| Textbuch Röder | Textbuch Breger & Lang |
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| ERSTER AUFZUG. | ERSTER AKT |
| Das Schlafzimmer der Feldmarschallin. Links im Alkoven das große zeltförmige Himmelbett. Neben dem Bett ein dreiteiliger chinesischer Wandschirm, hinter dem Kleider liegen. Ferner ein kleines Tischchen und ein paar Sitzmöbel. Auf einem Fauteuil links liegt ein Degen in der Scheide. Rechts große Flügeltüren in das Vorzimmer. In der Mitte kaum sichtbar kleine Türe in die Wand eingelassen. Sonst keine Türen. In dem Alkoven rechts steht ein Frisiertisch und ein paar Sessel an der Wand. Fauteuils und zwei kleine Sofas. Die Vorhänge des Bettes sind zurückgeschlagen. Octavian kniet auf einem Schemel vor dem Sofa links und hält die Feldmarschallin, die in der Sofaecke liegt, halb umschlungen. Man sieht ihr Gesicht nicht, sondern nur ihre sehr schöne Hand und den Arm, von dem das Spitzenhemd abfällt. Durch das halbgeöffnete Fenster strömt die helle Morgensonne herein. Man hört im Garten Vöglein singen. | Das Schlafzimmer der Feldmarschallin. Links im Alkoven das grosse zeltförmige Himmelbett. Neben dem Bett ein dreiteiliger chinesischer Wandschirm, hinter dem Kleider liegen. Ferner ein kleines Tischchen und ein paar Sitzmöbel. Auf einem Fauteuil links liegt ein Degen in der Scheide. Rechts grosse Flügeltüren in das Vorzimmer. In der Mitte kaum sichtbar kleine Türe in die Wand eingelassen. Sonst keine Türen. In dem Alkoven rechts steht ein Frisiertisch und ein paar Sessel an der Wand. Fauteuils und zwei kleine Sofas. Die Vorhänge des Bettes sind zurückgeschlagen. Octavian kniet auf einem Schemel vor dem Sofa links und hält die Feldmarschallin, die in der Sofaecke liegt, halb umschlungen. Man sieht ihr Gesicht nicht, sondern nur ihre sehr schöne Hand und den Arm, von dem das Spitzenhemd abfällt. Durch das halbgeöffnete Fenster strömt die helle Morgensonne herein. Man hört im Garten Vöglein singen. |
| Octavian. | Octavian: |
| Wie du warst! Wie du bist! | Wie Du warst! Wie Du bist! |
| Das weiß niemand, das ahnt keiner! | Das weiss niemand, das ahnt Keiner! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (richtet sich in den Kissen auf). | (richtet sich in den Kissen auf) |
| Beklagt Er sich über das, Quinquin? Möcht’ Er, | Beklagt Er sich über das, Quin-quin? |
| daß viele das wüßten? | Möcht er, dass viele das wüssten? |
| Octavian | Octavian: |
| (feurig). | (feurig) |
| Engel! Nein! Selig bin ich, | Engel! Nein! Selig bin ich, |
| Daß ich der Einzige bin, der weiß, wie du bist. | Dass ich der Einzige bin, der weiss, wie Du bist. |
| Keiner ahnt es! Niemand weiß es! | Keiner ahnt es! Niemand weiss es! |
| Du, du – was heißt das »Du«? Was »du und ich«? | Du, Du[ ]–[ ]was heisst das »Du?« Was »Du und ich«? |
| Hat denn das einen Sinn? | Hat denn das einen Sinn? |
| Das sind Wörter, bloße Wörter, nicht? Du sag’! | Das sind Wörter, blosse Wörter, nicht? Du sag’! |
| Aber dennoch: Es ist etwas in ihnen, | Aber dennoch: Es ist etwas in ihnen |
| ein Schwindeln, ein Ziehen, ein Sehnen und Drängen, | ein Schwindeln, ein Ziehen, ein Sehnen und Drängen, |
| ein Schmachten und Brennen: | ein Schmachten und Brennen: |
| Wie jetzt meine Hand zu deiner Hand kommt, | Wie jetzt meine Hand zu Deiner Hand kommt, |
| Das Zudirwollen, das Dichumklammern, | Das Zu-Dir-wollen, das Dich-umklammern |
| das bin ich, das will zu dir; | das bin ich, das will zu Dir; |
| aber das Ich vergeht in dem Du … | aber das Ich vergeht in dem Du[ ]… |
| Ich bin dein Bub’, aber wenn mir dann Hören und Sehen vergeht – | Ich bin Dein Bub – aber wenn mir dann Hören und Sehen vergeht – |
| wo ist dann dein Bub? | wo ist dann Dein Bub? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (leise). | (leise) |
| Du bist mein Bub’, du bist mein Schatz! | Du bist mein Bub, Du bist mein Schatz! |
| (Sehr innig.) | (sehr innig) |
| Ich hab’ dich lieb! | Ich hab’ Dich lieb! |
| Octavian | Octavian: |
| (fährt auf). | (fährt auf) |
| Warum ist Tag? Ich will nicht den Tag! Für was ist der Tag! | Warum ist Tag? Ich will nicht den Tag! Für was ist der Tag! |
| Da haben dich alle! Finster soll sein! | Da haben Dich alle! Finster soll sein! |
| (Er stürzt ans Fenster, schließt es und zieht die Vorhänge zu. Man hört von fern ein leises Klingeln.) | (Er l[ä]uft ans Fenster, schliesst es und zieht die Vorhänge zu. Man hört von fern ein leises Klingeln). |
| Marschallin | Marschallin: |
| (lacht leise). | (lacht leise) |
| Octavian. | Octavian: |
| Lachst du mich aus? | Lachst Du mich aus? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zärtlich). | (zärtlich) |
| Lach’ ich dich aus? | Lach’ ich Dich aus? |
| Octavian. | Octavian: |
| Engel! | Engel! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Schatz du, mein junger Schatz! | Schatz Du, mein junger Schatz! |
| (Wieder ein leises Klingeln). | (wieder ein leises klingeln [sic]) |
| Horch! | Horch! |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich will nicht. | Ich will nicht. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Still, paß auf! | Still, pass auf! |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich will nichts hören! Was wird’s denn sein? | Ich will nichts hören! Was wird’s denn sein? |
| (Das Klingeln näher.) | (Das Klingeln näher). |
| Sind’s leicht Laufer mit Briefen und Komplimenten? | Sind’s leicht Lauffer mit Briefen und Komplimenten? |
| Vom Saurau, vom Hartig, vom portugieser Envoyé? | Vom Saurau, vom Hartig, vom portugieser Envoye? |
| Hier kommt mir keiner herein. Hier bin ich der Herr! | Hier kommt mir keiner herein. Hier bin ich der Herr! |
| (Die kleine Tür in der Mitte geht auf und ein kleiner Neger in Gelb, behängt mit silbernen Schellen, ein Präsentierbrett mit der Schokolade tragend, trippelt über die Schwelle. Die Tür hinter dem Neger wird von unsichtbaren Händen geschlossen.) | (Die kleine Tür in der Mitte geht auf und ein kleiner Neger in Gelb, behängt mit silbernen Schellen, ein Präsentierbrett mit der Chocolade tragend, trippelt über die Schwelle. Die Tür hinter dem Neger wird von unsichtbaren Händen geschlossen.) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Schnell, da versteck’ Er sich! Das Frühstück ist’s. | Schnell, da versteck’ Er sich! Das Frühstück ist’s. |
| Octavian | Octavian: |
| (gleitet hinter den vorderen Wandschirm). | (gleitet hinter den vorderen Wandschirm) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Schmeiß’ Er doch Seinen Degen hinters Bett. | Schmeiss Er doch Seinen Degen hinter’s Bett. |
| Octavian | Octavian: |
| (fährt nach dem Degen und versteckt ihn). | (fährt nach dem Degen und versteckt ihn) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (verschwindet hinter den Bettvorhängen, die sie fallen läßt). | (verschwindet hinter den Bettvorhängen, die sie fallen lässt) |
| Der kleine Neger | Der Kleine Neger: |
| (stellt das Servierbrett auf das kleine Tischchen, schiebt dieses nach vorne, neben das linksstehende Sofa, verneigt sich dann tief gegen das Bett, die kleinen Arme über die Brust gekreuzt. Dann tanzt er zierlich nach rückwärts, immer das Gesicht dem Bette zugewandt. An der Tür verneigt er sich nochmals und verschwindet). | (stellt das Servierbrett auf das kleine Tischchen, schiebt dieses nach vorne, neben das linksstehende Sofa, verneigt sich dann tief gegen das Bett, die kleinen Arme über die Brust gekreuzt. Dann tanzt er zierlich nach rückwärts, immer das Gesicht dem Bette zugewandt. An der Tür verneigt er sich nochmals und verschwindet.) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (tritt zwischen den Bettvorhängen hervor. Sie hat einen leichten mit Pelz verbrämten Mantel umgeschlagen). | (tritt zwischen den Bettvorhängen hervor. Sie hat einen leichten mit Pelz verbrämten Mantel umgeschlagen.) |
| Octavian | Octavian: |
| (kommt zwischen der Mauer und dem Wandschirm hervor). | (kommt zwischen der Mauer und dem Wandschirm hervor) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Er Katzenkopf, Er Unvorsichtiger! | Er Katzenkopf, Er unvorsichtiger! |
| Läßt man in einer Dame Schlafzimmer seinen Degen herumliegen? | Lässt man in einer Dame Schlafzimmer seinen Degen herumliegen? |
| Hat Er keine besseren Gepflogenheiten? | Hat Er keine besseren Gepflogenheiten? |
| Octavian. | Octavian: |
| Wenn Ihr zu dumm ist, wie ich mich benehm’, | Wenn Ihr zu dumm ist, wie ich mich benehm’ |
| und wenn Ihr abgeht, daß ich kein Geübter in solchen Sachen bin, | und wenn Ihr abgeht, dass ich kein Geübter in solchen Sachen bin, |
| dann weiß ich überhaupt nicht, was Sie an mir hat! | dann weiss ich überhaupt nicht, was Sie an mir hat! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zärtlich, auf dem Sofa). | (zärtlich auf dem Sopha) |
| Philosophier’ Er nicht, Herr Schatz, und komm Er her. | Philosophier’ Er nicht, Herr Schatz und komm’ Er her. |
| Jetzt wird gefrühstückt. Jedes Ding hat seine Zeit. | Jetzt wird gefrühstückt. Jedes Ding hat seine Zeit. |
| Octavian | Octavian: |
| (setzt sich dicht neben sie. Sie frühstücken sehr zärtlich. Octavian legt sein Gesicht auf ihr Knie. Sie streichelt sein Haar. Er blickt zu ihr auf. Leise). | (setzt sich dicht neben sie. Sie frühstücken sehr zärtlich. Octavian legt sein Gesicht auf ihr Knie. Sie streichelt sein Haar. Er blickt zu ihr auf. Leise) |
| Marie Theres’! | Marie Theres’! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Octavian! | Octavian! |
| Octavian. | Octavian: |
| Bichette! | Bichette! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Quinquin! | Quin-quin! |
| Octavian. | Octavian: |
| Mein Schatz! | Mein Schatz! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Mein Bub’! | Mein Bub! |
| (Sie frühstücken weiter.) | (sie frühstücken weiter) |
| Octavian | Octavian: |
| (lustig). | (lustig) |
| Der Feldmarschall sitzt im krowatischen Wald | Der Feldmarschall sitzt im crowatischen Wald und jagt auf Bären und Luchsen. |
| und jagt auf Bären und Luchsen. | |
| Und ich, ich sitz’ hier, ich junges Blut, und jag’ auf was? | und ich, ich sitz hier, ich junges Blut und jag’ auf was? |
| Ich hab’ ein Glück, ich hab’ ein Glück! | Ich hab’ ein Glück, ich hab’ ein Glück! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (indem ein Schatten über ihr Gesicht fliegt). | (indem ein Schatten über ihr Gesicht fliegt) |
| Laß Er den Feldmarschall in Ruh’! | Lass er den Feldmarschall in Ruh! |
| Mir hat von ihm geträumt. | Mir hat von ihm geträumt. |
| Octavian. | Octavian: |
| Heut nacht hat dir von ihm geträumt? Heut nacht? | Heut’ Nacht hat Dir von ihm geträumt? Heut’ Nacht? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ich schaff’ mir meine Träum’ nicht an. | Ich schaff mir meine Träum’ nicht an. |
| Octavian. | Octavian: |
| Heut nacht hat dir von deinem Mann geträumt? | Heut’ Nacht hat Dir von Deinem Mann geträumt? Heut’ Nacht? |
| Heut nacht? | |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Mach’ Er nicht solche Augen. Ich kann nichts dafür. | Mach’ Er nicht solche Augen. Ich kann nichts dafür. |
| Er war auf einmal wieder zu Haus. | Er war auf einmal wieder zu Haus. |
| Octavian | Octavian: |
| (leise). | (leise) |
| Der Feldmarschall? | Der Feldmarschall? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Es war ein Lärm im Hof von Pferd’ und Leut’ und er war da, | Es war ein Lärm im Hof von Pferd’ und Leut’ und Er war da. |
| Vor Schreck war ich auf einmal wach, nein, schau’ nur, | Vor Schreck war ich auf einmal wach, nein schau nur, |
| schau’ nur, wie kindisch ich bin: ich hör’ noch immer den Rumor im Hof. | schau nur, wie kindisch ich bin: ich hör’ noch immer den Rumor im Hof. |
| Ich bring’s nicht aus dem Ohr. Hörst du leicht auch was? | Ich bring’s nicht aus dem Ohr. Hörst Du leicht auch was? |
| Octavian. | Octavian: |
| Ja freilich hör’ ich was, aber muß es denn dein Mann sein!? | Ja freilich hör ich was, aber muss es denn dein Mann sein!? |
| Denk’ dir doch, wo der ist: im Raitzenland, noch hinterwärts von Esseg. | Denk’ Dir doch, wo der ist im Raitzenland noch hinterwärts von Esseg. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ist das sicher sehr weit? | Ist das sicher sehr weit? |
| Na, dann wird’s halt was anders sein. Dann is ja gut. | Na dann wird’s halt was anders sein. Dann is ja gut. |
| Octavian. | Octavian: |
| Du schaust so ängstlich drein, Theres! | Du schaust so ängstlich drein, Theres! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Weiß Er, Quinquin – wenn es auch weit ist – | Weiss Er Quin-quin – wenn es auch weit ist – |
| Der Feldmarschall is halt sehr geschwind. Einmal – | Der Feldmarschall is halt sehr geschwind. Einmal – |
| (Sie stockt.) | (sie stockt). |
| Octavian | Octavian: |
| (eifersüchtig). | (eifersüchtig) |
| Was war einmal? | Wa[s] war einmal? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zerstreut, horcht). | (zerstreut, horcht) |
| Octavian | Octavian: |
| (eifersüchtig). | (eifersüchtig) |
| Was war einmal? Bichette! | Was war einmal? Bichette! |
| Bichette! Was war einmal? | Bichette! Was war einmal? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ach sei Er gut, Er muß nicht alles wissen. | Ach sei Er gut, Er muss nicht alles wissen. |
| Octavian | Octavian: |
| (wirft sich verzweifelt aufs Sofa rechts). | (wirft sich verzweifelt auf’s Sopha rechts) |
| So spielt Sie sich mit mir! Ich bin ein unglücklicher Mensch! | So spielt sie sich mit mir! Ich bin ein unglücklicher Mensch! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (horcht). | (horcht) |
| Jetzt trotz’ Er nicht. Jetzt gilt’s: es ist der Feldmarschall. | Jetzt trotz’ Er nicht. Jetzt gilt’s: Es ist der Feldmarschall. |
| Wenn es ein Fremder wär’, so wär’ der Lärm da draußen in meinem Vorzimmer. | Wenn es ein Fremder wär’, so wär’ der Lärm da draussen in meinem Vorzimmer |
| Es muß mein Mann sein, der durch die Garderob’ herein will | Es muss mein Mann sein, der durch die Garderob’ herein will |
| Und mit den Lakaien disputiert. | Und mit den Lakaien disputiert. |
| Quinquin, es ist mein Mann! | Quin-quin, es ist mein Mann! |
| Octavian | Octavian: |
| (fährt nach seinem Degen und läuft gegen rechts). | (fährt nach seinem Degen und läuft gegen rechts) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Nicht dort, dort ist das Vorzimmer. | Nicht dort, dort ist das Vorzimmer |
| Da sitzen meine Lieferanten und ein halbes Dutzend Lakaien. | Da sitzen meine Lieferanten und ein halbes Dutzend Lakaien. |
| Da! | Da! |
| Octavian | Octavian: |
| (läuft hinüber zur kleinen Türe). | (läuft hinüber zur kleinen Türe) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Zu spät! Sie sind schon in der Garderob’! | Zu spät! Sie sind schon in der Garderob’! |
| Jetzt bleibt nur eins! | Jetzt bleibt nur eins! |
| Versteck’ Er sich! | Versteck Er sich! |
| (Nach einer kurzen Pause der Ratlosigkeit.) | (nach einer kurzen Pause der Ratlosigkeit) |
| Dort! | Dort! |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich spring’ ihm in den Weg! Ich bleib’ bei dir. | Ich spring ihm in den Weg! Ich bleib’ bei Dir. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Dort hinters Bett! Dort in die Vorhäng’. Und rühr’ dich nicht! | Dort hinter’s Bett! Dort in die Vorhäng’. Und rühr’ Dich nicht! |
| Octavian | Octavian: |
| (zögernd). | (zögernd) |
| Wenn er mich dort erwischt, was wird aus dir, | Wenn er mich dort erwischt, was wird aus Dir, Theres? |
| Theres’? | |
| Marschallin | Marschallin: |
| (flehend). | (flehend) |
| Versteck’ Er sich, mein Schatz. | Versteck Er sich, mein Schatz. |
| Octavian | Octavian: |
| (beim Wandschirm). | (beim Wandschirm) |
| Theres! | Theres! |
| (Er verschwindet zwischen dem Wandschirm und der Alkovenwand.) | (er verschwindet zwischen dem Wandschirm und der Alkovenwand.) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ungeduldig aufstampfend). | (ungeduldig aufstampfend) |
| Sei Er ganz still! | Sei Er ganz still! |
| (Mit blitzenden Augen.) | (mit blitzenden Augen) |
| Das möcht’ ich sehn, | Das möcht’ ich seh’n, |
| Ob einer sich dort hinüber traut, wenn ich hier steh’. | Ob einer sich dort hinüber traut, wenn ich hier steh’ |
| Ich bin kein napolitanischer General: wo ich steh’, steh’ ich. | Ich bin kein napolitanischer General: wo ich steh, steh ich. |
| Sind brave Kerl’n, meine Lakaien, wollen ihn nicht herein lassen, | Sind brave Kerl’n, meine Lakaien, wollen ihn nicht herein lassen, |
| sagen, daß ich schlaf’. Sehr brave Kerl’n! | sagen, dass ich schlaf’. Sehr brave Kerl’n! |
| (Aufhorchend.) | (aufhorchend) |
| Die Stimm’! | Die Stimm’! |
| Das ist ja gar nicht die Stimm’ vom Feldmarschall! | Das ist ja gar nicht die Stimm’ vom Feldmarschall! |
| Sie sagen »Herr Baron« zu ihm! Das ist ein Fremder. | Sie sagen »Herr Baron« zu ihm! Das ist ein Fremder. |
| (Lustig.) | (lustig) |
| Quinquin, es ist ein Besuch. | Quin-quin, es ist ein Besuch. |
| (Sie lacht.) | (Sie lacht) |
| Fahr’ Er schnell in seine Kleider, | Fahr’ Er schnell in seine Kleider |
| aber bleib’ Er versteckt, | aber bleib’ Er versteckt, |
| daß die Lakaien Ihn nicht seh’n. | dass die Lakaien Ihn nicht seh’n. |
| Die blöde große Stimm’ müßte ich doch kennen. | Die blöde grosse Stimm’ müsste ich doch kennen. |
| Wer ist denn das? Herrgott, das ist der Ochs. | Wer ist denn das? Herrgott, das ist der Ochs. |
| Das ist mein Vetter, der Lerchenau, der Ochs auf Lerchenau, | Das ist mein Vetter, der Lerchenau, der Ochs auf Lerchenau, |
| Was will denn der? Jesus Maria! | Was will denn der? Jesus Maria! |
| (Sie muß lachen.) | (sie muss lachen) |
| Quinquin, hört Er, | Quinquin, hört Er, |
| Quinquin, erinnert Er sich nicht? | Quinquin, erinnert Er sich nicht? |
| Vor fünf oder sechs Tagen – den Brief – | Vor fünf oder sechs Tagen – den Brief – |
| Wir sind im Wagen gesessen, | Wir sind im Wagen gesessen |
| und einen Brief haben sie mir an den Wagenschlag gebracht. | und einen Brief haben sie mir an den Wagenschlag gebracht. |
| Das war der Brief vom Ochs. | Das war der Brief vom Ochs. |
| Und ich hab’ keine Ahnung, was drin gestanden ist. | Und ich hab’ keine Ahnung, was drin gestanden ist. |
| (Lacht.) | (Lacht) |
| Daran ist Er allein schuld, Quinquin! | Daran ist er allein Schuld, Quinquin! |
| Stimme des Haushofmeisters | Stimme des Haushofmeisters: |
| (draußen). | (draussen) |
| Belieben Euer Gnaden in der Galerie zu warten! | Belieben Euer Gnaden in der Gallerie [sic] zu warten! |
