sonntag, 19. Oktober 1890, Weimar

relevant für die veröffentlichten Bände: III/4 Macbeth

Was mich selbst betrifft, so hat mir das Stück viel Freude gemacht und ich glaube, es im Aufbau und in der ganzen Idee auch vollständig aufrecht erhalten zu dürfen. Nur mit der Instrumentation bin ich nicht mehr ganz einverstanden. Durch zu viel Mittelstimmen kommen an vielen Stellen die Hauptthemen nicht so plastisch heraus, als ich es wünschte und ich bin schon ziemlich darüber mit mir einig, das ganze Stück vollständig zu überarbeiten […]1

Einige Menschen waren doch da, die gemerkt haben, daß hinter den greulichen Dissonanzen noch etwas anderes als die absolute Freude am Mißklang, nämlich eine Idee steckt. Bronsart bekannte aufrichtig, »daß er mit dem Stück nichts anfangen könne«. Lassen applaudierte wütend. Bronsart fragte, ob es ihm gefiele? »Nein«, sagte Lassen, »aber Strauß muß ich doch applaudieren.« Beide hatten nur interessante neue Klänge im Macbeth gehört. – Wenn ich nur einmal den verfluchten Wohlklang ausrotten könnte!!!

1Auslassung in der Transkriptionsgrundlage.
verantwortlich für die Edition dieses Dokuments: Stefan Schenk

Quellennachweis

  • Original: Unbekannt

    • Autopsie: Keine Autopsie des Originals.

Bibliographie (Auswahl)

  • Auszug in Siegmund von Hausegger: Richard Strauß und Alexander Ritter, in: Münchner Neueste Nachrichten, München, Mittwoch, 11. Juni 1924.
  • Auszug in Siegmund von Hausegger: Richard Strauß und Alexander Ritter, in: Rolf Cunz: Deutsches Musikjahrbuch, Bd. 4, Essen, 1926, S. 26–29. Wiederabdruck des Artikels aus den Münchner Neuesten Nachrichten, 11.06.1924.
  • Auszug in Erich H. Mueller von Asow: Richard Strauss: Thematisches Verzeichnis [Op. 1–59], Bd. 1, Wien, Wiesbaden, 1955, S. 107 f. (Transkriptionsgrundlage).

Zitierempfehlung

Richard Strauss Werke. Kritische Ausgabe – Online-Plattform, richard‑strauss‑ausgabe.de/d30441 (Version 2017‑03‑31).

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