| (Die kleine rückwärtige Türe wird während des Folgenden mehrmals bis zum Spalt geöffnet und wieder geschlossen, als wollte von außen jemand eindringen, dem von anderen der Eintritt verwehrt wird.) | (Die kleine rückwärtige Türe wird während des Folgenden mehrmals bis zum Spalt geöffnet und wieder geschlossen, als wollte von aussen Jemand eindringen, dem von Anderen der Eintritt verwehrt wird.) |
| Stimme des Barons | Stimme des Barons: |
| (draußen). | (draussen) |
| Wo hat Er seine Manieren gelernt? | Wo hat Er seine Manieren gelernt? |
| Der Baron Lerchenau antichambrieret nicht. | Der Baron Lerchenau antichambrieret nicht. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Quinquin, was treibt Er denn? Wo steckt Er denn? | Quinquin, was treibt Er denn? Wo steckt Er denn? |
| Octavian | Octavian: |
| (in einem Frauenrock und Jäckchen, das Haar mit einem Schnupftuch und einem Bande wie in einem Häubchen, tritt hervor und knickst). | (in einem Frauenrock und Jäckchen, das Haar mit einem Schnupftuch und einem Bande wie in einem Häubchen, tritt hervor und knixt). |
| Befehl’n fürstli’ Gnad’n, i bin halt noch nit recht lang in fürstli’n Dienst. | Befehl’n fürstli’ Gnad’n I’ bin halt, [sic] noch nit recht lang in fürstli’n Dienst. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Du, Schatz! | Du, Schatz! |
| Und nicht einmal mehr als ein Busserl kann ich dir geben. | Und nicht einmal mehr als ein Busserl kann ich Dir geben. |
| (Küßt ihn schnell. Neuer Lärm draußen.) | (Küsst ihn schnell) (Neuer Lärm draussen) |
| Er bricht mir ja die Tür ein, der Herr Vetter. | Er bricht mir ja die Tür ein, der Herr Vetter. |
| Mach’ Er, daß Er hinauskomm’. | Mach Er, dass Er hinauskomm’. |
| Schlich [sic] Er frech durch die Lakaien durch. | Schlief’ Er frech durch die Lakaien durch. |
| Er ist ein blitzgescheiter Lump! Und komm’ Er wieder, Schatz, | Er ist ein blitzgescheidter Lump! Und komm’ Er wieder, Schatz. |
| aber in Mannskleidern und durch die vordre Tür, wenn’s Ihm beliebt. | Aber in Mannskleidern und durch die vordre Tür, wenn’s Ihm beliebt. |
| (Setzt sich auf das Sofa links mit dem Rücken gegen die Tür und beginnt ihre Schokolade zu trinken. Octavian geht schnell gegen die kleine Tür und will hinaus. Im gleichen Augenblick wird die Tür aufgerissen, und Baron Ochs, den die Lakaien vergeblich abzuhalten suchen, tritt ein. Octavian, der mit gesenktem Kopf rasch entwischen wollte, stößt mit ihm zusammen. Dann drückt er sich verlegen an die Wand links von der Tür. Drei Lakaien sind gleichzeitig mit dem Baron eingetreten, stehen ratlos.) | (Setzt sich auf das Sofa links mit dem Rücken gegen die Tür und beginnt ihre Chocolade zu trinken. Octavian geht schnell gegen die kleine Tür und will hinaus. Im gleichen Augenblick wird die Tür aufgerissen und Baron Ochs, den die Lakaien vergeblich abzuhalten suchen, tritt ein. Octavian, der mit gesenktem Kopf rasch entwischen wollte, stösst mit ihm zusammen.. [sic] Dann drückt er sich verlegen an die Wand links von der Türe. Drei Lakaien sind gleichzeitig mit dem Baron eingetreten, stehen ratlos.) |
| Baron | Baron: |
| (mit Grandezza zu den Lakaien). | (mit Grandezza zu den Lakaien) |
| Selbstverständlich empfängt mich Ihre Gnaden. | Selbstverständlich empfängt Ihre Gnaden. |
| (Er geht nach vorn, die Lakaien zu seiner Linken suchen ihm den Weg zu vertreten.) | (Er geht nach vorn, die Lakaien zu seiner Linken suchen ihm den Weg zu vertreten.) |
| Baron | Baron: |
| (zu Octavian mit Interesse). | (zu Octavian mit Interesse) |
| Pardon, mein hübsches Kind! | Pardon, mein hübsches Kind! |
| Octavian | Octavian: |
| (dreht sich verlegen gegen die Wand). | (dreht sich verlegen gegen die Wand) |
| Baron | Baron: |
| (mit Grazie und Herablassung). | (mit Grazie und Herablassung) |
| Ich sag’: Pardon, mein hübsches Kind. | Ich sag’: Pardon, mein hübsches Kind. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (sieht über die Schulter, steht dann auf und kommt dem Baron entgegen). | (sieht über die Schulter, steht dann auf und kommt dem Baron entgegen). |
| Baron | Baron: |
| (galant zu Octavian). | (galant zu Octavian) |
| Ich hab’ Ihr doch nicht ernstlich weh getan? | Ich hab Ihr doch nicht ernstlich weh getan? |
| Lakaien | Lakaien: |
| (zupfen den Baron, leise). | (zupfen den Baron, leise) |
| Ihre fürstlichen Gnaden! | Ihre fürstlichen Gnaden! |
| (Sie rangieren sich beim Nahen der Marschallin zu einer dichtgeschlossenen Front hart vor der kleinen Türe.) | (Sie rangieren sich beim Nahen der Marschallin zu einer dichtgeschlossenen Front hart vor der kleinen Türe.) |
| Baron | Baron: |
| (macht die französische Reverenz mit zwei Wiederholungen). | (Macht die französische Reverenz mit zwei Wiederholungen) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Euer Liebden sehen vortrefflich aus. | Euer Liebden sehen vortrefflich aus. |
| Baron | Baron: |
| (verneigt sich nochmals, dann zu den Lakaien). | (verneigt sich nochmals, dann zu den Lakaien) |
| Sieht Er jetzt wohl, daß Ihre Gnaden entzückt ist, mich zu sehn. | Sieht Er jetzt wohl, daß Ihre Gnaden entzückt ist, mich zu seh’n. |
| (Auf die Marschallin zu, mit weltmännischer Leichtigkeit, indem er ihr die Hand reicht und sie vorführt.) | (Auf die Marschallin zu, mit weltmännischer Leichtigkeit, indem er ihr die Hand reicht und sie vorführt.) |
| Und wie sollten Euer Gnaden nicht! | Und wie sollten Euer Gnaden nicht! |
| Was tut die frühe Stunde unter Personen von Stand? | Was tut die frühe Stunde unter Personen von Stand? |
| Hab’ ich nicht seinerzeit wahrhaftig Tag für Tag | Hab’ ich nicht seinerzeit wahrhaftig Tag für Tag |
| unsrer Fürstin Brioche meine Aufwartung gemacht, | uns’rer Fürstin Brioche meine Aufwartung gemacht, |
| da sie im Bad gesessen ist, | da sie im Bad gesessen ist, |
| mit nichts als einem kleinen Wandschirm zwischen ihr und mir. | mit nichts als einem kleinen Wandschirm zwischen ihr und mir. |
| Ich muß mich wundern, | Ich muss mich wundern |
| (zornig umschauend) | (zornig umschauend) |
| wenn Euer Gnaden Livree – | wenn Euer Gnaden Livree – |
| Octavian | Octavian: |
| (wäre währenddessen gern hinausgeschlüpft; die befremdeten Blicke und Gesichter der Lakaien nötigen ihn zur äußersten Vorsicht, und er zieht sich mit gespielter Unbefangenheit an der Wand gegen den Alkoven hin zurück). | (wäre währenddessen gern hinausgeschlüpft; die befremdeten Blicke und Gesichter der Lakaien nötigen ihn zur äussersten Vorsicht und er zieht sich mit gespielter Unbefangenheit an der Wand gegen den Alkoven hin zurück.) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Verzeihen Sie! | Verzeihen Sie |
| Man hat sich betragen, wie es befohlen war. | Man hat sich betragen, wie es befohlen war. |
| Ich hatte diesen Morgen die Migräne. | Ich hatte diesen Morgen die Migräne. |
| (Auf einen Wink der Marschallin haben die Lakaien die beiden kleinen Sofas mehr nach vorn gebracht und sind abgegangen.) | (auf einen Wink der Marschallin haben die Lakaien die beiden kleinen Sofas mehr nach vorn gebracht und sind dann abgegangen.) |
| Baron | Baron: |
| (sieht öfters nach rückwärts). | (sieht öfters nach rückwärts) |
| Octavian | Octavian: |
| (macht sich möglichst unsichtbar beim Bett zu schaffen). | (macht sich möglichst unsichtbar beim Bett zu schaffen) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (setzt sich auf das Sofa rechts, nachdem sie dem Baron den Platz auf dem Sofa links angeboten hat). | (setzt sich auf das Sopha rechts nachdem sie dem Baron den Platz auf dem Sofa links angeboten hat) |
| Baron | Baron: |
| (versucht sich zu setzen, äußerst okkupiert von der Anwesenheit der hübschen Kammerzofe. Für sich). | (versucht sich zu setzen, äusserst occupiert von der Anwesenheit der hübschen Kammerzofe. Für sich) |
| Ein hübsches Ding! Ein gutes saub’res Kinderl! | Ein hübsches Ding! Ein gutes saub’res Kinderl! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (aufstehend, ihm zeremoniös aufs neue seinen Platz anbietend). | (aufstehend ihm zeremoniös aufs neue seinen Platz anbietend) |
| Baron | Baron: |
| (setzt sich zögernd und bemüht sich, der hübschen Zofe nicht völlig den Rücken zu kehren. Im folgenden wendet er sich bald nach der Marschallin, also nach seiner Linken, bald nach Octavian, also nach seiner Rechten). | (setzt sich zögernd und bemüht sich, der hübschen Zofe nicht völlig den Rücken zu kehren. Im Folgenden wendet er sich bald nach der Marschallin, also nach seiner Linken, bald nach Octavian, also nach seiner Rechten.) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ich bin auch jetzt noch nicht ganz wohl. | Ich bin auch jetzt noch [nicht] ganz wohl. |
| Der Vetter wird darum vielleicht die Gnade haben – | Der Vetter wird darum vielleicht die Gnade haben – |
| Baron. | Baron: |
| Natürlich. | Natürlich. |
| (Er dreht sich nach seiner Rechten um, um Octavian zu sehen.) | (Er dreht sich nach seiner Rechten um, um Octavian zu sehen.) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Meine Kammerzofe, ein junges Ding vom Land. | Meine Kammerzofe, ein junges Ding vom Lande. |
| Ich muß fürchten, sie inkommodiert Euer Liebden. | Ich muss fürchten, die incommodiert Euer Liebden. |
| Baron | Baron: |
| (nach seiner Rechten). | (nach seiner Rechten) |
| Ganz allerliebst! | Ganz allerliebst! |
| (Nach seiner Linken.) | (nach seiner Linken) |
| Wie? Nicht im geringsten! Mich? Im Gegenteil! | Wie? Nicht im Geringsten! Mich? Im Gegenteil! |
| (Er winkt Octavian mit der Hand, dann zur Marschallin.) | (er winkt Octavian mit der Hand, dann zur Marschallin) |
| Euer Gnaden werden vielleicht verwundert sein, daß ich als Bräutigam | Euer Gnaden werden vielleicht verwundert sein, dass ich als Bräutigam |
| (sieht sich nach seiner Linken um) | (sieht sich nach seiner Linken um) |
| indes – inzwischen – | indess – inzwischen – |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Als Bräutigam? | Als Bräutigam? |
| Baron | Baron: |
| (nach seiner Linken). | (nach seiner Linken) |
| Ja, wie Euer Gnaden denn doch wohl aus meinem Brief genugsam – | Ia [sic], wie Euer Gnaden, [sic] denn doch wohl aus meinem Brief genugsam |
| (Nach seiner Rechten.) | (nach seiner Rechten) |
| Ein Grasaff’, appetitlich, keine fünfzehn Jahr! | Ein Grasaff, appetitlich, keine fünfzehn Jahr! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (erleichtert). | (erleichtert) |
| Der Brief, natürlich, ja, der Brief, wer ist denn nur die Glückliche? | Der Brief, natürlich, ja, der Brief, wer ist denn nur die Glückliche? |
| Ich hab’ den Namen auf der Zunge. | ich hab’ den Namen auf der Zunge. |
| Baron | Baron: |
| (nach seiner Linken). | (nach seiner Linken) |
| Wie? | Wie? |
| (Nach rückwärts.) | (nach rückwärts) |
| Pudeljung! Gesund! Gewaschen! Allerliebst! | Pudeljung! Gesund! Gewaschen! Allerliebst! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wer ist nur schnell die Braut!? | Wer ist nur schnell die Braut!? |
| Baron. | Baron: |
| Das Fräulein Faninal. Ich habe Euer Gnaden | Das Fräulein Faninal. Ich habe Euer Gnaden |
| den Namen nicht verheimlicht. | den Namen nicht verheimlicht. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Natürlich! Wo hab’ ich meinen Kopf? | Natürlich! Wo hab’ ich meinen Kopf? Bloss die |
| Bloß die Famili ist mir nicht bekannt. Sind’s keine Hiesigen? | Familie ist mir nicht bekannt. Sind’s keine Hiesigen? |
| Octavian | Octavian: |
| (macht sich mit dem Servierbrett zu tun, wodurch er mehr hinter den Rücken des Barons kommt). | (macht sich mit dem Servierbrett zu tun, wodurch er mehr hinter den Rücken des Barons kommt) |
| Baron. | Baron: |
| Jawohl, Euer Gnaden, es sind Hiesige. | Jawohl, Euer Gnaden, es sind Hiesige. |
| Ein durch die Gnade Ihrer Majestät Geadelter. | Ein durch die Gnade Ihrer Majestät Geadelter. |
| Er hat die Lieferung für die Armee, die in den Niederlanden steht. | Er hat die Lieferung für die Armee, die in den Niederlanden steht. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (bedeutet Octavian ungeduldig mit den Augen, er solle sich fortmachen). | (bedeutet Octavian ungeduldig mit den Augen, er solle sich fortmachen) |
| Baron | Baron: |
| (mißversteht ihre Miene durchaus). | (missversteht ihre Miene durchaus) |
| Ich seh’, Euer Gnaden runzeln Dero schöne Stirn ob der Mesalliance. | Ich seh’, Euer Gnaden runzeln Dero schöne Stirn ob der Mesalliance. |
| Allein daß ich es sag’, das Mädchen ist für einen Engel hübsch genug. | Allein, dass ich es sag’, das Mädchen ist für einen Engel hübsch genug. |
| Kommt frischweg aus dem Kloster. Ist das einzige Kind. | Kommt frischweg aus dem Kloster. Ist das einzige Kind, |
| (Stärker.) | |
| Dem Mann gehören zwölf Häuser auf der Wied’n nebst dem Palais am Hof. | (stärker) Dem Mann gehören zwölf Häuser auf der Wied’n nebst dem Palais am Hof. |
| Und seine Gesundheit | Und seine Gesundheit |
| (schmunzelnd) | (schmunzelnd) |
| soll nicht die beste sein. | soll nicht die beste sein. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Mein lieber Vetter, ich kapier’ schon, wieviel’s geschlagen hat. | Mein lieber Vetter, ich capier’ schon, wieviel’s geschlagen hat. |
| (Winkt Octavian, den Rückzug zu nehmen.) | (winkt Octavian, den Rückzug zu nehmen) |
| Baron. | Baron: |
| Und mit Verlaub von Euer fürstlichen Gnaden, | Und mit Verlaub von Euer fürstlichen Gnaden, |
| ich dünke mir, gut’s adeliges Blut genug im Leib zu haben für ihrer zwei: | ich dünke mir, gut’s adeliges Blut genug im Leib zu haben für ihrer Zwei; |
| man bleibt doch schließlich, was man ist, Corpo di bacco! | man bleibt doch schliesslich was man ist, Corpo di bacco! |
| Den Vortritt, wo er ihr gebührt, wird man der Frau Gemahlin | Den Vortritt, wo er ihr gebührt, wird man der Frau Gemahlin |
| noch zu verschaffen wissen, und was die Kinder anlangt, wenn sie denen | noch zu verschaffen wissen, und was die Kinder anlangt, wenn sie denen |
| den goldnen Schlüssel nicht konzedieren werden – Va bene! | den goldnen Schlüssel nicht concedieren werden – Va bene! |
| Sie werden sich mit den zwölf eisernen Schlüsseln | Sie werden sich mit den zwölf eisernen Schlüsseln |
| zu den zwölf Häusern auf der Wied’n zu getrösten wissen. | zu den zwölf Häusern auf der Wied’n zu getrösten wissen. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Gewiß! O sicherlich, dem Vetter seine Kinder, die werden keine Don Quixotten sein! | Gewiss! O sicherlich dem Vetter seine Kinder, die werden keine Don Quixotten sein! |
| Octavian | Octavian: |
| (will mit dem Servierbrett rückwärts zur Tür hin). | (will mit dem Servierbrett rückwärts zur Türe hin) |
| Baron. | Baron: |
| Warum hinaus die Schokolade! Geruhen nur! | Warum hinaus die Chocolade! Geruhen nur! |
| Da! Pst, wieso denn! | Da! Pst, wieso denn! |
| Octavian | Octavian: |
| (steht unschlüssig, das Gesicht abgewendet). | (steht unschlüssig, das Gesicht abgewendet) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Fort, geh’ Sie nur! | Fort, geh’ Sie nur! |
| Baron. | Baron: |
| Wenn ich Euer Gnaden gesteh’, | Wenn ich Euer Gnaden gesteh’, |
| daß ich noch so gut wie nüchtern bin. | dass ich noch so gut wie nüchtern bin. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (resigniert). | (resigniert) |
| Mariandl, komm’ Sie her. Servier’ Sie Seiner | Mariandl, komm Sie her. Servier Sie Seiner Liebden. |
| Liebden. | |
| Octavian | Octavian: |
| (kommt, serviert an der Rechten des Barons, so daß dieser sich wieder zwischen der Marschallin und Octavian befindet). | (kommt, serviert an der Rechten des Barons, so dass dieser sich wieder zwischen der Marschallin und Octavian befindet.) |
| Baron | Baron: |
| (nimmt eine Tasse, bedient sich). | (nimmt eine Tasse, bedient sich) |
| So gut wie nüchtern, Euer Gnaden. Sitz’ im Reisewagen seit fünf Uhr früh. | So gut wie nüchtern, Euer Gnaden. Sitz’ im Reisewagen seit fünf Uhr früh. |
| Recht ein gestelltes Ding! | Recht ein gestelltes Ding! |
| (Zu Octavian.) | (zu Octavian) |
| Bleib’ Sie dahier, mein Herz. | Bleib’ Sie dahier, mein Herz. |
| Ich hab’ Ihr was zu sagen. | Ich hab’ Ihr was zu sagen. |
| (Zur Marschallin, laut.) | (zur Marschallin, laut) |
| Meine ganze Livree, Stallpagen, Jäger, alles – | Meine ganze Livree, Stallpagen, Jäger, alles – |
| (Er frißt.) | (er frisst) |
| Alles unten im Hof zusamt meinem Almosenier. | Alles unten im Hof zusammt meinem Almosenier. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zu Octavian). | (zu Octavian) |
| Geh’ Sie nur. | Geh’ Sie nur. |
| Baron | Baron: |
| (zu Octavian). | (zu Octavian) |
| Hat Sie noch ein Biskoterl? Bleib’ Sie doch! | Hat Sie noch ein Biskoterl? Bleib’ Sie doch! |
| (Leise.) | (leise) |
| Sie ist ein süßer Engelsschatz, ein sauberer. | Sie ist ein süsser Engelsschatz, ein sauberer. |
| (Zur Marschallin.) | (zur Marschallin) |
| Sind auf dem Wege zum »Weißen Roß«, wo wir logieren, heißt bis übermorgen – | Sind auf dem Wege zum »Weissen Ross« wo wir logieren, heisst bis übermorgen – |
| (Halblaut zu Octavian.) | (halblaut zu Octavian) |
| Ich gäb’ was Schönes drum, mit Ihr – | Ich gäb’ was Schönes drum,[ ]mit Ihr |
| (zur Marschallin, sehr laut) | (zur Marschallin sehr laut) |
| bis übermorgen – | bis übermorgen |
| (schnell zu Octavian) | (schnell zu Octavian) |
| unter vier Augen zu scharmutzieren! Wie? | unter vier Augen zu scharmutzieren! Wie? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (muß lachen über Octavians freches Komödienspiel). | (muss lachen über Octavians freches Komödienspiel) |
| Baron. | Baron: |
| Dann ziehn wir ins Palais von Faninal. | Dann ziehn wir ins Palais von Faninal. |
| Natürlich muß ich vorher den Bräutigamsaufführer – | Natürlich muss ich vorher den Bräutigamsaufführer[ ]– |
| (wütend zu Octavian) | (wütend zu Octavian) |
| will Sie denn nicht warten? – | Will Sie denn nicht warten?[ ]– |
| an die wohlgeborne Jungfer Braut deputieren, | an die wohlgeborne Jungfer Braut deputieren |
| der die silberne Rosen überbringt | der die silberne Rosen überbringt |
| nach der hochadeligen Gepflogenheit. | nach der hochadeligen Gepflogenheit. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Und wen von der Verwandtschaft haben Euer Liebden | Und wen von der Verwandtschaft haben Euer Liebden |
| für dieses Ehrenamt ausersehn? | für dieses Ehrenamt auserseh’n? |
| Baron. | Baron: |
| Die Begierde, darüber Euer Gnaden Ratschlag einzuholen, | Die Begierde, darüber Euer Gnaden Ratschlag einzuholen, |
| hat mich so kühn gemacht, in Reisekleidern bei Dero heutigem Lever – | hat mich so kühn gemacht, in Reisekleidern bei Dero heutigem Lever – |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Von mir? | Von mir? |
| Baron. | Baron: |
| Gemäß brieflich in aller Devotion getaner Bitte. | Gemäss brieflich in aller Devotion getaner Bitte. |
| Ich bin doch nicht so unglücklich, mit dieser devotesten Supplik Dero Mißfallen … | Ich bin doch nicht so unglücklich mit dieser devotesten Supplik Dero Missfallen[ ]… |
| (Lehnt sich zurück.) | (lehnt sich zurück) |
| Sie könnte mit mir machen, was Sie wollte. | Sie könnte mit mir machen, was Sie wollte. |
| Sie hat das Zeug dazu! | Sie hat das Zeug dazu! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wie denn, natürlich! | Wie denn, natürlich! |
| Einen Aufführer | Einen Aufführer |
| für Euer Liebden ersten Bräutigamsbesuch | für Euer Liebden ersten Bräutigamsbesuch |
| aus der Verwandtschaft – wen denn nur? | aus der Verwandtschaft – wen denn nur? |
| den Vetter Jörger? Wie? Den Vetter Lamberg? | den Vetter Jörger? Wie? Den Vetter Lamberg? |
| Ich werde – | Ich werde – |
| Baron. | Baron: |
| Dies liegt in Euer Gnaden allerschönsten Händen. | Dies liegt in Euer Gnaden allerschönsten Händen. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ganz gut. Will Er mit mir zu Abend essen, Vetter? | Ganz gut. Will Er mit mir zu Abend essen, Vetter? |
| Sagen wir morgen, will Er? Dann proponier’ ich Ihm einen. | Sagen wir morgen, will Er? Dann proponier’ ich Ihm einen. |
| Baron. | Baron: |
| Euer Gnaden sind die Herablassung selber. | Euer Gnaden sind die Herablassung selber. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (will aufstehen). | (will aufstehen) |
| Indes – | Indess – |
| Baron. | Baron: |
| (halblaut). | (halblaut) |
| Daß Sie mir wiederkommt! Ich geh’ nicht eher fort! | Dass Sie mir wiederkommt! Ich geh’ nicht eher fort! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (für sich). | (für sich) |
| Oho! | Oho! |
| (Laut.) | (laut) |
| Bleib’ Sie nur da! Kann ich dem Vetter | Bleib’ Sie nur da! Kann ich dem Vetter |
| für jetzt noch dienlich sein? | für jetzt noch dienlich sein? |
| Baron. | Baron: |
| Ich schäme mich bereits: | Ich schäme mich bereits: |
| An Euer Gnaden Notari eine Rekommandation | An Euer Gnaden Notari eine Recommandation |
| wär mir lieb. | wär’ mir lieb. |
| Es handelt sich um den Eh’vertrag. | Es handelt sich um den Eh’vertrag. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Mein Notari kommt öfters des Morgens. Schau’ Sie doch, Mariandel, | Mein Notari kommt öfters des Morgens. Schau Sie doch Mariandel, |
| ob er nicht in der Antichambre ist und wartet. | ob er nicht in der Antichambre ist und wartet. |
| Baron. | Baron: |
| Wozu das Kammerzofel? | Wozu das Kammerzofel? |
| Euer Gnaden beraubt sich der Bedienung | Euer Gnaden beraubt sich der Bedienung |
| um meinetwillen. | um meinetwillen! |
| (Hält sie auf.) | (hält sie auf) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Laß Er doch, Vetter, Sie mag ruhig gehn. | Lass Er doch, Vetter, sie mag ruhig gehn. |
| Baron | Baron: |
| (lebhaft). | (lebhaft) |
| Das geb’ ich nicht zu, bleib’ Sie dahier zu Ihrer Gnaden Wink. | Das geb’ ich nicht zu! Bleib Sie dahier zu Ihrer Gnaden Wink. |
| Es kommt gleich wer von der Livree herein. | Es kommt gleich wer von der Livree herein! |
| Ich ließ ein solches Goldkind, meiner Seel’, | Ich liess ein solches Goldkind, meiner Seel’, |
| nicht unter das infame Lakaienvolk. | nicht unter das infame Lakaienvolk! |
| (Streichelt sie.) | (streichelt sie) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Euer Liebden sind allzu besorgt. | Euer Liebden sind allzu besorgt. |
| Haushofmeister | Haushofmeister: |
| (tritt ein). | (tritt ein) |
| Baron. | Baron: |
| Da, hab’ ich’s nicht gesagt? | Da! hab’ ich’s nicht gesagt? |
| Er wird Euer Gnaden zu melden haben. | Er wird Euer Gnaden was zu melden haben. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zum Haushofmeister). | (zum Haushofmeister) |
| Struhan, hab’ ich meinen Notari in der Vorkammer warten? | Struhan, hab’ ich meinen Notari in der Vorkammer warten? |
| Haushofmeister. | Haushofmeister: |
| Fürstliche Gnaden haben den Notari, | Fürstliche Gnaden haben den Notari, |
| dann den Verwalter, dann den Kuchelchef, | dann den Verwalter, dann den Kuchelchef, |
| dann von Excellenz Silva hergeschickt | dann von Excellenz Silva hergeschickt |
| ein Sänger mit einem Flötisten. | ein Sänger mit einen [sic] Flötisten. |
| (Trocken.) | (trocken) |
| Ansonsten das gewöhnliche Bagagi. | Ansonsten das gewöhnliche Bagagi. |
| Baron | Baron: |
| (hat sein Sofa hinter den breiten Rücken des Haushofmeisters geschoben, ergreift zärtlich die Hand der vermeintlichen Zofe). | (hat sein Sofa hinter den breiten Rücken des Haushofmeisters geschoben, ergreift zärtlich die Hand der vermeintlichen Zofe). |
| Hat sie schon einmal | Hat Sie schon einmal |
| mit einem Kavalier im tête-à-tête | mit einem Kavalier im tête-à-tête |
| zu Abend g’essen? | zu Abend g’essen? |
| Octavian | Octavian: |
| (tut sehr verlegen). | (tut sehr verlegen) |
| Baron. | Baron: |
| Nein? Da wird Sie Augen machen. Will Sie? | Nein? Da wird Sie Augen machen. Will Sie? |
| Octavian | Octavian: |
| (leise, verschämt). | (leise, verschämt) |
| I weiß halt nit, ob i dös derf. | I’ weiss halt nit, ob i dös derf. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (dem Haushofmeister unaufmerksam zuhörend, beobachtet die beiden, muß leise lachen). | (dem Haushofmeister unaufmerksam zuhörend, beobachtet die Beiden, muss leise lachen). |
| Haushofmeister | Haushofmeister: |
| (verneigt sich, tritt zurück, wodurch die Gruppe für den Blick der Marschallin frei wird.) | (verneigt sich, tritt zurück, wodurch die Gruppe für den Blick der Marschallin frei wird). |
| Marschallin | Marschallin: |
| (lachend zum Haushofmeister). | (lachend zum Haushofmeister) |
| Warten lassen. | Warten lassen. |
| (Haushofmeister ab.) | (Haushofmeister ab) |
| Baron | Baron: |
| (setzt sich möglichst unbefangen zurecht und nimmt eine gravitätische Miene an). | (setzt sich möglichst unbefangen zurecht und nimmt eine gravitätische Miene an). |
| Marschallin | Marschallin: |
| (lachend). | (lachend) |
| Der Vetter ist, ich seh’, kein Kostverächter. | Der Vetter ist, ich seh’ es, kein Kostverächter. |
| Baron | Baron: |
| (erleichtert). | (erleichtert) |
| Mit Euer Gnaden | Mit Euer Gnaden |
| (aufatmend) | (aufatmend) |
| ist man frei daran. Da gibt’s keine Flausen, keine Etikette, | ist man frei daran. Da gibt’s keine Flausen, keine Etiquette, |
| keine spanische Tuerei! | keine spanische Tuerei! |
| (Er küßt der Marschallin die Hand.) | (Er küsst der Marschallin die Hand) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (amüsiert). | (amüsiert) |
| Aber wo Er doch ein Bräutigam ist? | Aber wo Er doch ein Bräutigam ist? |
| Baron | Baron: |
| (halb aufstehend, ihr genähert). | (halb aufstehend, ihr genähert) |
| Macht das einen lahmen Esel aus mir? | Macht das einen lahmen Esel aus mir? |
| Bin ich da nicht wie ein guter Hund auf einer guten Fährte? | Bin ich da nicht wie ein guter Hund auf einer guten Fährte? |
| Und doppelt scharf auf jedes Wild: nach links, nach rechts? | Und doppelt scharf auf jedes Wild: nach links, nach rechts? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ich seh’, Euer Liebden betreiben es als Profession. | Ich seh’, Euer Liebden betreiben es als Profession. |
| Baron. | Baron: |
| Das will ich meinen. | Das will ich meinen. |
| Wüßte nicht, welche mir besser behagen könnte. | Wüsste nicht, welche mir besser behagen könnte. |
| Ich muß Euer Gnaden sehr bedauern, | Ich muss Euer Gnaden sehr bedauern, |
| daß Euer Gnaden nur – wie drück’ ich mich aus – | dass Euer Gnaden nur – wie drück ich mich aus – |
| die verteidigenden Erfahrungen besitzen. | die verteidigenden Erfahrungen besitzen. |
| Parole d’honneur! Es geht nichts über die von der anderen Seite! | Parole d’honneur! Es geht nichts über die von der anderen Seite! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (lacht). | (lacht) |
| Ich glaube Ihm, daß die sehr mannigfaltig sind. | Ich glaub’ Ihm, dass die sehr mannigfaltig sind. |
| Baron. | Baron: |
| Soviel Zeiten das Jahr, soviel Stunden der Tag, das ist keine – | So viel Zeiten das Jahr, so viel Stunden der Tag, das ist keine – |
| Marschallin[.] | Marschallin: |
| Keine? | Keine? |
| Baron. | Baron: |
| Wo nicht – | Wo nicht – |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wo nicht? – | Wo nicht? – |
| Baron. | Baron: |
| Wo nicht dem Knaben Cupido | Wo nicht dem Knaben Cupido |
| ein Geschenkerl abzulisten wär’! | ein Geschenkerl abzulisten wär’! |
| Dafür ist man kein Auerhahn und kein Hirsch, | Dafür ist man kein Auerhahn und kein Hirsch, |
| sondern ist man Herr der Schöpfung, | sondern ist man Herr der Schöpfung, |
| daß man nicht nach dem Kalender forciert ist, halten zu Gnaden! | dass man nicht nach dem Kalender forciert ist, halten zu Gnaden! |
| Zum Exempel, der Mai ist recht lieb fürs verliebte Geschäft, | Zum Exempel der Mai ist recht lieb für’s verliebte Geschäft, |
| das weiß jedes Kind, | das weiss jedes Kind, |
| aber ich sage: | aber ich sage: |
| (Er erhebt sich völlig.) | (er erhebt sich völlig) |
| Schöner ist Juni, Juli, August. | Schöner ist Juni, Juli, August. |
| Da hat’s Nächte! | Da hat’s Nächte! |
| Da ist bei uns da droben so ein Zuzug | Da ist bei uns da droben so ein Zuzug |
| von jungen Mägden aus dem Böhmischen herüber: | von jungen Mägden aus dem Böhmischen herüber: |
| ihrer zwei, dreie halt’ ich oft | ihrer zwei, dreie halt ich oft |
| bis im November mir im Haus. | bis im November mir im Haus. |
| Dann erst schick’ ich sie heim! | Dann erst schick’ ich sie heim! |
| Zur Ernte kommen sie und sind auch ansonsten anstellig und gut – | Zur Ernte kommen sie und sind auch ansonsten anstellig und gut – |
| (schmunzelnd) | |
| dann erst schick’ ich sie heim. – | dann erst schick’ ich sie heim. – |
| (Schmunzelnd.) | |
| Und wie sich das mischt, | Und wie sich da mischt, |
| das junge, runde böhmische Völkel, schwer und süß, | das junge, runde böhmische Völkel schwer und süss, |
| mit denen im Wald und denen im Stall, | mit denen im Wald und denen im Stall, |
| dem deutschen Schlag scharf und herb | dem deutschen Schlag scharf und herb |
| wie ein Retzer Wein – | wie ein Retzer Wein – |
| wie sich das mischen tut! | wie sich das mischen tut! |
| Und überall steht was und lauert und schielt durch den Gattern, | Und überall steht was und lauert und schielt durch den Gattern, |
| und schleicht zu einander und liegt bei einander, | und schleicht zu einander und liegt bei einander, |
| und überall singt was | und überall singt was, |
| und schupft seine Hüften, | und schupft sich in den Hüften, |
| und melkt was | und melkt was |
| und mäht was | und mäht was |
| und plantscht und plätschert was im Bach und in der Pferdeschwemm’. | und plantscht und plätschert was im Bach und in der Pferdeschwemm |
| Marschallin | Marschallin: |
| (sehr amüsiert). | (sehr amüsiert) |
| Und Er ist überall dahinter her? | Und Er ist überall dahinter her? |
| Baron. | Baron: |
| Wollt’, ich könnt’ sein wie Jupiter selig in tausend Gestalten! | Wollt, ich könnt sein wie Jupiter selig in tausend Gestalten! |
| Wär’ Verwendung für jede! | Wäre Verwendung für jede! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wie, auch für den Stier? So grob will Er sein? | Wie, auch für den Stier? So grob will Er sein? |
| Oder möchte Er die Wolken spielen und daher gesäuselt kommen | Oder möchte er die Wolken spielen und daher gesäuselt kommen |
| als ein Streiferl nasse Luft? | als ein Streiferl nasse Luft? |
| Baron | Baron: |
| (sehr munter). | (sehr munter) |
| Je nachdem, all’s je nachdem. | Je nachdem, all’s je nachdem. |
| Das Frauenzimmer hat gar vielerlei Arten, wie es will genommen sein. | Das Frauenzimmer hat gar vielerlei Arten, wie es will genommen sein. |
| Da ist die demütige Magd. | Da ist die demütige Magd. |
| Und da die trotzige Teufelskreatur, | Und da die trotzige Teufelskreatur, |
| haut dir die schwere Stalltür an den Schädel – | haut dir die schwere Stalltür an den Schädel – |
| Und da ist, die kichernd und schluchzend den Kopf verliert, | Und da ist, die kichernd und schluchzend den Kopf verliert, |
| die hab’ ich gern, | die hab’ ich gern, |
| und jener wieder, der sitzt im Aug’ ein kalter, rechnender Satan. | und jener wieder, der sitzt im Auge ein kalter, rechnender Satan. |
| Aber es kommt eine Stunde, | Aber es kommt eine Stunde, |
| da flackert dieses lauernde Aug’, | da flackert dieses lauernde Auge |
| und der Satan, | und der Satan, |
| indem er ersterbende Blicke dazwischen schießt, | indem er ersterbende Blicke dazwischen schiesst, |
| (mit Gusto) | (mit Gusto) |
| der würzt mir die Mahlzeit unvergleichlich. | der würzt mir die Mahlzeit unvergleichlich. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Er selber ist einer, meiner Seel’! | Er selber ist einer, meiner Seel’! |
| Baron. | Baron: |
| Und wär’ eine – haben die Gnad’ – die keiner anschaut: | Und wär’ eine – haben die Gnad’ – die keiner anschaut: |
| Im schmutzigen Kittel schlumpt sie her, | Im schmutzigen Kittel schlumpt sie her, |
| hockt in der Asche hinterm Herd – | hockt in der Aschen hinterm Herd – |
| die, wo du sie angehst zum richtigen Stündl – | die, wo du sie angehst zum richtigen Stündl – |
| die hat’s in sich! | die hat’s in sich! |
| Ein solches Staunen | Ein solches Staunen – |
| gar nicht begreifen können | gar nicht begreifen können |
| und Angst und Scham; | und Angst und Scham; |
| und auf die letzt’ so eine rasende Seligkeit, | und auf die letzt so eine rasende Seligkeit, |
| daß sich der Herr, | dass sich der Herr, |
| der gnädige Herr | der gnädige Herr |
| herabgelassen gar zu ihrer Niedrigkeit! | herabgelassen gar zu ihrer Niedrigkeit! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Er weiß mehr als das A-B-C. | Er weiss mehr als das A-B-C. |
| Baron. | Baron: |
| Da gibt es welche, die wollen beschlichen sein, | Da gibt es welche, die wollen beschlichen sein, |
| sanft, wie der Wind das frisch-gemähte Heu beschleicht. | sanft, wie der Wind das frisch-gemähte Heu beschleicht. |
| Und welche – da gilt’s, | Und welche – da gilt’s, |
| (auf Octavian zu, der schon früher das Servierbrett an den Frühstückstisch zurückgestellt und sich während des Vorhergehenden dem Baron belustigt links vorne genähert hat) | (Auf Octavian zu, der schon früher das Servierbrett auf den Frühstückstisch zurückgestellt und sich während des Vorhergehenden dem Baron belustigt links vorne genähert hat). |
| wie ein Luchs hinterm Rücken heran | wie ein Luchs hinterm Rücken heran |
| und den Melkstuhl gepackt, | und den Melkstuhl gepackt, |
| daß sie taumelt und hinschlägt! | dass sie taumelt und hinschlägt! |
| (Behäbig schmunzelnd.) | (behäbig schmunzelnd) |
| Darf halt kein Mensch in der Näh’ nicht dabei sein. | Darf halt kein Mensch in der Näh’ nicht dabei sein! |
| Octavian | Octavian: |
| (platzt lachend heraus). | (platzt lachend heraus) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Nein! Er agiert mir gar zu gut! | Nein! Er agiert mir gar zu gut! |
| Laß Er mir doch das Kind! | Lass Er mir doch das Kind! |
| Baron | Baron: |
| (sehr ungeniert zu Octavian). | (sehr ungeniert zu Octavian) |
| Weiß mich ins engste Versteck zu bequemen, | Weiss mich ins engste Versteck zu bequemen, |
| weiß im Alkoven galant mich zu nehmen. | weiss im Alkoven galant mich zu nehmen. |
| Hätte Verwendung für tausend Gestalten, | Hätte Verwendung für tausend Gestalten |
| tausend Jungfern festzuhalten. | tausend Jungfern festzuhalten. |
| Wäre mir keine zu junge, zu herbe, | Wäre mir keine zu junge, zu herbe, |
| keine zu niedrige, keine zu derbe! | keine zu niedrige, keine zu derbe! |
| Tät’ mich für keinem Versteck nicht schämen, | Tät mich für keinem Versteck nicht schämen, |
| seh’ ich was Lieb’s: ich muß mir’s nehmen. | seh ich was Lieb’s: ich muss mir’s nehmen. |
| Octavian | Octavian: |
| (sofort wieder in seiner Rolle). | (sofort wieder in seiner Rolle) |
| Na, zu dem Herrn, da ging’ i net, | Na, zu dem Herrn, da ging i net, |
| da hätt’ i an Respekt, | da hätt’ i an Respect, |
| na, was mir da passieren könnt’, | na was mir da passieren könnt, |
| da wär’ i gar zu g’schreckt. | da wär’ i gar zu g’schreckt. |
| I waß net, was er meint, | I wass net[,] was er meint, |
| i waß net, was er will. | i wass net, was er will. |
| Aber was z’viel is, das is zuviel. | Aber was z’viel is, das ist zuviel. |
| Na, was mir da passieren könnt’. | Na was mir da passieren könnt. |
| Das is ja net zum Sagen, | Das is ja net zum sagen, |
| zu so an Herrn da ging’ i net, | zu so an Herrn da ging i net, |
| mir tat’s die Red’ verschlagen. | mir tat’s die Red’ verschlagen. |
| Da tät’ sich unsereins mutwillig schaden: | Da tät sich unsereins mutwillig schaden: |
| (Zur Marschallin.) | (zur Marschallin) |
| I hab’ so an Angst vor ihm, fürstliche Gnaden. | I hab’ so an Angst vor ihm, fürstliche Gnaden. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Nein, Er agiert mir gar zu gut! | Nein, Er agiert mir gar zu gut! |
| Er ist ein Rechter! Er ist der Wahre! | Er ist ein Rechter! Er ist der Wahre! |
| Laß Er mir dort das Kind! | Lass Er mir doch das Kind! |
| Er ist ganz, was die andern dreiviertel sind. | Er ist ganz, was die andern dreiviertel sind. |
| Wie ich Ihn so seh’, so seh’ ich hübsch viele. | Wie ich Ihn so seh’, so seh ich hübsch viele. |
| Das sind halt die Spiele, die Euch konvenieren! | Das sind halt die Spiele, die euch convenieren! |
| Und wir, Herr Gott! Wir leiden den Schaden, | Und wir, Herr Gott! Wir leiden den Schaden, |
| wir leiden den Spott, | wir leiden den Spott, |
| und wir haben’s halt auch net anders verdient. | und wir haben’s halt auch net anders verdient. |
| Und jetzt sakerlot, | Und jetzt sakerlott, |
| (mit gespielter Strenge) | (mit gespielter Strenge) |
| jetzt laß Er das Kind! | jetzt lass Er das Kind! |
| Baron | Baron: |
| (läßt von Octavian ab und nimmt wieder würdevolle Haltung an). | (lässt von Octavian ab und nimmt wieder würdevolle Haltung an). |
| Geben mir Euer Gnaden den Grasaff’ da | Geben mir Euer Gnaden den Grassaff’ [sic] da |
| zu meiner künftigen Frau Gemahlin Bedienung. | zu meiner künftigen Frau Gemahlin Bedienung. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wie, meine Kleine da? Was sollte die? | Wie, meine Kleine da? Was sollte die? |
| Die Fräulein Braut wird schon versehen sein | Die Fräulein Braut wird schon versehen sein |
| und nicht anstehn auf Euer Liebden Auswahl. | und nicht ansteh’n auf Euer Liebden Auswahl. |
| Baron. | Baron: |
| Das ist ein feines Ding! Kreuzsakerlot! | Das ist ein feines Ding! Kreuzsakerlott! |
| Da ist ein Tropfen guten Bluts dabei! | Da ist ein Tropfen guten Bluts dabei! |
| Octavian | Octavian: |
| (für sich). | (für sich) |
| Ein Tropfen guten Bluts! | Ein Tropfen guten Bluts! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Euer Liebden haben ein scharfes Auge! | Euer Liebden haben ein scharfes Auge! |
| Baron. | Baron: |
| Geziemt sich. | Geziemt sich. |
| (Vertraulich.) | (vertraulich) |
| Find’ in der Ordnung, daß Personen von Stand | Find’ in der Ordnung, dass Personen von Stand |
| in solcher Weise von adeligem Blut bedient werden. | in solcher Weise von adeligem Blut bedient werden. |
| Führ’ selbst ein Kind meiner Laune mit mir. | Führ’ selbst ein Kind meiner Laune mit mir. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ein Kind Seiner Laune? | Ein Kind Seiner Laune? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wie? Gar ein Mädel? Das will ich nicht hoffen. | Wie? Gar ein Mädel? Das will ich nicht hoffen! |
| Baron. | Baron: |
| Nein, einen Sohn. Trägt lerchenauisches Gepräge im Gesicht. | Nein, einen Sohn. Trägt lerchenauisches Gepräge im Gesicht. |
| Halt’ ihn als Leiblakai. | Halt’ ihn als Leiblakai. |
| Wenn Euer Gnaden dann werden befehlen, | Wenn Euer Gnaden dann werden befehlen, |
| daß ich die silberne Rosen darf Dero Händen übergeben, | dass ich die silberne Rosen darf Dero Händen übergeben, |
| wird er es sein, der sie heraufbringt. | wird er es sein, der sie herauf bringt. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Soll mich recht freuen. Aber wart’ Er einmal. | Soll mich recht freuen. Aber wart Er einmal. |
| (Octavian winkend.) | (Octavian winkend) |
| Mariandel! | Mariandel! |
| Baron. | Baron: |
| Geben mir Euer Gnaden das Zofel! Ich laß nicht locker. | Geben mir Euer Gnaden das Zofel! Ich lass nicht locker. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ei! Geh’ Sie und bring’ Sie das Medaillon her. | Ei! Geh Sie und bring Sie das Medaillon her. |
| Octavian | Octavian: |
| (leise). | (leise) |
| Theres! Theres, gib acht! | Theres! Theres, gib acht! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Bring’s nur schnell! Ich weiß schon, was ich tu. | Bring’s nur schnell! Ich weiss schon was ich tu’. |
| Baron | Baron: |
| (Octavian nachsehend). | (Octavian nachsehend) |
| Könnt’ eine junge Fürstin sein. | Könnt eine junge Fürstin sein. |
| (Dann, im Konversationston.) | (dann, im Conversationston.) |
| Hab’ vor, meiner Braut eine getreue Kopie | Hab’ vor, meiner Braut eine getreue Kopie |
| meines Stammbaumes zu spendieren – | meines Stammbaumes zu spendieren – |
| nebst einer Locke vom Ahnherrn Lerchenau, der ein großer Klosterstifter war | nebst einer Locke vom Ahnherrn Lerchenau, der ein grosser Klosterstifter war |
| und Oberst-Erblandhofmeister in Kärnten | und Oberster Landhofmeister in Kärnten |
| und in der windischen Mark. | und in der windischen Mark |
| Octavian | Octavian: |
| (bringt das Medaillon aus dem Bettalkoven). | (bringt das Medaillon aus dem Bettalkoven) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Wollen Euer Gnaden leicht den jungern [sic] Herrn da | Wollen Euer Gnaden leicht den jungern [sic] Herrn da |
| als Bräutigamsaufführer haben? | als Bräutigamsaufführer haben? |
| Baron. | Baron: |
| Bin ungeschauter einverstanden! | Bin ungeschauter einverstanden! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (etwas zögernd). | (etwas zögernd) |
| Mein junger Vetter, der Graf Octavian. | Mein junger Vetter, der Graf Octavian. |
| Baron. | Baron: |
| Wüßte keinen vornehmeren zu wünschen! | Wüsste keinen vornehmeren zu wünschen! |
| Wär’ in Devotion dem jungen Herrn sehr verbunden! | Wär in Devotion dem jungen Herrn sehr verbunden! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (schnell). | (schnell) |
| Seh’ Er ihn an! | Seh’ Er ihn an! |
| (Hält ihm das Medaillon hin.) | (Hält ihm das Medaillon hin) |
| Baron | Baron: |
| (sieht bald auf das Medaillon, bald auf die Zofe). | (sieht bald auf das Medaillon, bald auf die Zofe) |
| Die Ähnlichkeit! | Die Aehnlichkeit! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ja, ja. | Ja, ja. |
| Baron. | Baron: |
| Aus dem Gesicht geschnitten! | Aus dem Gesicht geschnitten! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Hab’ mir auch schon Gedanken gemacht. | Hab’ mir auch schon Gedanken gemacht. |
| (Auf das Medaillon deutend.) | (auf das Medaillon deutend) |
| Rofrano, des Herrn Marchese zweiter Bruder. | Rofrano, des Herrn Marchese zweiter Bruder. |
| Baron. | Baron: |
| Octavian Rofrano! Da ist man wer, wenn man aus solchem Haus, | Octavian Rofrano! Da ist man wer, wenn man aus solchem Haus, |
| (mit Beziehung auf die Zofe) | (mit Beziehung auf die Zofe) |
| und wär’s auch bei der Domestikentür! | und wärs auch bei der Domestikentür! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Darum halt’ ich sie auch wie was Besonderes. | Darum halt ich sie auch wie was Besonderes. |
| Baron. | Baron: |
| Geziemt sich. | Geziemt sich. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Immer um meine Person. | Immer um meine Person. |
| Baron. | Baron: |
| Sehr wohl. | Sehr wohl. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Jetzt aber geh’ Sie, Mariandel, mach’ Sie fort. | Jetzt aber geh’ Sie Mariandel, mach’ Sie fort. |
| Baron. | Baron: |
| Wie denn? Sie kommt doch wieder. | Wie denn? Sie kommt doch wieder. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (überhört den Baron absichtlich). | (überhört den Baron absichtlich) |
| Und laß Sie die Antichambre herein. | Und lass Sie die Antichambre herein. |
| Octavian | Octavian: |
| (geht gegen die Flügeltür rechts). | (geht gegen die Flügeltür rechts) |
| Baron | Baron: |
| (ihm nach). | (ihm nach) |
| Mein schönstes Kind! | Mein schönstes Kind! |
| Octavian | Octavian: |
| (an der Tür rechts). | (an der Tür rechts) |
| Derft’s eina geh’! | Derft’s eina geh’! |
| (Läuft nach der andern Tür.) | (läuft nach der andern Tür) |
| Baron | Baron: |
| (ihm nach). | (ihm nach) |
| Ich bin Ihr Serviteur! Geb’ Sie doch einen Augenblick Audienz! | Ich bin Ihr Serviteur! Geb Sie doch einen Augenblick Audienz! |
| Octavian | Octavian: |
| (schlägt ihm die kleine Tür vor der Nase zu). | (schlägt ihm die kleine Tür vor der Nase zu) |
| I komm’ glei. | I komm glei. |
| In diesem Augenblick tritt eine alte Kammerfrau, die Waschbecken, Kanne und Handtuch trägt, durch die gleiche Türe ein. Der Baron zieht sich enttäuscht zurück. Zwei Lakaien kommen von rechts herein, bringen einen Wandschirm aus dem Alkoven. Die Marschallin tritt hinter den Wandschirm, die alte Kammerfrau, mit ihr, zwei Lakaien tragen den Sessel und den Frisiertisch nach vorne in die Mitte. Zwei Lakaien öffnen die Flügeltüren rechts. Es treten ein der Notar, der Küchenchef, hinter diesen ein Küchenjunge, der das Menübuch trägt. Dann die Modistin, ein Gelehrter mit einem Folianten und der Tierhändler mit winzig kleinen Hunden und einem Äffchen. Valzacchi und Annina, hinter diesen rasch gleitend, nehmen den vordersten Platz links ein, die adelige Mutter mit ihren drei Töchtern, alle in Trauer, stellen sich in den rechten Flügel. Der Haushofmeister führt den Tenor und den Flötisten nach vorne. Baron rückwärts winkt einen Lakaien zu sich, gibt ihm den Auftrag, zeigt: »Hier durch die Hintertür«. | In diesem Augenblick tritt eine alte Kammerfrau, die Waschbecken[,] Kanne und Handtuch trägt, durch die gleiche Türe ein. Der Baron zieht sich enttäuscht zurück. Zwei Lakeien [sic] kommen von rechts herein, bringen einen Wandschirm aus dem Alkoven. Die Marschallin tritt hinter den Wandschirm, die alte Kammerfrau mit ihr zwei Lakeien tragen den Sessel und den Frisiertisch nach vorne in die Mitte. Zwei Lakeien öffnen die Flügeltüren rechts. Es treten ein, der Notar, der Küchenchef, hinter diesen ein Küchenjunge, der das Menübuch trägt. Dann die Marchande de modes, ein Gelehrter mit einem Folianten und der Tierhändler mit winzig kleinen Hunden und einem Aeffchen. Valzacchi und Annina hinter diesen rasch gleitend, nehmen den vordersten Platz links ein, die adelige Mutter mit ihren drei Töchtern, alle in Trauer, stellen sich in den rechten Flügel. Der Haushofmeister führt den Tenor und den Flötisten nach vorne. Baron rückwärts winkt einen Lakeien zu sich, gibt ihm den Auftrag, zeigt: »Hier durch die Hintertür«. |
| Die drei adeligen Töchter | Die drei adeligen Töchter: |
| (schreiend). | (schreiend) |
| Drei arme adelige Waisen – | Drei arme adelige Waisen – |
| Die adelige Mutter | Die adelige Mutter: |
| (bedeutet ihnen, nicht so zu schreien und niederzuknien). | (bedeutet ihnen, nicht so zu schreien und niederzuknien) |
| Die drei Waisen | Die drei Waisen: |
| (niederkniend). | (niederknieend [sic]) |
| Drei arme adelige Waisen | Drei arme adelige Waisen |
| erflehen Dero hohen Schutz! | erflehen Dero hohen Schutz! |
| Modistin | Marchande de Modes: |
| (laut). | (laut) |
| Le chapeau Paméla! La poudre à la reine de Golconde! | Le Chapeau Paméla! La poudre à la reine de Golconde! |
| Der Tierhändler. | Der Tierhaendler: |
| Schöne Affen, wenn Durchlaucht schaffen, | Schöne Affen, Wenn [sic] Durchlaucht schaffen, |
| auch Vögel hab’ ich da aus Afrika. | auch Vögel hab ich da, aus Afrika. |
| Die drei Waisen. | Die drei Waisen: |
| Der Vater ist jung auf dem Felde der Ehre gefallen, | Der Vater ist jung auf dem Felde der Ehre gefallen, |
| ihm dieses nachzutun, ist unser Herzensziel. | ihm dieses nachzutun ist unser Herzensziel. |
| Modistin. | Marchande de Modes: |
| Le chapeau Paméla! C’est la merveille du monde! | Le chapeau Paméla! C’est la merveille du monde! |
| Der Tierhändler. | Der Tierhaendler: |
| Papageien hätt’ ich da, | Papagaien [sic] hätt’ ich da, |
| aus Indien und Afrika. | aus Indien und Afrika. |
| Hunderln, so klein | Hunderln, so klein |
| und schon zimmerrein. | und schon zimmerrein. |
| (Marschallin tritt hervor, alles verneigt sich. Baron ist links vorgekommen.) | (Marschallin tritt hervor, alles verneigt sich. Baron ist links vorgekommen). |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zum Baron). | (zum Baron) |
| Ich präsentier’ Euer Liebden hier den Notar. | Ich präsentier’ Euer Liebden hier den Notar. |
| (Notar tritt mit Verneigung gegen den Frisiertisch, wo sich die Marschallin niedergelassen, zum Baron links. Marschallin winkt die jüngste der drei Waisen zu sich, läßt sich vom Haushofmeister einen Geldbeutel reichen, gibt ihn dem Mädchen, indem sie es auf die Stirne küßt. Gelehrter will vortreten, seine [sic] Folianten überreichen, Valzacchi springt vor, drängt ihn zur Seite.) | (Notar tritt mit Verneigung gegen den Frisiertisch, wo sich die Marschallin niedergelassen, zum Baron links. Marschallin winkt die jüngste der drei Waisen zu sich, lässt sich vom Haushofmeister einen Geldbeutel reichen, gibt ihn dem Mädchen, indem sie es auf die Stirne küsst. Gelehrter will vortreten, seine [sic] Folianten überreichen, Valzacchi springt vor, drängt ihn zur Seite). |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (ein schwarzgerändertes Zeitungsblatt hervorziehend). | (ein schwarzgerändertes Zeitungsblatt hervorziehend) |
| Die swarze Seitung! Fürstlike Gnade! | Die swarze Seitung! Fürstlike Gnade! |
| Alles ’ier ge’eim gesrieben! | Alles ’ier ge’eim gesrieben! |
| Nur für ’ohe Persönlikeite. | Nur für ’ohe Persönlikeite |
| Die swarze Seitung! | Die swarze Seitung! |
| Eine Leikname in ’Interkammer | eine Leikname in ’Interkamner [sic] |
| von eine gräflike Palais! | von eine gräflike Palais! |
| Eine Bürgersfrau mit der amante | Eine Bürgersfrau mit der amante |
| vergiften der Hehemann | vergiften der Hehemann. |
| diese Nackt um dreie Huhr! | diese Nackt um dreie Huhr! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Laß er mich mit dem Tratsch in Ruh’! | Lass er mich mit dem Tratsch in Ruh! |
| Valzacchi. | Valzacchi: |
| In Gnaden! | In Gnaden! |
| Tutte quante Vertraulikeite | tutte quante Vertraulikeite |
| aus die große Welt! | aus die grosse Welt! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ich will nix wissen! Laß er mich mit dem Tratsch in Ruh’! | Ich will nix wissen! Lass er mich mit dem Tratsch in Ruh’! |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (mit bedauernder Verbeugung springt zurück). | (mit bedauernder Verbeugung springt zurück) |
| Die drei Waisen | Die drei Waisen: |
| (zuletzt auch die Mutter, haben der Marschallin die Hand geküßt). | (zuletzt auch die Mutter, haben der Marschallin die Hand geküsst). |
| Glück und Segen allerwegen Euer Gnaden hohem Sinn! | Glück und Segen allerwegen Euer Gnaden hohem Sinn! |
| Eingegraben steht erhaben er in unsern Herzen drin | Eingegraben steht erhaben er in unserm Herzen drin! |
| (Gehen ab samt der Mutter.) | (gehen ab samt der Mutter). |
| (Der Friseur tritt hastig auf, der Gehilfe stürzt ihm mit fliegenden Rockschößen nach. Der Friseur faßt die Marschallin ins Auge, verdüstert sich, tritt zurück, er studiert ihr heutiges Aussehen. Der Gehilfe indessen packt aus am Frisiertisch. Der Friseur schiebt einige Personen zurück, sich Spielraum zu schaffen. Nach einer kurzen Überlegung ist sein Plan gefaßt, er eilt mit Entschlossenheit auf die Marschallin zu, beginnt zu frisieren. Ein Läufer in rosa, schwarz und silber tritt auf, überbringt ein Billett. Haushofmeister mit Silbertablett ist schnell zur Hand, präsentiert es der Marschallin. Friseur hält inne, sie lesen zu lassen. Gehilfe reicht ihm ein neues Eisen. Friseur schwenkt es: ist zu heiß. Gehilfe reicht ihm nach fragendem Blick auf die Marschallin das Billet, die nickt, worauf er es lächelnd verwendet, um das Eisen zu kühlen. Gleichzeitig hat sich der Sänger in Position gestellt, hält das Notenblatt. Flötist sieht ihm, begleitend, über die Schultern. Die Lakaien haben rechts ganz vorne Stellung genommen, andere stehen im Hintergrund.) | (Der Friseur tritt hastig auf, der Gehilfe stürzt ihm mit fliegenden Rockschössen nach. Der Friseur fasst die Marschallin ins Auge; verdüstert sich, tritt zurück; er studiert ihr heutiges Aussehen. Der Gehilfe indessen packt aus, am Frisiertisch. Der Friseur schiebt einige Personen zurück, sich Spielraum zu schaffen. Nach einer kurzen Ueberlegung ist sein Plan gefasst, er eilt mit Entschlossenheit auf die Marschallin zu, beginnt zu frisieren. Ein Lauffer in rosa, schwarz und silber tritt auf, überbringt ein Billett. Haushofmeister mit Silbertablett ist schnell zur Hand, präsentiert es der Marschallin. Friseur hält inne, sie lesen zu lassen. Gehilfe reicht ihm ein neues Eisen. Friseur schwenkt es: es ist zu heiss. Gehilfe reicht ihm nach fragendem[ ]Blick auf die Marschallin, die nickt, das Billett, das er lächelnd verwendet, um das Eisen zu kühlen. Gleichzeitig hat sich der Sänger in Position gestellt, hält das Notenblatt. Flötist sieht ihm, begleitend, über die Schultern. Die Lakeien haben rechts ganz vorne Stellung genommen, andere stehen im Hintergrund). |
| Der Tenor. | Der Tenor[:] |
| Di rigori armato il seno | Di rigori armato il seno |
| Contro amor mi ribellai | Contro amor mi ribellai |
| Ma fui vinto in un baleno | Ma fui vinto in un baleno |
| In mirar due vaghi rai. | In mirar due vaghi rai. |
| Ahi! che resiste puoco | Ahi! che resiste puoco |
| Cor di gelo a stral di fuoco. | Cor di gelo a stral di fuoco. |
| (Der Friseur übergibt dem Gehilfen das Eisen und applaudiert dem Sänger. Dann fährt er im Arrangement des Lockenbaues fort. Ein Bedienter hat indessen bei der kleinen Tür den Kammerdiener des Barons, den Almosenier und den Jäger eingelassen. Es sind drei bedenkliche Gestalten. Der Kammerdiener ist ein junger großer Lümmel, der dumm und frech aussieht. Er trägt unterm Arm ein Futteral aus rotem Saffian. Der Almosenier ist ein verwildeter [sic] Dorfkooperator, ein vier Schuh hoher, aber stark und verwegen aussehender Gnom. Der Leibjäger mag, bevor er in die schlechtsitzende Livree gesteckt wurde, Mist geführt haben. Der Almosenier und der Kammerdiener scheinen sich um den Vortritt zu streiten und steigen einander auf die Füße. Sie steuern längs der linken Seite auf ihren Herrn zu, in dessen Nähe sie Halt machen.) | Der Friseur übergibt dem Gehilfen das Eisen und applaudiert dem Sänger. Dann fährt er im Arrangement des Lockenbaues fort. Ein Bedienter hat indessen bei der kleinen Tür den Kammerdiener des Barons, den Almosenier und den Jäger eingelassen. Es sind drei bedenkliche Gestalten. Der Kammerdiener ist ein junger grosser Lümmel, der dumm und frech aussieht. Er trägt unterm Arm ein Futteral aus roten [sic] Saffian. Der Almosenier ist ein verwilderter Dorfkooperator, ein vier Schuh hoher, aber stark und verwegen aussehender Gnom. Der Leibjäger mag, bevor er in die schlechtsitzende Livree gesteckt wurde, Mist geführt haben. Der Almosenier und der Kammerdiener scheinen sich um den Vortritt zu streiten und steigen einander auf die Füsse. Sie steuern längs der linken Seite auf ihren Herrn zu, in dessen Nähe sie Halt machen. |
| Baron | Baron: |
| (auf dem Fauteuil links ganz vorne zum Notar, der vor ihm steht, seine Weisungen entgegennimmt. Halblaut). | (auf dem Fauteuil links ganz vorne zum Notar, der vor ihm steht, seine Weisungen entgegennimmt. Halblaut). |
| Als Morgengabe – ganz separatim jedoch – | Als Morgengabe – ganz separatim jedoch – |
| und vor der Mitgift – bin ich verstanden, Herr Notar? – | und vor der Mitgift – bin ich verstanden, Herr Notar? – |
| kehrt Schloß und Herrschaft Gaunersdorf an mich zurück! | kehrt Schloss und Herrschaft Gaunersdorf an mich zurück! |
| Von Lasten frei und ungemindert an Privilegien, | Von Lasten frei und ungemindert an Privilegien |
| so wie mein Vater selig sie besessen hat. | so wie mein Vater selig sie besessen hat. |
| Notar | Notar: |
| (kurzatmig). | (kurzatmig) |
| Gestatten hochfreiherrliche Gnaden die submisseste Belehrung, | Gestatten hochfreiherrliche Gnaden die submisseste Belehrung, |
| daß eine Morgengabe wohl vom Gatten an die Gattin, | dass eine Morgengabe wohl vom Gatten an die Gattin, |
| nicht aber von der Gattin an den Gatten | nicht aber von der Gattin an den Gatten |
| (tief aufatmend) | (tief aufatmend) |
| bestellet oder stipuliert zu werden, fähig ist. | bestellet oder stipuliert zu werden, fähig ist. |
| Baron. | Baron: |
| Das mag wohl sein. | Das mag wohl sein. |
| Notar. | Notar: |
| Dem ist so – | Dem ist so – |
| Baron. | Baron: |
| Aber im besondern Fall – | Aber im besondern Fall – |
| Notar. | Notar: |
| Die Formen und die Präskriptionen kennen keinen Unterschied. | Die Formen und die Praescriptionen kennen keinen Unterschied. |
| Baron | Baron: |
| (schreit). | (schreit) |
| Haben ihn aber zu kennen! | Haben ihn aber zu kennen! |
| Notar | Notar: |
| (erschrocken). | (erschrocken) |
| In Gnaden! | In Gnaden! |
| Baron | Baron: |
| (wieder leise, aber eindringlich und voll hohen Selbstgefühles). | (wieder leise, aber eindringlich und voll hohen Selbstgefühles). |
| Wenn eines hochadeligen Blutes blühender Sproß sich herabläßt | Wenn eines hochadeligen Blutes blühender Spross sich herablässt |
| im Ehebette einer so gut als bürgerlichen Mamsell Faninal | im Ehebette einer so gut als bürgerlichen Mamsell Faninal |
| – bin ich verstanden? – acte de présence zu machen | – bin ich verstanden? – acte de présence zu machen |
| vor Gott und der Welt und sozusagen | vor Gott und der Welt und sozusagen |
| angesichts kaiserlicher Majestät – | angesichts kaiserlicher Majestät |
| Der Flötist | Der Floetist: |
| (beginnt wieder zu präludieren). | (beginnt wieder zu präludieren) |
| Baron. | Baron: |
| Da wird, corpo di Bacco! von Morgengabe | Da wird, corpo di Bacco! Von Morgengabe |
| als geziemendem Geschenk dankbarer Devotion | als geziemendem Geschenk dankbarer Devotion |
| für die Hingab’ so hohen Blutes | für die Hingab’ so hohen Blutes |
| sehr wohl die Rede sein! | sehr wohl die Rede sein! |
| (Sänger ma[c]ht Miene wieder anzufangen, wartet noch, bis der Baron still wird.) | (Sänger macht Miene wieder anzufangen, wartet noch, bis der Baron still wird). |
| Notar | Notar: |
| (zum Baron, leise). | (zum Baron, leise) |
| Vielleicht, daß man die Sache separatim – | Vielleicht, dass man die Sache separatim – |
| Baron | Baron: |
| (leise). | (leise) |
| Er ist ein schmählicher Pedant: als Morgengabe will ich das Gütel! | Er ist ein schmählicher Pedant; als Morgengabe will ich das Gütel! |
| Notar | Notar: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Als einen wohl verklausulierten Teil der Mitgift – | Als einen wohl verklausulierten Teil der Mitgift – |
| Baron | Baron: |
| (halblaut). | (halblaut) |
| Als Morgengabe! Geht das nicht in Seinen Schädel! | Als Morgengabe! Geht das nicht in Seinen Schädel! |
| Notar | Notar: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Als eine Schenkung inter vivos oder – | Als eine Schenkung inter vivos oder – |
| Baron | Baron: |
| (schlägt wütend auf den Tisch, schreiend). | (schlägt wütend auf den Tisch, schreiend) |
| Als Morgengabe! | Als Morgengabe! |
| Der Sänger | Der S[ä]nger: |
| (während des Gesprächs der beiden) | (während des Gesprächs der beiden) |
| Ma si [sic] caro è’l mio tormento | Ma si [sic] cáro è’l mio torménto |
| Dolce è si [sic] la piaga mia, | Dolce è si [sic] la piàga mià |
| Ch’ il penare è mio contento | Ch’ il penare [è] mio conténto |
| E’l sanarmi è tirannia | E’l sanarmi è tirannia |
| Ahi! Che resiste puoco – | Ahi! Che resiste puoco – |
| Cor[ ]… | Cor[ ]… |
| (Hier erhebt der Baron seine Stimme so, daß der Sänger jäh abbricht, desgleichen die Flöte.) | (Hier erhebt der Baron seine Stimme so, dass der Sänger jäh abbricht, desgleichen die Flöte). |
| Notar | |
| (zieht sich erschrocken in die Ecke zurück.) | Notar: zieht sich erschrocken in die Ecke zurück. |
| Marschallin | |
| (winkt den Sänger zu sich, reicht ihm die Hand zum Kuß). | Marschallin: winkt den Sänger zu sich, reicht ihm die Hand zum Kuss. |
| Sänger nebst Flötist | |
| (ziehen sich unter tiefen Verbeugungen zurück). | Sänger nebst Flöte ziehen sich unter tiefen Verbeugungen zurück. |
| Baron | |
| (tut, als ob nichts geschehen wäre, winkt dem Sänger leutselig zu, tritt dann zu seiner Dienerschaft, streicht dem Leiblakai die bäurisch in die Stirn gekämmten Haare hinaus; geht dann, als suchte er jemand, zur kleinen Tür, öffnet sie, spioniert hinaus, ärgert sich, daß die Zofe nicht zurückkommt; schnüffelt gegen’s Bett, schüttelt den Kopf, kommt dann wieder vor). | Baron: tut als ob nichts geschehen wäre, winkt dem Sänger leutselig zu, tritt dann zu seiner Dienerschaft, streicht dem Leiblakai die bäurisch in die Stirn gekämmten Haare hinaus; geht dann, als suchte er jemand, zur kleinen Tür, öffnet sie, spioniert hinaus, ärgert sich, dass die Zofe nicht zurückkommt; schnüffelt gegens Bett, schüttelt den Kopf, kommt wieder vor. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (sieht sich in dem Handspiegel, halblaut). | (sieht sich in dem Handspiegel, halblaut) |
| Mein lieber Hippolyte, | Mein lieber Hippolyte, |
| heut haben Sie ein altes Weib aus mir gemacht! | heut haben Sie ein altes Weib aus mir gemacht! |
| (Der Friseur mit Bestürzung wirft sich fieberhaft auf den Lockenbau der Marschallin und verändert ihn aufs neue. Das Gesicht der Marschallin bleibt traurig.) | (Der Friseur, mit Bestürzung, wirft sich fieberhaft auf den Lockenbau der Marschallin und verändert ihn aufs Neue. Das Gesicht der Marschallin bleibt traurig.) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (über die Schulter zum Haushofmeister). | (über die Schulter zum Haushofmeister) |
| Abtreten die Leut’! | Abtreten die Leut! |
| (Die Lakaien, eine Kette bildend, schieben die aufwartenden Personen zur Tür hinaus, die sie dann verschließen. Nur der Gelehrte, vom Haushofmeister ihr zugeführt, bleibt noch im Gespräch mit der Marschallin, bis zum Schluß des Intermezzos zwischen Valzacchi, Annina und dem Baron. Valzacchi, hinter ihm Annina, haben sich im Rücken aller rings um die Bühne zum Baron hinübergeschlichen und präsentieren sich ihm mit übertriebener Devotion.) | Die Lakaien, eine Kette bildend, schieben die aufwartenden Personen zur Tür hinaus, die sie dann verschliessen. Nur der Gelehrte, vom Haushofmeister ihr zugeführt, bleibt noch im Gespräch mit der Marschallin, bis zum Schluss des Intermezzos zwischen Valzacchi, Annina und dem Baron. Valzacchi, hinter ihm Annina, haben sich im Rücken aller rings um die Bühne zum Baron hinübergeschlichen und präsentieren sich ihm mit übertriebener Devotion. |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (zum Baron). | (zum Baron) |
| Ihre Gnade sukt etwas. Ik seh, | Ihre Gnade sukt etwas. Ik seh, |
| Ihr Gnade at eine Bedürfnis. | Ihre Gnade at eine Bedürfnis. |
| Ik kann dienen. Ik kann besorgen. | Ik kann dienen. Ik kann besorgen. |
| Baron | Baron: |
| (tritt zurück). | (tritt zurück) |
| Wer ist Er, was weiß Er? | Wer ist Er, was weiss Er? |
| Valzacchi. | Valzacchi: |
| Ihr Gnade Gesikt sprikt ohne Sunge. | Ihr Gnade Gesikt sprikt ohne Sunge. |
| Wie ein Hantike: come statua di Giove. | Wie ein Hantike: come statua di Giove |
| Baron. | Baron: |
| Das ist ein besserer Mensch. | Das ist ein besserer Mensch. |
| Valzacchi. | Valzacchi: |
| Erlaukte Gnade, attachieren uns an Sein Gefolge. | Erlaukte Gnade, attachieren uns an Sein Gefolge. |
| (Fällt auf die Knie, desgleichen Annina.) | (Fällt auf die Knie, desgleichen Annina). |
| Baron. | Baron: |
| Euch? | Euch? |
| Valzacchi. | Valzacchi: |
| Onkel und Nikte. | Onkel und Nikte. |
| Su sweien maken alles besser. | Su sweien maken alles besser. |
| Per esempio: Ihre Gnade at eine junge Frau – | Per esempio: Ihre Gnade at eine junge Frau – |
| Baron. | Baron: |
| Woher weiß Er denn das, Er Teufel Er? | Woher weiss Er denn das, Er Teufel Er? |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (eifrig). | (eifrig) |
| Ihre Gnade ist in Eifersukt: dico per dire | Ihre Gnade ist in Eifersukt: dico per dire! |
| Eut oder morgen könnte sein. Affare nostro! | Eut oder morgen könnte sein. Affare nostro! |
| Jede Sritt die Dame sie tut, | Jede Sritt die Dame sie tut, |
| jede Wagen die Dame steigt, | jede Wagen die Dame steigt, |
| jede Brief die Dame bekommt – | jede Brief die Dame bekommt – |
| wir sind da! | wir sind da! |
| An die Ecke, in die Kamin, ’inter die Bette – | An die Ecke, in die Kamin, ’inter die Bette – |
| in eine Schranke, unter die Dache, | in eine Schranke, unter die Dache, |
| wir sind da! | wir sind da! |
| Annina. | Annina: |
| Ihre Gnaden wird nicht bedauern! | Ihre Gnaden wird nicht bedauern! |
| (Halten ihm die Hände hin, Geld heischend, er tut, als bemerke er es nicht.) | (Halten ihm die Hände hin, Geld heischend, er tut, als bemerke er es nicht). |
| Baron | Baron: |
| (halblaut). | (halblaut) |
| Hm! Was es alles gibt in diesem Wien? | Hm! Was es alles gibt in diesem Wien! |
| Zur Probe nur: kennt Sie die Jungfer Mariandel | Zur Probe nur: kennt Sie die Jungfer Mariandel? |
| Annina | Annina: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Mariandel? | Mariandel? |
| Baron | Baron: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Das Zofel hier im Haus bei Ihrer Gnaden? | Das Zofel hier im Haus bei Ihrer Gnaden? |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (leise zu Annina). | (leise zu Annina) |
| Sai tu, cosa vuole? | Sai tu, cosa vuole? |
| Annina | Annina: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Niente! | Niente! |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (zum Baron). | (zum Baron) |
| Sicker! Sicker! Mein Nickte wird besorgen. | Sicker! Sicker! Mein Nickte wird besorgen. |
| Seien sicker, Ihre Gnade? Wir sind da! | Seien sicker, Ihre Gnade! Wir sind da! |
| (Hält abermals die Hand hin, Baron tut, als sähe er es nicht. Marschallin ist aufgestanden. Friseur nach tiefer Verbeugung eilt ab. Gehilfe hinter ihm.) | (Hält abermals die Hand hin, Baron tut, als sähe er es nicht). |
| Marschallin ist aufgestanden. Friseur nach tiefer Verbeugung eilt ab. | |
| Gehilfe hinter ihm. | |
| Baron | Baron: |
| (die beiden Italiener stehen lassend, auf die Marschallin zu). | (die beiden Italiener stehen lassend, auf die Marschallin zu) |
| Darf ich das Gegenstück | Darf ich das Gegenstück |
| (diskret) | (discret) |
| zu Dero sauberm Kammerzofel präsentieren? | zu dero sauberm Kammerzofel präsentieren? |
| (Selbstgefällig.) | (selbstgefällig). |
| Die Ähnlichkeit soll, hör’ ich, unverkennbar sein. | Die Aehnlichkeit soll, hör ich, unverkennbar sein. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (nickt). | (nickt) |
| Baron. | Baron: |
| Leupold, das Futteral. | Leupold, das Futteral. |
| (Der junge Kammerlakai präsentiert linkisch das Futteral.) | Der junge Kammerlakai präsentiert linkisch das Futteral. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ein bißchen lachend). | (ein bischen [sic] lachend) |
| Ich gratulier’ Euer Liebden sehr. | Ich gratulier’ Euer Liebden sehr. |
| Baron | Baron: |
| (nimmt dem Burschen das Futteral aus der Hand und winkt ihm zurückzutreten). | (nimmt dem Burschen das Futteral aus der Hand und winkt ihm zurückzutreten.) |
| Und da ist nun die silberne Rosen! | Und da ist nun die silberne Rosen. |
| (Will’s aufmachen.) | (Will’s aufmachen) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Lassen nur drinnen. | Lassen nur drinnen. |
| Haben die Gnad’ und stellen’s dort hin. | Haben die Gnad und stellen’s dort hin. |
| Baron. | Baron: |
| Vielleicht das Zofel soll’s übernehmen? | Vielleicht das Zofel soll’s übernehmen? |
| Ruft man ihr? | Ruft man ihr? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Nein, lassen nur. Die hat jetzt keine Zeit. | Nein lassen nur. Die hat jetzt keine Zeit. |
| Doch sei Er sicher: den Grafen Octavian bitt’ ich Ihm auf, | Doch sei Er sicher: den Grafen Octavian bitt’ ich Ihm auf, |
| er wird’s mir zulieb schon tun | er wird’s mir zulieb schon tun |
| und als Euer Liebden Kavalier | und als Euer Liebden Kavalier |
| vorfahren mit der Rosen bei der Jungfer Braut. | vorfahren mit der Rosen bei der Jungfer Braut. |
| (Leichthin.) | |
| Stellen indes nur hin. | (Leichthin) Stellen indess nur hin. |
| Und jetzt, Herr Vetter, sag’ ich Ihm Adieu. | Und jetzt Herr Vetter, sag ich Ihm Adieu. |
| Man retiriert sich jetzt von hier: | Man retiriert sich jetzt von hier: |
| Ich werd’ jetzt in die Kirchen gehn. | Ich werd jetzt in die Kirchen gehn. |
| (Lakaien öffnen die Flügeltür.) | Lakaien öffnen die Flügeltür. |
| Baron. | Baron: |
| Euer Gnaden haben heut | Euer Gnaden haben heut |
| durch unversiegte Huld mich tiefst beschämt. | durch unversiegte Huld mich tiefst beschämt. |
| (Macht die Reverenz; entfernt sich unter Zeremoniell. Der Notar hinter ihm, auf seinem [sic] Wink. Seine drei Leute hinter diesem, in mangelhafter Haltung. Die beiden Italiener lautlos und geschmeidig, schließen sich unbemerkt an. Lakaien schließen die Tür. Haushofmeister tritt ab. Marschallin allein.) | Macht die Reverenz; entfernt sich unter Ceremoniell. Der Notar hinter ihm, auf seinen Wink. Seine drei Leute hinter diesem, in mangelhafter Haltung. Die beiden Italiener lautlos und geschmeidig, schliessen sich unbemerkt an. Lakaien schliessen die Tür. Haushofmeister tritt ab. Marschallin allein. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (allein). | (allein) |
| Da geht er hin, der aufgeblasene schlechte Kerl, | Da geht er hin, der aufgeblasene schlechte Kerl, |
| und kriegt das hübsche junge Ding und einen Pinkel Geld dazu. | und kriegt das hübsche junge Ding und einen Pinkel Geld dazu. |
| (Seufzend.) | (seufzend) |
| Als müßt’s so sein. | Als müsst’s so sein. |
| Und bildet sich noch ein, daß er es ist, der sich was vergibt. | Und bildet sich noch ein, dass er es ist, der sich was vergibt. |
| Was erzürn’ ich mich denn? Ist doch der Lauf der Welt. | Was erzürn’ ich mich denn? ist doch der Lauf der Welt. |
| Kann mich auch an ein Mädel erinnern, | Kann mich auch an ein Mädel erinnern, |
| die frisch aus dem Kloster ist in den heiligen Ehestand kommandiert word’n. | die frisch aus dem Kloster ist in den heiligen Ehestand kommandiert word’n |
| (Nimmt den Handspiegel.) | (nimmt den Handspiegel) |
| Wo ist die jetzt? Ja, | Wo ist die jetzt? Ja, |
| (seufzend) | (seufzend) |
| such’ dir den Schnee vom vergangenen Jahr! | such’ dir den Schnee vom vergangenen Jahr! |
| Das sag’ ich so: | Das sag’ ich so: |
| (Ruhig.) | (ruhig) |
| Aber wie kann das wirklich sein, | Aber wie kann das wirklich sein, |
| daß ich die kleine Resi war | dass ich die kleine Resi war |
| und daß ich auch einmal die alte Frau sein werd’. | und dass ich auch einmal die alte Frau sein werd’[ ]... |
| Die alte Frau, die alte Marschallin! | Die alte Frau, die alte Marschallin! |
| »Siegst es, da geht’s, die alte Fürstin Resi!« | »Siegst es, da geht’s, die alte Fürstin Resi!« |
| Wie kann denn das geschehen? | Wie kann denn das geschehen? |
| Wie macht denn das der liebe Gott? | Wie macht denn das der liebe Gott? |
| Wo ich doch immer die gleiche bin. | Wo ich doch immer die gleiche bin. |
| Und wenn er’s schon so machen muß, | Und wenn er’s schon so machen muss, |
| warum laßt er mich denn zuschaun dabei | warum lasst er mich denn zuschau’n dabei |
| mit gar so klarem Sinn! Warum versteckt er’s nicht vor mir? | mit gar so klarem Sinn! Warum versteckt er’s nicht vor mir? |
| Das alles ist geheim, so viel geheim. | Das alles ist geheim, so viel geheim. |
| Und man ist dazu da, (seufzend) daß man’s ertragt. | Und man ist dazu da, (seufzend) dass man’s ertragt. |
| Und in dem »Wie« | Und in dem »Wie« |
| (sehr ruhig) | (sehr ruhig) |
| da liegt der ganze Unterschied – | da liegt der ganze Unterschied – |
| Octavian | Octavian: |
| (tritt von rechts ein, in einem Morgenanzug mit Reitstiefeln). | (tritt von rechts ein, in einem Morgenanzug mit Reitstiefeln) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ruhig, mit halbem Lächeln). | (ruhig, mit halbem Lächeln) |
| Ach, du bist wieder da! | Ach, Du bist wieder da! |
| Octavian | Octavian: |
| (zärtlich). | (zärtlich) |
| Und du bist traurig! | Und Du bist traurig! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Es ist ja schon vorbei. Du weißt ja, wie ich bin. | Es ist ja schon vorbei. Du weisst ja, wie ich bin. |
| Ein halb Mal lustig, ein halb Mal traurig. | Ein halb Mal lustig, ein halb Mal traurig. |
| Ich kann halt meinen [sic] Gedanken nicht kommandier’n. | Ich kann halt meinen [sic] Gedanken nicht kommandier’n. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich weiß, warum du traurig bist, du Schatz. | Ich weiss, warum Du traurig bist, Du Schatz. |
| Weil du erschrocken bist und Angst gehabt hast. | Weil Du erschrocken bist und Angst gehabt hast. |
| Hab’ ich nicht recht? Gesteh’ mir nur: | Hab’ ich nicht recht? Gesteh’ mir nur: |
| du hast Angst gehabt, | Du hast Angst gehabt, |
| du Süße, du Liebe, | Du Süsse, Du Liebe. |
| um mich, um mich! | Um mich, um mich! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ein bissel vielleicht, | Ein bissel vielleicht, |
| aber ich hab’ mich erfangen und hab’ mir vorgesagt: Es wird schon nicht dafür stehn. | aber ich hab’ mich erfangen und hab’ mir vorgesagt: Es wird schon nicht dafür steh’n. |
| Und wär’s dafür gestanden? | Und wär’s dafür gestanden? |
| Octavian | Octavian: |
| (heiter). | (heiter) |
| Und es war kein Feldmarschall, | Und es war kein Feldmarschall, |
| nur ein spaßiger Herr Vetter, und du gehörst mir, | nur ein spassiger Herr Vetter und Du gehörst mir, |
| du gehörst mir! | Du gehörst mir! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (erhebt sich, ihn abwehrend). | (erhebt sich ihn abwehrend) |
| Taverl, umarm’ Er nicht zu viel. | Taverl, umarm’ Er nicht zu viel. |
| Wer allzuviel umarmt, der hält nichts fest. | Wer allzuviel umarmt, der hält nichts fest. |
| Octavian | Octavian: |
| (leidenschaftlich). | (leidenschaftlich) |
| Sag’, daß du mir gehörst! Mir! | Sag’, dass Du mir gehörst! Mir! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Oh, sei Er jetzt sanft, sei Er gescheit und sanft und gut. | Oh, sei Er jetzt sanft, sei Er gescheit und sanft und gut. |
| Octavian | Octavian: |
| (will lebhaft erwidern). | (will lebhaft erwidern) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Nein, bitt’ schön, sei Er nicht, wie alle Männer sind! | Nein bitt’ schön, sei Er nicht wie alle Männer sind! |
| Octavian | Octavian: |
| (mißtrauisch auffahrend). | (misstrauisch auffahrend) |
| Wie alle Männer? | Wie alle Männer? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (schnell gefaßt). | (schnell gefasst) |
| Wie der Feldmarschall und der Vetter Ochs. | Wie der Feldmarschall und der Vetter Ochs. |
| Octavian | Octavian: |
| (nicht dabei beruhigt). | (nicht dabei beruhigt) |
| Bichette! | Bichette! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (mit Nachdruck). | (mit Nachdruck) |
| Sei Er nur nicht, wie alle Männer sind. | Sei Er nur nicht, wie alle Männer sind. |
| Octavian | Octavian: |
| (zornig). | (zornig) |
| Ich weiß nicht, wie alle Männer sind. | Ich weiss nicht, wie alle Männer sind[…] |
| (Plötzlich sanft.) | (Plötzlich sanft) |
| Weiß nur, daß ich dich lieb hab’, | Weiss nur, dass ich Dich lieb hab’ |
| Bichette, sie haben mir dich ausgetauscht. | Bichette, die haben mir Dich ausgetauscht. |
| Bichette, wo ist Sie denn! | Bichette, wo ist sie denn! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ruhig). | (ruhig) |
| Sie ist wohl da, Herr Schatz. | Sie ist wohl da, Herr Schatz. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ja, ist Sie da? Dann will ich Sie halten, | Ja, ist Sie da? Dann will ich Sie halten, |
| daß Sie mir nicht wieder entkommt! | dass Sie mir nicht wieder entkommt! |
| (Leidenschaftlich.) | (leidenschaftlich) |
| Packen will ich Sie, packen, daß | Packen will ich Sie, packen, dass |
| Sie es spürt, zu wem Sie gehört – | Sie es spürt, zu wem Sie gehört – |
| zu mir! Denn ich bin Ihr und Sie ist mein! | zu mir! Denn ich bin Ihr und Sie ist mein! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (sich ihm entwindend). | (sich ihm entwindend) |
| Oh, sei Er gut, Quinquin. Mir ist zumut, | Oh sei Er gut, Quinquin. Mir ist zu Mut, |
| daß ich die Schwäche von allem Zeitlichen recht spüren muß, | dass ich die Schwäche von allem zeitlichen recht spüren muss, |
| bis in mein Herz hinein, | bis in mein Herz hinein, |
| wie man nichts halten soll, | wie man nichts halten soll, |
| wie man nichts packen kann, | wie man nichts packen kann, |
| wie alles zerlauft zwischen den Fingern, | Wie alles zerlauft zwischen den Fingern, |
| alles sich auflöst, wonach wir greifen, | alles sich auflöst, wonach wir greifen, |
| alles zergeht wie Dunst und Traum. | alles zergeht wie Dunst und Traum. |
| Octavian. | Octavian: |
| Mein Gott, wie Sie das sagt. | Mein Gott, wie Sie das sagt. |
| Sie will mir doch nur zeigen, daß Sie nicht an mir hängt. | Sie will mir doch nur zeigen, dass Sie nicht an mir hängt. |
| (Die Tränen kommen ihm.) | (Die Thränen kommen ihm.) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Sei Er doch gut, Quinquin! | Sei Er doch gut, Quinquin! |
| Octavian | Octavian: |
| (weint stärker). | (weint stärker) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Jetzt muß ich noch den Buben dafür trösten, | Jetzt muss ich noch den Buben dafür trösten, |
| Daß er mich über kurz oder lang wird sitzen lassen. | Dass er mich über kurz oder lang wird sitzen lassen. |
| (Sie streichelt ihn.) | (Sie streichelt ihn) |
| Octavian. | Octavian: |
| Über kurz oder lang? | Ueber kurz oder lang? |
| (Heftig.) | (heftig) |
| Wer legt Ihr heut die Wörter in den Mund, Bichette? | Wer legt Ihr heut die Wörter in den Mund, Bichette? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Daß Ihn das Wort so kränkt! | Dass Ihn das Wort so kränkt! |
| Octavian | Octavian: |
| (hält sich die Ohren zu). | (hält sich die Ohren zu) |
| Marschallin. | [Marschallin:] |
| Die Zeit im Grund, Quinquin, | Die Zeit im Grund, Quinquin, |
| Die Zeit, die ändert doch nichts an den Sachen. | Die Zeit, die ändert doch nichts an den Sachen. |
| Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. | Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. |
| Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. | Wenn man so hinlebt, ist sie rein garnichts |
| Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie. | Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie. |
| Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. | Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. |
| In den Gesichtern rieselt sie, | In den Gesichtern rieselt sie, |
| im Spiegel da rieselt sie, | im Spiegel da rieselt sie, |
| in meinen Schläfen fließt sie. | in meinen Schläfen fliesst sie. |
| Und zwischen mir und dir | Und zwischen mir und dir |
| da fließt sie wieder, lautlos, wie eine Sanduhr. | da fliesst sie wieder, lautlos, wie eine’ [sic] Sanduhr, [?] |
| (Warm.) | (warm) |
| Oh, Quinquin! Manchmal hör’ ich sie fließen – | Oh, Quinquin! Manchmal hör’ ich sie fliessen – |
| unaufhaltsam. | unaufhaltsam. |
| (Leise.) | (leise) |
| Manchmal steh’ ich auf mitten in der Nacht | Manchmal steh ich auf mitten in der Nacht |
| und laß die Uhren alle, alle stehn. | und lass die Uhren alle, alle steh’n. |
| Allein man muß sich auch vor ihr nicht fürchten. | Allein, man muss sich auch vor ihr nicht fürchten. |
| Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters, der uns alle erschaffen hat. | Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters, der uns alle erschaffen hat. |
| Octavian | Octavian: |
| (mit ruhiger Zärtlichkeit). | (mit ruhiger Zärtlichkeit) |
| Mein schöner Schatz, will Sie sich traurig machen mit Gewalt? | Mein schöner Schatz, will Sie sich traurig machen mit Gewalt? |
| Wo Sie mich da hat. [sic] | Wo Sie mich da hat, |
| wo ich meine Finger in Ihre Finger schlinge, | wo ich meine Finger in Ihre Finger schlinge, |
| wo ich mit meinen Augen Ihre Augen suche, | wo ich mit meinen Augen Ihre Augen suche, |
| Wo Sie mich hat – | Wo Sie mich hat – |
| gerade da ist Ihr so zumut? | gerade da ist Ihr so zu Mut? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (sehr ernst). | (sehr ernst) |
| Quinquin, heut oder morgen geht Er hin | Quinquin, heut oder morgen geht Er hin |
| und gibt mich auf um einer andern willen, | und gibt mich auf, um einer andern willen |
| (etwas zögernd) | (etwas zögernd) |
| die schöner oder jünger ist als ich. | die schöner oder jünger ist als ich. |
| Octavian. | Octavian: |
| Willst du mit Worten mich von dir stoßen, | Willst Du mit Worten mich von Dir stossen, |
| weil dir die Hände den Dienst nicht tun? | weil Dir die Hände den Dienst nicht tun? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ruhig). | (ruhig) |
| Der Tag kommt ganz von selber. | Der Tag kommt ganz von selber. |
| Heut oder morgen kommt der Tag, Octavian. | Heut oder morgen kommt der Tag, Octavian. |
| Octavian. | Octavian: |
| Nicht heut, nicht morgen! ich hab’ dich lieb. | Nicht heut’, nicht morgen! ich hab’ Dich lieb. |
| Nicht heut, nicht morgen! | Nicht heut’, nicht morgen! |
| Wenn’s so einen Tag geben muß, i denk’ ihn nicht! | Wenn’s so einen Tag geben muss, i denk’ ihn nicht! |
| So einen häßlichen Tag! | So einen hässlichen Tag! |
| Ich will den Tag nicht sehn. | Ich will den Tag nicht seh’n. |
| Ich will den Tag nicht denken. | Ich will den Tag nicht denken. |
| Was quälst du dich und mich, Theres’? | Was quälst Du Dich und mich, Theres’? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Heut oder morgen oder den übernächsten Tag. | Heut’ oder morgen oder den übernächsten Tag. |
| Nicht quälen will ich dich, mein Schatz. | Nicht quälen will ich Dich mein Schatz |
| Ich sag’ was wahr ist, sag’s zu mir so gut als zu dir. | Ich sag’ was wahr ist, sag’s zu mir so gut als zu Dir. |
| Leicht will ich’s machen dir und mir. | Leicht will ich’s machen Dir und mir. |
| Leicht muß man sein, | Leicht muss man sein |
| mit leichtem Herz und leichten Händen | mit leichtem Herz und leichten Händen |
| halten und nehmen, halten und lassen … | halten und nehmen, halten und lassen[ ]… |
| Die nicht so sind, die straft das Leben, und Gott erbarmt sich ihrer nicht. | Die nicht so sind, die straft das Leben und Gott erbarmt sich ihrer nicht. |
| Octavian. | Octavian: |
| Sie spricht ja heute wie ein Pater. | Sie spricht ja heute wie ein Pater. |
| Soll das heißen, daß ich Sie nie mehr | Soll das heissen, dass ich Sie nie mehr, [sic] |
| werd’ küssen dürfen, bis Ihr der Atem ausgeht? | werd’ küssen dürfen, bis Ihr der Atem ausgeht? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (sanft). | (sanft) |
| Quinquin, Er soll jetzt gehn, Er soll mich lassen. | Quinquin, Er soll jetzt geh’n, Er soll mich lassen. |
| Ich werd’ jetzt in die Kirchen gehn, | Ich werd’ jetzt in die Kirchen geh’n |
| und später fahr’ ich zum Onkel Greifenklau, | und später fahr’ ich zum Onkel Greifenklau, |
| der alt und gelähmt ist, | der alt und gelähmt ist |
| und ess’ mit ihm: das freut den alten Mann. | und ess’ mit ihm: das freut den alten Mann. |
| Und Nachmittag werd’ ich Ihm einen Laufer schicken, | Und Nachmittag werd’ ich Ihm einen Lauffer schicken, |
| Quinquin, und sagen lassen, | Quinquin, und sagen lassen |
| ob ich in’ Prater fahr’. | ob ich in’ Prater fahr’ |
| Und wenn ich fahr’ | Und wenn ich fahr’ |
| und Er hat Lust, | Und Er hat Lust, |
| so wird Er auch in’ Prater kommen | so wird Er auch in’ Prater kommen |
| und neben meinem Wagen reiten. | und neben meinem Wagen reiten. |
| Jetzt sei Er gut und folg’ Er mir. | Jetzt sei Er gut und folg’ Er mir. |
| Octavian | Octavian: |
| (leise). | (leise) |
| Wie Sie befiehlt, Bichette. | Wie Sie befiehlt, Bichette. |
| (Er geht. Eine Pause.) | (Er geht. Eine Pause) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (allein, fährt leidenschaftlich auf). | (allein, fährt leidenschaftlich auf) |
| Ich hab’ Ihn nicht einmal geküßt. | Ich hab’ Ihn nicht einmal geküsst. |
| (Sie klingelt heftig. Lakaien kommen von rechts.) | (Sie klingelt heftig. Lakaien kommen von rechts) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Lauft’s dem Herrn Grafen nach | Lauft’s dem Herrn Grafen nach |
| und bittet’s ihn noch auf ein Wort herauf. | und bittet’s ihn noch auf ein Wort herauf. |
| Lakaien | Lakaien: |
| (schnell ab). | (schnell ab) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ich hab’ ihn fortgehn lassen und ihn nicht einmal geküßt! | Ich hab’ ihn fortgeh’n lassen und ihn nicht einmal geküsst! |
| (Sie sinkt auf den Sessel am Frisiertisch. Die Lakaien kommen zurück außer Atem.) | (sie setzt sich auf den Sessel am Frisiertisch) |
| Die Lakaien kommen zurück ausser Atem. | |
| Erster Lakai. | Erster Lakai: |
| Der Herr Graf sind auf und davon. | Der Herr Graf sind auf und davon. |
| Zweiter Lakai. | Zweiter Lakai: |
| Gleich beim Tor sind aufgesessen. | Gleich beim Tor sind aufgesessen. |
| Dritter Lakai. | Dritter Lakai: |
| Reitknecht hat gewartet. | Reitknecht hat gewartet. |
| Vierter Lakai. | Vierter Lakai: |
| Gleich beim Tor sind aufgesessen wie der Wind. | Gleich beim Tor sind aufgesessen wie der Wind. |
| Erster Lakai. | Erster Lakai: |
| Waren um die Ecken wie der Wind. | Waren um die Ecken wie der Wind. |
| Zweiter Lakai. | Zweiter Lakai: |
| Sind nachgelaufen. | Sind nachgelaufen. |
| Dritter Lakai. | Dritter Lakai: |
| Wie haben wir geschrien. | Wir haben geschrien. |
| Vierter Lakai. | Vierter Lakai: |
| War umsonst. | War umsonst. |
| Erster Lakai. | Erster Lakai: |
| Waren um die Ecken wie der Wind. | Waren um die Ecken wie der Wind. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Es ist gut, geht’s nur wieder. | Es ist gut, gehts nur wieder. |
| (Die Lakaien ziehen sich zurück.) | (Die Lakaien ziehen sich zurück.) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ruft nach). | (ruft nach) |
| Den Mohammed! | Den Mohamed! |
| (Der kleine Neger herein, klingelnd, verneigt sich.) | (Der kleine Neger herein, klingelnd, verneigt sich). |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Das da trag’ | Das da trag’ |
| Neger | Neger: |
| (nimmt eifrig das Saffianfutteral). | (nimmt eifrig das Saffianfutteral) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Weißt ja nicht wohin. Zum Grafen Octavian. | Weisst ja nicht wohin. Zum Grafen Octavian. |
| Gib’s ab und sag’: | Gib’s ab und sag’: |
| Da drin ist die silberne Ros’n. | Da drinn ist die silberne Ros’n. |
| Der Herr Graf weiß ohnehin. | Der Herr Graf weiss ohnehin. |
| (Der Neger läuft ab.) | (Der Neger läuft ab) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (stützt den Kopf auf die Hand und bleibt so während des ganzen Nachspiels). | (stützt den Kopf auf die Hand und bleibt so während des ganzen Nachspiels). |
| ZWEITER AUFZUG. | ZWEITER AKT |
| Saal bei Herrn von Faninal. Mitteltüre nach dem Vorsaal. Tür links. Rechts ein großes Fenster. Stühle an der Wand. In den Ecken jederseits große Kamine. Zu beiden Seiten der Mitteltüre je ein Lakei [sic]. | Saal bei Herrn von Faninal. Mitteltüre nach dem Vorsaal. Tür links. Rechts ein grosses Fenster. Stühle an der Wand. In den Ecken jederseits, [sic] grosse Kamine. Zu beiden Seiten der Mitteltüre je ein Lakai. |
| Faninal | Faninal: |
| (im Begriffe, von Sophie Abschied zu nehmen). | (im Begriffe von Sophie Abschied zu nehmen) |
| Ein ernster Tag, ein großer Tag! | Ein ernster Tag, ein grosser Tag! |
| Ein Ehrentag, ein heiliger Tag! | Ein Ehrentag, ein heiliger Tag! |
| Sophie | Sophie: |
| (küßt ihm die Hand). | (küsst ihm die Hand) |
| Marianne. | Marianne: |
| Der Josef fahrt vor mit der neuen Kaross’, | Der Josef fahrt vor, mit der neuen Kaross’, |
| hat himmelblaue Vorhäng’, | hat himmelblaue Vorhäng’, |
| vier Apfelschimmel sind dran. | vier Apfelschimmel sind dran. |
| Haushofmeister | Haushofmeister: |
| (nicht ohne Vertraulichkeit zu Faninal). | (nicht ohne Vertraulichkeit zu Faninal) |
| Ist höchste Zeit, daß Euer Gnaden fahren. | Ist höchste Zeit, dass Euer Gnaden fahren. |
| Der hochadelige Bräutigamsvater [sic], | Der hochadelige Bräutigamsvater [sic], |
| sagt die Schicklichkeit, | sagt die Schicklichkeit, |
| muß ausgefahren sein. [?] | muss ausgefahren sein, |
| bevor der silberne Rosenkavalier vorfahrt. | bevor der silberne Rosenkavalier vorfahrt. |
| Wär’ nicht geziemend, | Wär’ nicht geziemend, |
| daß sie sich vor der Tür begegneten. | dass sie sich vor’ [sic] der Tür begegneten. |
| (Lakaien öffnen die Tür.) | (Lakaien öffnen die Tür) |
| Faninal. | Faninal: |
| In Gottes Namen. Wenn ich wiederkomm’, | In Gottes Namen, [sic] Wenn ich wiederkomm’, |
| so führ’ ich deinen Herrn Zukünftigen bei der Hand. | so führ’ ich Deinen Herrn Zukünftigen bei der Hand. |
| Marianne. | Marianne: |
| Den edlen und gestrengen Herrn von Lerchenau! | Den edlen und gestrengen Herrn von Lerchenau! |
| Faninal | Faninal: |
| (geht). | (geht) |
| Sophie | Sophie: |
| (vorgehend, allein, indessen Marianne am Fenster). | (vorgehend, allein, indessen Marianne am Fenster) |
| Marianne. | Marianne: |
| Jetzt steigt er ein. Der Xaver und der Anton springen hinten auf. | Jetzt steigt er ein. Der Xaver und der Anton springen hinten auf. |
| Der Stallpag’ reicht dem Josef seine Peitsch’n. | Der Stallpag’ reicht dem Josef seine Peitsch’n. |
| Alle Fenster sind voller Leut’. | Alle Fenster sind voller Leut’. |
| Sophie | Sophie: |
| (am Fenster). | (am Fenster) |
| In dieser feierlichen Stunde der Prüfung, | In dieser feierlichen Stunde der Prüfung. |
| da du mich, o mein Schöpfer, über mein Verdienst erhöhen | Da du mich, o mein Schöpfer, über mein Verdienst erhöhen |
| und in den heiligen Ehestand führen willst, | und in den heiligen Ehestand führen willst, |
| (sie hat große Mühe, gesammelt zu bleiben) | (sie hat grosse Mühe, gesammelt zu bleiben). |
| opfere ich dir in Demut, mein Herz in Demut auf. | opfere ich dir in Demut, mein Herz in Demut auf. |
| Die Demut in mir zu erwecken, | Die Demut in mir zu erwecken, |
| muß ich mich demütigen. | muss ich mich demütigen, [sic] |
| Marianne | Marianne: |
| (sehr aufgeregt). | (sehr aufgeregt) |
| Die halbe Stadt ist auf die Füß’. | Die halbe Stadt ist auf die Füss’. |
| Aus dem Seminari schaun die Hochwürdigen von die Balkoner. | Aus dem Seminari schau’n die Hochwürdigen von die Balkoner. |
| Ein alter Mann sitzt oben auf der Latern’. | Ein alter Mann sitzt oben auf der Latern’, [sic] |
| Sophie | Sophie: |
| (sammelt sich mühsam). | (sammelt sich mühsam) |
| Demütigen und recht bedenken: die Sünde, die | Demütigen und recht bedenken: die Sünde, die |
| Schuld, die Niedrigkeit, die Verlassenheit, die Anfechtung! | Schuld, die Niedrigkeit, die Verlassenheit, die Anfechtung! |
| Die Mutter ist tot und ich bin ganz allein. | Die Mutter ist tot und ich bin ganz allein. |
| Für mich selbst steh’ ich ein. | Für mich selbst steh’ ich ein. |
| Aber die Ehe ist ein heiliger Stand. | Aber die Ehe ist ein heiliger Stand. |
| Marianne | Marianne: |
| (wie oben). | (wie oben) |
| Er kommt, er kommt in zwei Karossen. | Er kommt, er kommt in zwei Karossen. |
| Die erste ist vierspännig, die ist leer. In der zweiten, sechsspännigen, | Die erste ist vierspännig, die ist leer. In der zweiten, sechsspännigen, |
| sitzt er selber, der Rosenkavalier. | sitzt er selber, der Rosenkavalier. |
| Sophie | Sophie: |
| (wie oben). | (wie oben) |
| Ich will mich niemals meines neuen Standes überheben – | Ich will mich niemals meines neuen Standes überheben – |
| (die Stimmen der Läufer zu dreien vor Octavians Wagen unten auf der Gasse: Rofrano, Rofrano!) | (Die Stimmen der Lauffer zu dreien vor Octavians Wagen unten auf der Gasse: Rofrano! Rofrano!) |
| – mich überheben. | – mich überheben. |
| (Sie hält es nicht aus.) | (sie hält es nicht aus) |
| Was rufen denn die? | Was rufen denn die? |
| Marianne. | Marianne: |
| Den Namen vom Rosenkavalier und alle Namen | Den Namen vom Rosenkavalier und alle Namen |
| von deiner neuen fürstlich’n und gräflich’n Verwandtschaft rufen’s aus. | von deiner neuen fürstlich’n und gräflich’n Verwandtschaft rufens aus. |
| Jetzt rangieren sich die Bedienten. | Jetzt rangieren sich die Bedienten. |
| Die Lakaien springen rückwärts ab! | Die Lakaien springen rückwärts ab! |
| (Die Stimmen der Läufer zu dreien näher: Rofrano, Rofrano!) | (Die Stimmen der Lauffer zu dreien näher: Rofrano! Rofrano!) |
| Sophie. | Sophie: |
| Werden sie mein’ Bräutigam sein’ Namen | Werden sie mein’ Bräutigam sein’ Namen |
| auch so ausrufen, wenn er angefahren kommt!? | auch so ausrufen, wenn er angefahren kommt!? |
| (Die Stimmen der Läufer dicht unter dem Fenster: Rofrano, Rofrano!) | (Die Stimmen der Lauffer dicht unter dem Fenster: Rofrano! Rofrano!) |
| Marianne. | Marianne: |
| Sie reißen den Schlag auf! Er steigt aus! | Sie reissen den Schlag auf! Er steigt aus! |
| Ganz in Silberstück’ ist er angelegt, von Kopf zu Fuß. | Ganz in Silberstück’ ist er angelegt, von Kopf zu Fuss. |
| Wie ein heil’ger Engel schaut er aus. | Wie ein heil’ger Engel schaut er aus. |
| (Sie schließt eilig das Fenster. Zwei Faninalsche Lakaien haben schnell die Mitteltür aufgetan.) | (Sie schliesst eilig das Fenster[,] zwei Faninal’sche Lakaien haben schnell die Mitteltüre aufgetan.) |
| Sophie. | Sophie: |
| Herrgott im Himmel! | Herrgott im Himmel! |
| Ich weiß, der Stolz ist eine schwere Sünd’. | Ich weiss, der Stolz ist eine schwere Sünd’. |
| Aber jetzt kann ich mich nicht demütigen. | Aber jetzt kann ich mich nicht demütigen. |
| Jetzt geht’s halt nicht! | Jetzt geht’s halt nicht! |
| Denn das ist ja so schön, so schön! | Denn das ist ja so schön, so schön! |
| (Währenddem ist Oktavians [sic] Dienerschaft in seinen Farben: weiß mit blaßgrün rasch eingetreten. Die Lakaien, die Haiducken mit krummen ungarischen Säbeln an der Seite, die Läufer in weißem sämischem Leder mit grünen Straußenfedern. Dicht hinter diesen ein Neger, der Octavians Hut, und ein anderer Lakai, der das Saffianfutteral für die silberne Rose in beiden Händen trägt. Dann Octavian, die Rose in der Rechten. Er geht mit adeligem Anstand auf Sophie zu, aber sein Knabengesicht ist von seiner Schüchternheit gespannt und gerötet. Sophie ist vor Aufregung über seine Erscheinung und die Zeremonie leichenblaß. Sie stehen einander gegenüber, und machen sich wechselweise durch ihre Verlegenheit und Schönheit noch verwirrter.) | (Währenddem ist Oktavians [sic] Dienerschaft in seinen Farben: Weiss mit blassgrün rasch eingetreten. Die Lakaien, die Haiducken mit krummen ungarischen Säbeln an der Seite, die Lauffer in weissem, sämischem Leder mit grünen Straussenfedern. Dicht hinter diesen ein Neger, der Oktavians Hut, und ein anderer Lakai, der das Saffianfutteral für die silberne Rose in beiden Händen trägt.) |
| Dann Oktavian, die Rose in der Rechten. Er geht mit adeligem Anstand auf Sophie zu, aber sein Knabengesicht ist von seiner Schüchternheit gespannt und gerötet. | |
| Sophie ist vor Aufregung über seine Erscheinung und die Zeremonie leichenblass. Sie stehen einander gegenüber, und machen sich wechselweise durch ihre Verlegenheit und Schönheit noch verwirrter. | |
| Octavian | Octavian: |
| (etwas stockend). | (etwas stockend) |
| Mir ist die Ehre widerfahren, | Mir ist die Ehre widerfahren |
| daß ich der hoch- und wohlgeborenen Jungfer Braut, | dass ich der hoch-[ ]und wohlgeborenen Jungfer Braut, |
| in meines Herrn Vetters Namen, | in meines Herrn Vetters Namen, |
| dessen zu Lerchenau, | dessen zu Lerchenau, |
| die Rose seiner Liebe überreichen darf. | die Rose seiner Liebe überreichen darf. |
| Sophie | Sophie: |
| (nimmt die Rose). | (nimmt die Rose) |
| Ich bin Euer Liebden sehr verbunden. – | Ich bin Euer Liebden sehr verbunden. |
| Ich bin Euer Liebden in aller Ewigkeit verbunden. – | Ich bin Euer Liebden in aller Ewigkeit verbunden. – |
| (Eine Pause der Verwirrung.) | (Eine Pause der Verwirrung) |
| Sophie | Sophie: |
| (indem sie an der Rose riecht). | (indem sie an der Rose riecht) |
| Hat einen starken Geruch. Wie Rosen, wie lebendige. | Hat einen starken Geruch. Wie Rosen, wie lebendige! |
| Octavian. | Octavian: |
| Ja, ist ein Tropfen persischen Rosenöls darein getan. | Ja, ist ein Tropfen persischen Rosenöls darein getan. |
| Sophie. | Sophie: |
| Wie himmlische, nicht irdische, wie Rosen | Wie himmlische, nicht irdische, wie Rosen |
| vom hochheiligen Paradies. Ist Ihm nicht auch? | vom hochheiligen Paradies. Ist ihm nicht auch? |
| Octavian | Octavian: |
| (neigt sich über die Rose, die sie ihm hinhält; dann richtet er sich auf und sieht auf ihren Mund). | (neigt sich über die Rose, die sie ihm hinhält; dann richtet er sich auf und sieht auf ihren Mund). |
| Sophie. | Sophie: |
| Ist wie ein Gruß vom Himmel. Ist bereits zu stark, als daß man’s ertragen kann. | Ist wie ein Gruss vom Himmel. Ist bereits zu stark, als dass man’s ertragen kann[…] |
| Zieht einen nach, als lägen Stricke um das Herz. | Zieht einen nach, als lägen Stricke um das Herz. |
| (Leise.) | (Leise) |
| Wo war ich schon einmal | Wo war ich schon einmal |
| und war so selig? | und war so selig? |
| Octavian | Octavian: |
| (zugleich mit ihr wie unbewußt und noch leiser). | (zugleich mit ihr wie unbewusst und noch leiser) |
| Wo war ich schon einmal | Wo war ich schon einmal |
| und war so selig? | und war so selig? |
| Sophie | Sophie: |
| (mit Ausdruck). | (mit Ausdruck) |
| Dahin muß ich zurück! und müßt’ ich völlig sterben auf dem Weg! | Dahin muss ich zurück! und müsst ich völlig ster‑ [sic] |
| ben auf dem Weg! | |
| Allein ich sterb’ ja nicht. | Allein ich sterb’ ja nicht. |
| Das ist ja weit. Ist Zeit und Ewigkeit | Das ist ja weit. Ist Zeit und Ewigkeit |
| in einem sel’gen Augenblick, | in einem sel’gen Augenblick, |
| den will ich nie vergessen bis an meinen Tod. | den will ich nie vergessen’ [sic] bis an meinen Tod’ [sic]. |
| Octavian | Octavian: |
| (zugleich mit ihr). | (zugleich mit ihr) |
| Ich war ein Bub’, | Ich war ein Bub |
| da hab’ ich die noch nicht gekannt. | da hab, [sic][ ]ich die noch nicht gekannt, |
| Wer bin denn ich? | Wer bin denn ich? |
| Wie komm’ denn ich zu ihr? | Wie komm denn ich zu ihr? |
| Wie kommt denn sie zu mir? | Wie kommt denn sie zu mir? |
| Wär’ ich kein Mann, die Sinne möchten mir vergehn | Wär’ ich kein Mann, die Sinne möchten mir vergeh’n. |
| Das ist ein seliger Augenblick, | Das ist ein seliger, [sic] Augenblick, |
| den will ich nie vergessen bis an meinen Tod. | den will ich nie vergessen’ [sic] bis an meinen Tod’ [sic]. |
| (Indessen stand die Livree Octavians rückwärts regungslos. Ebenso die Faninalschen Bedienten mit dem Haushofmeister. Der Lakai Octavians übergibt jetzt das Futteral an Marianne. Sophie schüttelt ihre Versunkenheit ab und reicht die Rose der Marianne, die sie ins Futteral schließt. Der Lakai mit dem Hut tritt von rückwärts an Octavian heran und reicht ihm den Hut. Die Livree Octavians tritt ab, während gleichzeitig die Faninalschen Bedienten drei Stühle in die Mitte tragen, zwei für Octavian und Sophie, einen rück- und seitwärts für die Duenna. Zugleich trägt der Faninalsche Haushofmeister das Futteral mit der Rose durch die Tür links ab. Sofort treten auch die Faninalschen Bedienten durch die Mitteltür ab. Sophie und Octavian stehen einander gegenüber, einigermaßen zur gemeinen Welt zurückgekehrt, aber befangen. Auf eine Handbewegung Sophies nehmen sie beide Platz, desgleichen die Duenna, im gleichen Augenblick, wo der Haushofmeister unsichtbar die Tür links von außen zuschließt). | Indessen stand die Livree Octavians rückwärts regungslos. Ebenso die Faninal’schen Bedienten mit dem Haushofmeister. Der Lakai Octavians übergibt jetzt das Futteral an Marianne. Sophie schüttelt ihre Versunkenheit ab und reicht die Rose der Marianne, die sie ins Futteral schliesst. Der Lakai mit dem Hut tritt von rückwärts an Octavian heran und reicht ihm den Hut. Die Livree Octavians tritt ab, während gleichzeitig die Faninal’schen Bedienten drei Stühle in die Mitte tragen, zwei für Octavian und Sophie, einen rück[‑] und seitwärts für die Duenna. Zugleich trägt der Faninal’sche Haushofmeister das Futteral mit der Rose durch die Tür links ab. Sofort treten auch die Faninal’schen Bedienten durch die Mitteltür ab. Sophie und Octavian stehen einander gegenüber, einigermassen zur gemeinen Welt zurückgekehrt, aber befangen. Auf eine Handbewegung Sophie’s nehmen sie beide Platz, desgleichen die Duenna, im gleichen Augenblick, wo der Haushofmeister unsichtbar die Türe links von aussen zu schliesst. |
| Sophie. | Sophie: |
| Ich kenn’ Ihn schon recht wohl, mon cousin! | Ich kenn’ ihn schon recht wohl, mon cousin! |
| Octavian. | Octavian: |
| Sie kennt mich, ma cousine? | Sie kennt mich, ma cousine? |
| Sophie. | Sophie: |
| Ja, aus dem Buch wo die Stammbäume drin sind, | Ja, aus dem Buch wo die Stammbäumer drin sind, |
| dem Ehrenspiegel Österreichs. | dem Ehrenspiegel Oesterreichs. |
| Das nehm’ ich immer abends mit ins Bett | Das nehm’ ich immer abends mit ins Bett |
| und such’ mir meine künftige Verwandtschaft drin zusammen. | und such’ mir meine künftige Verwandtschaft drin zusammen. |
| Octavian. | Octavian: |
| Tut Sie das, ma cousine? | Tut Sie das, ma cousine? |
| Sophie. | Sophie: |
| Ich weiß, wie alt Euer Liebden sind: | Ich weiss, wie alt Euer Liebden sind: |
| Siebzehn Jahr’ und zwei Monat’. | Siebzehn Iahr’ [sic] und zwei Monat’. |
| Ich weiß all Ihre Taufnamen: Octavian, Maria, Ehrenreich, | Ich weiss all’ Ihre Taufnamen: Octavian, Maria Ehrenreich |
| Bonaventura, Fernand, Hyacinth. | Bonaventura, Fernand, Hyacinth. |
| Octavian. | Octavian: |
| So gut weiß ich sie selber nicht einmal. | So gut weiss ich sie selber nicht einmal. |
| Sophie. | Sophie: |
| Ich weiß noch was. | Ich weiss noch was. |
| (Errötet.) | (errötet) |
| Octavian. | Octavian: |
| Was weiß Sie noch, sag’ Sie mir’s, ma cousine. | Was weiss Sie noch, sag’ Sie mir’s, ma cousine. |
| Sophie | Sophie: |
| (ohne ihn anzusehen). | (ohne ihn anzusehen) |
| Quinquin. | Quinquin. |
| Octavian | Octavian: |
| (lacht). | (lacht) |
| Weiß Sie den Namen auch? | Weiss Sie den Namen auch? |
| Sophie. | Sophie: |
| So nennen Ihn halt seine guten Freund’ | So nennen Ihn halt seine guten Freund’ |
| und schöne Damen, denk’ ich mir, | und schöne Damen, denk’ ich mir, |
| mit denen er recht gut ist. | mit denen er recht gut ist. |
| (Kleine Pause.) | (kleine Pause) |
| Sophie | Sophie: |
| (mit Naivität). | (mit Naivität) |
| Ich freu’ mich aufs Heiraten! Freut Er sich auch darauf? | Ich freu’ mich auf’s Heiraten! Freut Er sich auch darauf? |
| Oder hat Er leicht noch gar nicht dran gedacht, mon cousin? | Oder hat Er leicht noch gar nicht dran gedacht, mon cousin? |
| Denk’ Er: Ist doch was andres als der ledige Stand. | Denk Er: Ist doch was andres als der ledige Stand. |
| Octavian | Octavian: |
| (leise, während sie spricht). | (leise, während sie spricht) |
| Wie schön sie ist! | Wie schön sie ist! |
| Sophie. | Sophie: |
| Freilich, Er ist ein Mann, da ist Er, was Er bleibt. | Freilich, Er ist ein Mann, da ist Er, was Er bleibt. |
| Ich aber brauch’ erst einen Mann, daß ich was bin. | Ich aber brauch’ erst einen Mann, dass ich was bin, |
| Dafür bin ich dem Mann dann auch gar sehr verschuldet. | Dafür bin ich dem Mann dann auch gar sehr verschuldet. |
| Octavian | Octavian: |
| (wie oben). | (wie oben) |
| Mein Gott, wie schön und gut sie ist. | Mein Gott, wie schön und gut sie ist. |
| Sie macht mich ganz verwirrt. | Sie macht mich ganz verwirrt. |
| Sophie. | Sophie: |
| Und werd’ ihm keine Schand’ nicht machen | Und werd’ ihm keine Schand nicht machen |
| und meinen [sic] Rang und Vortritt. | und meinen [sic] Rang und Vortritt. |
| Tät’ eine, die sich besser dünkt als ich, | Tät eine, die sich besser dünkt als ich |
| ihn mir bestreiten | ihn mir bestreiten |
| bei einer Kindstauf’ oder Leich’, | bei einer Kindstauf oder Leich’ |
| so will ich, wenn es sein muß, | so will ich, wenn es sein muss, |
| meiner Seel’ ihr beweisen, | meiner Seel’ ihr beweisen, |
| daß ich die Vornehmere bin | dass ich die Vornehmere bin |
| und lieber alles hinnehme | und lieber alles hinnehme |
| wie Kränkung oder Ungebühr. | wie Kränkung oder Ungebür [sic]. |
| Octavian | Octavian: |
| (lebhaft). | (lebhaft) |
| Wie kann Sie denn nur denken, | Wie kann Sie denn nur denken, |
| daß man Ihr mit Ungebühr begegnen wird, | dass man ihr mit Ungebühr begegnen wird, |
| da Sie doch immer die Schönste, die Allerschönste sein wird. | da Sie doch immer die Schönste, die Allerschönste sein wird. |
| Sophie. | Sophie: |
| Lacht Er mich aus, mon cousin? | Lacht Er mich aus, mon cousin? |
| Octavian. | Octavian: |
| Wie, glaubt Sie das von mir? | Wie, glaubt Sie das von mir? |
| Sophie. | Sophie: |
| Er darf mich auslachen, wenn Er will. | Er darf mich auslachen, wenn Er will. |
| Von Ihm laß ich alles mir gerne geschehen, | Von Ihm lass ich alles mir gerne geschehen |
| weil mir nie noch ein junger Kavalier … | weil mir nie noch ein junger Kavalier[ ]… |
| von Nähen oder Weitem also wohlgefallen hat wie Er. | von Nähen oder Weiten also wohlgefallen hat wie Er. |
| Jetzt aber kommt mein Herr Zukünftiger. | Jetzt aber kommt mein Herr Zukünftiger. |
| (Die Tür rückwärts geht auf. Alle drei erheben sich. Sophie und Marianne treten nach rechts. Octavian nach links vorne. Faninal führt den Baron zeremoniös über die Schwelle und auf Sophie zu, indem er ihm den Vortritt läßt. Die Lerchenausche Livree folgt auf Schritt und Tritt: zuerst der Almosenier mit dem Sohn und Leibkammerdiener. Dann folgt der Leibjäger mit einem ähnlichen Lümmel, der ein Pflaster über der eingeschlagenen Nase trägt, und noch zwei von der gleichen Sorte, vom Rübenacker her in die Livree gesteckt. Alle tragen wie ihr Herr Myrtensträußchen. Die zwei Faninalschen Boten bleiben im Hintergrunde.) | (Die Tür rückwärts geht auf. Alle drei erheben sich[.] Sophie und Marianne treten nach rechts. Octavian nach links vorne. Faninal führt den Baron zeremoniös über die Schwelle und auf Sophie zu, indem er ihm den Vortritt lässt. Die Lerchenau’sche Livree folgt auf Schritt und Tritt: zuerst der Almosenier mit dem Sohn und Leibkammerdiener. Dann folgt der Leibjäger mit einem ähnlichen Lümmel, der ein Pflaster über der eingeschlagenen Nase trägt[,] und noch zwei von der gleichen Sorte, vom Rübenacker her in die Livree gesteckt. Alle tragen wie ihr Herr Myrthensträusschen. Die zwei Faninal’schen Boten bleiben im Hintergrunde). |
| Faninal. | Faninal: |
| Ich präsentiere Euer Gnaden Dero Zukünftige. | Ich präsentiere Euer Gnaden dero Zukünftige. |
| Baron | Baron: |
| (macht die Reverenz, dann zu Faninal). | (macht die Reverenz, dann zu Faninal) |
| Deliziös! Mach’ Ihm mein Kompliment. | Deliziös! Mach’ Ihm mein Kompliment. |
| (Er küßt Sophie die Hand, gleichsam prüfend.) | (Er küsst Sophie die Hand, gleichsam prüfend). |
| Ein feines Handgelenk. Darauf halt’ ich gar viel. | Ein feines Handgelenk. Darauf halt’ ich gar viel. |
| Ist unter Bürgerlichen eine seltne Distinktion. | Ist unter Bürgerlichen eine selt’ne Distinktion. |
| Octavian | Octavian: |
| (halblaut). | (halblaut) |
| Es wird mir heiß und kalt. | Es wird mir heiss und kalt. |
| Faninal. | Faninal: |
| Gestatten, daß ich die getreue Jungfer | Gestatten, dass ich die getreue Jungfer |
| Marianne Leitmetzerin – | Marianne Leitmetzerin – |
| (Mariannen präsentierend, die dreimal tief knickst.) | (Mariannen präsentierend, die dreimal tief knixt). |
| Baron | Baron: |
| (indem er unwillig abwinkt). | (indem er unwillig abwinkt) |
| Laß Er das weg. | Lass’ Er das weg. |
| Begrüß’ Er jetzt mit mir meinen Herrn Rosenkavalier. | Begrüss’ Er jetzt mit mir meinen Herrn Rosenkavalier. |
| (Er tritt mit Faninal auf Octavian zu, unter Reverenz, die Octavian erwidert. Das Lerchenausche Gefolge kommt endlich zum Stillstand, nachdem es Sophie fast umgestoßen, und retiriert sich um ein paar Schritte nach rechts rückwärts.) | (Er tritt mit Faninal auf Octavian zu, unter Reverenz, die Octavian erwidert. Das Lerchenau’sche Gefolge kommt endlich zum Stillstand, nachdem es Sophie fast umgestossen[,] und retiriert sich um ein paar Schritte nach rechts rückwärts.[)] |
| Sophie | Sophie: |
| (mit Marianne rechtsstehend, halblaut). | (mit Marianne rechtsstehend halblaut) |
| Was sind das für Manieren? Ist er leicht ein Roßtauscher | Was sind das für Manieren? Ist er leicht ein Rosstauscher |
| und kommt ihm vor, er hätt’ mich eingekauft? | und kommt ihm vor, er hätt’ mich eingekauft? |
| Marianne | Marianne: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Ein Kavalier hat halt ein ungezwungenes, | Ein Cavalier hat halt ein ungezwungenes, |
| leutseliges Betragen. | leutseliges Betragen. |
| Sag’ dir vor, wer er ist | Sag’ dir vor, wer er ist |
| und zu was er dich macht, | und zu was er dich macht, |
| so werden dir die Faxen gleich vergehn. | so werden dir die Faxen gleich vergeh’n. |
| Baron | Baron: |
| (während des Aufführens zu Faninal). | (während des Aufführens zu Faninal) |
| Ist gar zum Staunen, wie der junge Herr jemand Gewissem ähnlich sieht. | Ist gar zum Staunen, wie der junge Herr jemand gewissem ähnlich sieht, |
| Hat ein Bastardl, recht ein saubres, zur Schwester. | Hat ein Bastardl, recht ein saub’res, zur Schwester. |
| Ist kein Geheimnis unter Personen von Stand. | Ist kein Geheimnis unter Personen von Stand. |
| Hab’s aus der Fürstin eignem Mund, | Hab’s aus der Fürstin eig’nem Mund! |
| und weil der Faninal sozusagen jetzo | und da der Faninal gehört ja sozusagen jetzo |
| zu der Verwandtschaft gehört! | zu der Verwandtschaft! |
| Mach’ dir kein Depit, darum [sic] Rofrano, | Mach’ dir doch kein Depit. [?] Rofrano, |
| daß dein Vater ein Streichmacher war, | dass dein Vater ein Streichmacher war? |
| befindet sich dabei in guter Kompagnie, der selige Marchese. | befindet sich dabei in guter Compagnie, der selige Marchese. |
| Ich selber exkludier’ mich nicht. | Ich selber exkludier’ mich nicht. |
| (Zu Faninal.) | (zu Faninal) |
| Seh’, Liebden, schau’ dir dort den Langen an, | Seh’ Liebden, schau dir dort den Langen an, |
| den Blonden, hinten dort. | den blonden, hinten dort. |
| Ich will ihn nicht mit Fingern weisen, | Ich will ihn nicht mit Fingern weisen, |
| aber er sticht wohl hervor | aber er sticht wohl hervor |
| durch eine adelige Kontenance. | durch eine adelige Contenance. |
| Ist auch er ein ganz besondrer Kerl. | Ist auch er ein ganz besond’rer Kerl. |
| Sag’s nicht, weil ich der Vater bin, | Sag’s nicht, weil ich der Vater bin, |
| hat’s aber faustdick hinter den Ohren. | hat’s aber faustdick hinter den Ohren. |
| Sophie | Sophie: |
| (während dessen). | (während dessen) |
| Jetzt läßt er mich so stehn, der grobe Ding! | Jetzt lässt er mich so steh’n, der grobe Ding! |
| Und das ist mein Zukünftiger. | Und das ist mein Zukünftiger. |
| Und blattersteppig ist er auch, o mein Gott! | Und blattersteppig ist er auch, o mein Gott! |
| Marianne. | Marianne: |
| Na, wenn er dir von vorn nicht g’fallt, du Jungfer Hochmut, | Na, wenn er dir von vorn nicht g’fallt, du Jungfer Hochmut, |
| so schau’ ihn dir von rückwärts an, | so schau ihn dir von rückwärts an, |
| da wirst was sehn, was dir schon g’fallen wird. | da wirst was seh’n, was dir schon g’fallen wird. |
| Sophie. | Sophie: |
| Möcht’ wissen, was ich da schon sehen werd’. | Möcht wissen, was ich da schon sehen werd’. |
| Marianne | Marianne: |
| (ihr nachspottend). | (ihr nachspottend) |
| Möcht’ wissen, was sie da schon sehen wird. | Möcht’ wissen, was sie da schon sehen wird. |
| Daß es ein kaiserlicher Kämmerer ist | Dass es ein kaiserlicher Kämmerer ist, |
| den dir dein Schutzpatron | den dir dein Schutzpatron |
| als Herrn Gemahl spendiert hat. | als Herrn Gemahl spendiert hat. |
| Das kannst sehn mit einem Blick. | Das kannst seh’n mit einem Blick. |
| (Der Haushofmeister tritt verbindlich auf die Lerchenauschen Leute zu und führt sie ab. Desgleichen tritt die Faninalsche Livree ab bis auf zwei, welche Wein und Süßigkeiten servieren.) | (Der Haushofmeister tritt verbindlich auf die Lerchenau’schen Leute zu und führt sie ab. Desgleichen tritt die Faninal’sche Livree ab, bis auf zwei, welche Wein und Süssigkeiten servieren.) |
| Faninal | Faninal: |
| (zum Baron). | (zum Baron) |
| Belieben jetzt vielleicht? – ist ein alter Tokaier. | Belieben jetzt vielleicht? – ist ein alter Tokaier. |
| (Octavian und Baron bedienen sich.) | (Octavian und Baron bedienen sich) |
| Baron. | [Baron:] |
| Brav, Faninal, er weiß, was sich gehört. | Brav, Faninal, er weiss was sich gehört. |
| Serviert einen alten Tokaier zu einem jungen Mädel. | Serviert einen alten Tokaier zu einem jungen Mädel. |
| Ich bin mit Ihm zufrieden. | Ich bin mit ihm zufrieden. |
| Baron: [sic] | |
| (Zu Octavian.) | (Zu Oktavian) |
| Mußt denen Bagatelladeligen immer zeigen, | Musst denen Bagatelladeligen immer zeigen, |
| daß nicht für unsersgleichen sich ansehen dürfen, | dass nicht für unsersgleichen sich ansehen dürfen, |
| muß immer was von Herablassung dabei sein. | muss immer was von Herablassung dabei sein. |
| Octavian | Octavian: |
| (spitzig). | (spitzig) |
| Ich muß deine Liebden sehr bewundern. | Ich muss Deine Liebden sehr bewundern. |
| Hast wahrhaft große Weltmanieren. | Hast wahrhaft grosse Weltmanieren. |
| Könntst einen Ambassadeur vorstellen heut wie morgen. | Könnt’st einen Embassadeur vorstellen heut’ wie morgen. |
| Baron | Baron: |
| (derb). | (derb) |
| Ich hol’ mir jetzt das Mädl her. | Ich hol’ mir jetzt das Mädl her. |
| Soll uns jetzt Konversation vormachen, | Soll uns jetzt Konversation vormachen, |
| damit ich seh’, wie sie beschlagen ist. | damit ich seh’, wie sie beschlagen ist. |
| (Geht hinüber, nimmt Sophie bei der Hand, führt sie mit sich.) | (Geht hinüber, nimmt Sophie bei der Hand, führt sie mit sich). |
| Baron. | Baron: |
| Eh bien! Nun plauder’ Sie uns eins, mir und dem Vetter Taverl. | Eh bien! nun plauder Sie uns eins, mir und dem Vetter Taverl. |
| Sag’ Sie heraus, auf was Sie sich halt in der Eh’ am meisten freut. | Sag’ Sie heraus, auf was Sie sich halt in der Eh’ am meisten freut. |
| (Setzt sich, will sie halb auf seinen Schoß ziehen.) | (Setzt sich, will sie halb auf seinen Schoss ziehen). |
| Sophie | Sophie: |
| (entzieht sich ihm). | (entzieht sich ihm) |
| Wo denkt Er hin? | Wo denkt Er hin? |
| Baron | Baron: |
| (behaglich). | (behaglich) |
| Pah! Wo ich hindenk’! Komm’ Sie da ganz nah zu mir, | Pah! Wo ich hindenk’! Komm Sie da ganz nah zu mir, |
| dann will ich Ihr erzählen, wo ich hindenk’. | dann will ich Ihr erzählen, wo ich hindenk’. |
| (Gleiches Spiel, Sophie entzieht sich ihm heftiger.) | (Gleiches Spiel, Sophie entzieht sich ihm heftiger) |
| Baron | Baron: |
| (behaglich). | (behaglich) |
| Wär’ Ihr leicht präferabel, daß man wegen Ihrer | Wär Ihr leicht präferabel, dass man gegen Ihrer |
| den Zeremonienmeister sollt’ hervortun? | den Ceremonienmeister sollt hervortun? |
| Mit »mille pardons« und »devotion« | Mit »mille pardons« und »devotion«. [sic] |
| und »Geh da weg« und »hab’ Respekt«? | und »Geh da weg« und »hab Respeck«? |
| Sophie. | Sophie: |
| Wahrhaftig und ja gefiele mir das besser! | Wahrhaftig und ja gefiele mir das besser! |
| Baron | Baron: |
| (lachend). | (lachend) |
| Mir auch nicht! Das sieht Sie! Mir auch ganz und gar nicht! | Mir auch nicht! Das sieht Sie! Mir auch ganz und gar nicht! |
| Bin einer biedern offenherzigen Galanterie recht zugetan. | Bin einer biedern offenherzigen Galanterie recht zugetan. |
| (Er macht Anstalt, sie zu küssen, sie wehrt sich energisch.) | (Er macht Anstalt, sie zu küssen, sie wehrt sich energisch) |
| Faninal | Faninal: |
| (nachdem er Octavian den zweiten Stuhl angeboten hat, den dieser ablehnt). | (nachdem er Octavian den zweiten Stuhl angeboten hat, den dieser ablehnt). |
| Wie ist mir denn! Da sitzt ein Lerchenau | Wie ist mir denn! Da sitzt ein Lerchenau |
| und karessiert in Ehrbarkeit mein Sopherl, als wär’ sie ihm schon angetraut. | und karessiert in Ehrbarkeit mein Sopherl, als wär sie ihm schon angetraut. |
| Und da steht ein Rofrano, grad’ als müßt’s so sein – | Und da steht ein Rofrano, grad als müsst’s so sein – |
| Ein Graf Rofrano, sonsten nix – | Ein Graf Rofrano, sonsten nix – |
| der Bruder vom Marchese Obersttruchseß. | der Bruder vom Marchese Obersttruchsess. |
| Octavian | Octavian: |
| (zornig für sich). | (zornig für sich) |
| Das ist ein Kerl, dem möcht’ ich wo begegnen | Das ist ein Kerl, dem möcht ich wo begegnen |
| mit meinem Degen da, | mit meinem Degen da, |
| wo ihn kein Wächter schreien hört. | wo ihn kein Wachter schreien hört. |
| Ja, das ist alles, was ich möcht’. | Ja, das ist alles, was ich möcht’. |
| Sophie | Sophie: |
| (zum Baron). | (zum Baron) |
| Ei, laß Er doch, wir sind nicht so vertraut! | Ei lass Er doch, wir sind nicht so vertraut! |
| Baron | Baron: |
| (zu Sophie). | (zu Sophie) |
| Geniert Sie sich leicht vor dem Vetter Taverl? | Geniert Sie sich leicht vor dem Vetter Taverl? |
| Da hat Sie unrecht. | Da hat Sie Unrecht. |
| In der großen Welt, | In der grossen Welt |
| wo doch die hohe Schul’ is für Manieren, | wo doch die hohe Schul’ is für Manieren |
| da gibt’s frei nichts, | da gibt’s frei nichts, |
| was man nicht willig pardonnieren tät’, | was man nicht willig pardonnieren tät, |
| wenn’s nur mit einer adligen Noblesse | wenn’s nur mit einer adligen Noblesse |
| und richtigen Galanterie vollführet wird. | und richtigen Galanterie vollführet wird. |
| (Er wird immer zärtlicher, sie weiß sich kaum zu helfen.) | (Er wird immer zärtlicher, sie weiss sich kaum zu helfen) |
| Faninal | Faninal: |
| (für sich). | (für sich) |
| Wär’ nur die Mauer da von Glas, | Wär’ nur die Mauer da von Glas, |
| daß alle bürgerlichen Neidhammeln von Wien uns könnten | dass alle bürgerlichen Neidhammeln von Wien […] |
| so en famille beisammen so sitzen sehn! | so en famille beisammen so sitzen seh’n! |
| Dafür wollt’ ich mein Lerchenfelder Eckhaus geben, meiner Seel’! | Dafür wollt’ ich mein Lerchenfelder Eckhaus geben, meiner Seel’! |
| Octavian | Octavian: |
| (wütend). | (wütend) |
| Daß ich das Mannsbild sehen muß, | Dass ich das Mannsbild sehen muss, |
| so frech, so unverschämt mit ihr. | so frech, so unverschämt mit ihr. |
| Ich büß’ all meine Sünden ab! | Ich büss’ all’ meine Sünden ab! |
| Könnt’ ich hinaus und fort von hier! | Könnt’ ich hinaus und fort von hier! |
| Baron | Baron: |
| (zu Sophie). | (zu Sophie) |
| Laß Sie die Flausen nur! Gehört doch jetzo mir! | Lass Sie die Flausen nur! Gehört doch jetzo mir! |
| (Halb für sich, sie kajolierend.) | |
| Ganz meine Massen! Schultern wie ein Henderl! | |
| Geht all’s recht! Sei Sie gut! Geht alles so wie am Schnürl! | Geht all’s recht! Sei Sie gut! Geht all’s so wie am Schnürl! |
| (Halb für sich, sie cajolierend) | |
| Ganz meine Massen! Schultern wie ein Henderl! | |
| Hundsmager noch – das macht nichts, aber weiß | Hundsmager noch – das macht nichts, aber weiss |
| mit einem Glanz darauf, wie ich ihn ästimier’! | mit einem Glanz darauf wie ich ihn aestimier! |
| Ich hab’ halt ja ein lerchenauisch Glück! | Ich hab’ halt ja ein lerchenauisch Glück! |
| Sophie | Sophie: |
| (reißt sich los und stampft auf). | (reisst sich los und stampft auf) |
| Baron | Baron: |
| (vergnügt). | (vergnügt) |
| Ist Sie ein rechter Kapricenschädel! | Ist Sie ein rechter Capricenschädel! |
| (Auf und ihr nach.) | (auf und ihr nach). |
| Steigt Ihr das Blut gar in die Wangen, | Steigt Ihr das Blut gar in die Wangen, |
| daß man sich die Hand verbrennt? | dass man sich die Hand verbrennt? |
| Sophie | Sophie: |
| (rot und blaß vor Zorn). | (rot und blass vor Zorn) |
| Laß Er die Hand davon! | Lass’ Er die Hand davon! |
| Octavian | Octavian: |
| (in stummer Wut, zerdrückt das Glas, das er in der Hand hält, und schmeißt die Scherben zu Boden). | (in stummer Wut, zerdrückt das Glas, das er in der Hand hält[,] und schmeisst die Scherben zu Boden) |
| Duenna | Duenna: |
| (läuft mit Grazie zu Octavian hinüber, hebt die Scherben auf und raunt ihm mit Entzücken zu). | (läuft mit Grazie zu Octavian hinüber[,] hebt die Scherben auf und raunt ihm mit Entzücken zu) |
| Ist recht ein familiärer Mann, der Herr Baron! | Ist recht ein familiärer Mann, der Herr Baron! |
| Man delektiert sich, was er all’s für Einfäll’ hat! | Man delektiert sich, was er all’s für Einfäll’ hat! |
| Baron | Baron: |
| (dicht bei Sophie). | (dicht bei Sophie) |
| Geht mir nichts drüber! | Geht mir nichts drüber! |
| Könnt’ mich mit Schmachterei und Zärtlichkeit | Könnt’ mich mit Schmachterei und Zärtlichkeit |
| nicht halb so glücklich machen, meiner Seel’! | nicht halb so glücklich machen, meiner Seel’! |
| Sophie | Sophie: |
| (scharf, ihm ins Gesicht). | (scharf, ihm ins Gesicht) |
| Ich denk’ nicht dran, daß ich Ihn glücklich mach’! | Ich denk’ nicht dran, dass ich ihn glücklich mach’! |
| Baron | Baron: |
| (gemütlich). | (gemütlich) |
| Sie wird es tun, ob Sie daran wird denken oder nicht. | Sie wird es tun, ob Sie daran wird denken oder nicht. |
| Octavian | Octavian: |
| (für sich, blaß vor Zorn). | (vor sich blass vor Zorn) |
| Hinaus! Hinaus! und kein Adieu! | Hinaus! Hinaus! und kein Adieu! |
| Sonst steh’ ich nicht dafür, | Sonst steh’ ich nicht dafür, |
| daß ich nicht was Verwirrtes tu’! | dass ich nicht was Verwirrtes tu! |
| Hinaus aus diesen Stuben! Nur hinaus! | Hinaus aus diesen Stuben! Nur hinaus! |
| (Indessen ist der Notar mit dem Schreiber eingetreten, eingeführt durch Faninals Haushofmeister. Dieser meldet ihn dem Herrn von Faninal leise; Faninal geht zum Notar nach rückwärts hin, spricht mit ihm und sieht einen vom Schreiber vorgehaltenen Aktenfaszikel durch.) | (Indessen ist der Notar mit dem Schreiber eingetreten, eingeführt durch Faninals Haushofmeister. Dieser meldet ihn dem Herrn von Faninal leise; Faninal geht zum Notar nach rückwärts hin, spricht mit ihm und sieht einen vom Schreiber vorgehaltenen Aktenfascikel durch.) |
| Sophie | Sophie: |
| (zwischen den Zähnen). | (zwischen den Zähnen) |
| Hat nie kein Mann dergleichen Reden nicht zu mir geführt! | Hat nie kein Mann dergleichen Reden nicht zu mir geführt! |
| Möcht’ wissen, was ihm dünkt von mir und Ihm? | Möcht’ wissen was ihn dünkt von mir und ihm? |
| Was ist Er denn zu mir? | Was ist Er denn zu mir? |
| Baron | Baron: |
| (gemütlich). | (gemütlich) |
| Wird kommen über Nacht, | Wird kommen über Nacht, |
| daß Sie ganz sanft | dass Sie ganz sanft, [sic] |
| wird wissen, was ich bin zu Ihr. | wird wissen, was ich bin zu Ihr. |
| Ganz wie’s im Liedel heißt – kennt Sie das Liedel? | Ganz wie’s im Liedel heisst – kennt Sie das Liedel? |
| Lalalalala – | Lalalalala – |
| (Recht gefühlvoll.) | (recht gefühlvoll) |
| Wie ich dein alles werde sein! | wie ich dein Alles werde sein! |
| Mit mir, mit mir keine Kammer dir zu klein, | Mit mir, mit mir keine Kammer dir zu klein, |
| ohne mich, ohne mich jeder Tag dir so bang, | ohne mich, ohne mich jeder Tag dir so bang, |
| (frech und plump) | (frech und plump) |
| mit mir, mit mir keine Nacht dir zu lang? | mit mir, mit mir keine Nacht dir zu lang! |
| Sophie | Sophie: |
| (da er sie fester an sich drückt, reißt sich los und stößt ihn heftig zurück). | (da er sie fester an sich drückt, reisst sich los und stösst ihn heftig zurück) |
| Duenna | Duenna: |
| (zu ihr eilend). | (zu ihr eilend) |
| Ist recht ein familiärer Mann, der Herr Baron! | Ist recht ein familiärer Mann, der Herr Baron! |
| Man delektiert sich, was er all’s für Einfäll’ hat! | Man delektiert sich, was er all’s für Einfäll’ hat! |
| (Krampfhaft in Sophie hineinredend.) | (Krampfhaft in Sophie hineinredend) |
| Nein, was er all’s für Einfäll’ hat, der Herr Baron! | Nein was er all’s für Einfäll hat, der Herr Baron! |
| Octavian | Octavian: |
| (ohne hinzusehen, und doch sieht er alles, was vorgeht). | (ohne hinzusehen und doch sieht er alles was vorgeht) |
| Ich steh’ auf glüh’nden Kohlen! | Ich steh’ auf glüh’nden Kohlen! |
| Ich fahr’ aus meiner Haut! | Ich fahr’ aus meiner Haut! |
| Ich büß’ in dieser einen Stund’ | Ich büss’ in dieser einen Stund’ |
| all meine Sünden ab! | all’ meine Sünden ab! |
| Baron | Baron: |
| (für sich, sehr vergnügt). | (für sich, sehr vergnügt) |
| Wahrhaftig und ja, ich hab’ halt ein lerchenauisch Glück! | Wahrhaftig und ja, ich hab’ halt ein lerchenauisch Glück! |
| Gibt gar nichts auf der Welt, was mich so enflammiert | Gibt gar nichts auf der Welt, was mich so enflammiert |
| und also vehement verjüngt als wie ein rechter Trotz! | und also vehement verjüngt als wie ein rechter Trotz! |
| (Faninal und der Notar, hinter ihnen der Schreiber, sind an der linken Seite nach vorne gekommen.) | (Faninal und der Notar, hinter ihnen der Schreiber, sind an der linken Seite nach vorne gekommen). |
| Baron | Baron: |
| (sowie er den Notar erblickt, eifrig zu Sophie, ohne zu ahnen, was in ihr vorgeht). | (so wie [sic] er den Notar erblickt, eifrig zu Sophie, ohne zu ahnen, was in ihr vorgeht) |
| Dort gibt’s Geschäften [sic] jetzt, muß mich dispensieren: | Dort gibt’s Geschäften [sic] jetzt, muss mich dispensieren: |
| bin dort von Wichtigkeit. Indessen | bin dort von Wichtigkeit. Indessen |
| der Vetter Taverl leistet Ihr Gesellschaft! | der Vetter Taverl leistet Ihr Gesellschaft! |
| Faninal. | Faninal: |
| Wenn’s jetzt belieben tät’, Herr Schwiegersohn! | Wenn’s jetzt belieben tät, Herr Schwiegersohn! |
| Baron | Baron: |
| (eifrig). | (eifrig) |
| Natürlich wird’s belieben. | Natürlich wird’s belieben. |
| (Im Vorbeigehen zum [sic] Octavian, den er vertraulich anfaßt.) | (Im vorbeigehen zum [sic] Octavian, den er vertraulich anfasst) |
| Hab’ nichts dawider, | Hab’ nichts dawider, |
| wenn du ihr möchtest Augerln machen, Vetter, | wenn du ihr möchtest Augerl machen, Vetter, |
| jetzt oder künftighin. | jetzt oder künftighin. |
| Ist noch ein rechter Rühr-nicht-an. | Ist noch ein rechter Rühr-nicht-an. |
| Betracht’s als förderlich, je mehr sie degourdiert wird. | Betracht’s als förderlich, je mehr sie degourdiert wird. |
| Ist wie bei einem jungen ungerittenen Pferd. | Ist wie bei einem jungen ungerittenen Pferd. |
| Kommt all’s dem Angetrauten letzterdings zugut’, | Kommt all’s dem Angetrauten letzterdings zu Gut’, |
| wofern er sein eh’lich Privilegium | wofern er sein eh’lich Privilegium |
| zunutz zu machen weiß. | zu Nutz zu machen weiss. |
| (Er geht nach links. Der Diener, der den Notar einließ, hat indessen die Türe links geöffnet. Faninal und der Notar schicken sich an, hineinzugehen. Der Baron mißt Faninal mit dem Blick und bedeutet ihm, drei Schritte Distanz zu nehmen. Faninal tritt devot zurück. Der Baron nimmt den Vortritt, vergewissert sich, daß Faninal drei Schritte Abstand hat und geht gravitätisch durch die Tür links ab. Faninal hinter ihm, dann der Notar, dann der Schreiber. Der Bediente schließt die Türe links und geht ab, läßt aber die Flügeltüre nach dem Vorsaal offen. Der servierende Diener ist schon früher abgegangen.) | (Er geht nach links. Der Diener, der den Notar einliess, hat indessen die Türe links geöffnet. Faninal und der Notar schicken sich an, hineinzugehen. Der Baron misst Faninal mit dem Blick und bedeutet ihm, drei Schritte Distanz zu nehmen. Faninal tritt devot zurück. Der Baron nimmt den Vortritt, vergewissert sich, dass Faninal drei Schritte Abstand hat und geht gravitätisch durch die Tür links ab. Faninal hinter ihm, dann der Notar, dann der Schreiber. Der Bediente schliesst die Türe links und geht ab, lässt aber die Flügeltüre nach dem Vorsaal offen. Der servierende Diener ist schon früher abgegangen). |
| Sophie | Sophie: |
| (rechts, steht verwirrt und beschämt). | (rechts, steht verwirrt und beschämt) |
| Duenna | Duenna: |
| (neben ihr knickst nach der Türe hin, bis sie sich schließt). | (neben ihr knixt nach der Türe hin, bis sie sich schliesst). |
| Octavian | Octavian: |
| (mit einem Blick hinter sich, gewiß zu sein, daß die anderen abgegangen sind, tritt schnell zu Sophie hinüber, bebend vor Aufregung). | (mit einem Blick hinter sich, gewiss zu sein, dass die anderen abgegangen sind, tritt schnell zu Sophie hinüber, bebend vor Aufregung.) |
| Wird Sie das Mannsbild da heiraten, ma cousine? | Wird Sie das Mannsbild da heiraten, ma cousine? |
| Sophie | Sophie: |
| (einen Schritt auf ihn zu, leise). | (einen Schritt auf ihn zu leise) |
| Nicht um die Welt! | Nicht um die Welt! |
| (Mit einem Blick auf die Duenna.) | (mit einem Blick auf die Duenna) |
| Mein Gott, wär’ ich allein mit Ihm, | Mein Gott, wär’ ich allein mit ihm, |
| daß ich Ihn bitten könnt’! daß ich Ihn bitten könnt’! | dass ich ihn bitten könnt! dass ich ihn bitten könnt! |
| Octavian | Octavian: |
| (halblaut, schnell). | (halblaut, schnell) |
| Was ist’s, das Sie mich bitten möcht’? Sag’ Sie mir’s schnell! | Was ist’s, das Sie mich bitten möcht? Sag’ Sie mir’s schnell! |
| Sophie | Sophie: |
| (noch einen Schritt näher zu ihm). | (noch einen Schritt näher zu ihm) |
| O mein Gott, daß Er mir halt hilft! Und Er wird mir nicht helfen wollen, | O mein Gott, dass Er mir halt hilft! Und Er wird mir nicht helfen wollen |
| weil Er halt sein Vetter ist! | Weil Er halt sein Vetter ist! |
| Octavian | Octavian: |
| (heftig). | (heftig) |
| Nenn’ ihn Vetter aus Höflichkeit; | Nenn’ ihn Vetter aus Höflichkeit; |
| Gott sei Lob und Dank, | Gott sei Lob und Dank, |
| hab’ ihn im Leben vor dem gestrigen Tag nie gesehn! | hab ihn im Leben vor dem gestrigen Tag nie geseh’n! |
| (Quer durch den Vorsaal flüchten einige von den Mägden des Hauses, denen die Lerchenauschen Bedienten auf den Fersen sind. Der Leiblakai und der mit dem Pflaster auf der Nase jagen einem hübschen jungen Mädchen nach und bringen sie fast an der Schwelle zum Salon bedenklich in die Enge.) | (Quer durch den Vorsaal flüchten einige von den Mägden des Hauses, denen die Lerchenau’schen Bedienten auf den Fersen sind. Der Leiblakai und der mit dem Pflaster auf der Nase jagen einem hübschen jungen Mädchen nach und bringen sie fast an der Schwelle zum Salon bedenklich in die Enge). |
| Der Faninalsche Haushofmeister | Der Faninalsche Haushofmeister: |
| (kommt verstört hereingelaufen, die Duenna zu Hilfe zu holen). | (kommt verstört hereingelaufen, die Duenna zu Hilfe zu holen). |
| Die Lerchenauischen sind voller Branntwein gesoffen | Die Lerchenauischen sind voller Branntwein gesoffen |
| und gehn aufs Gesindel [sic] los zwanzigmal ärger | und geh’n aufs Gesindel [sic] los, zwanzigmal ärger |
| als Türken und Krowaten! | als Türken und Crowaten! |
| Marianne. | Marianne: |
| Hol’ Er unsere Leut’, wo sind denn die? | Hol’ Er unsere Leut’, wo sind denn die? |
| (Läuft ab mit dem Haushofmeister, sie entreißen den beiden Zudringlichen ihre Beute und führen das Mädchen ab; alles verliert sich, der Vorsaal bleibt leer.) | (Läuft ab mit dem Haushofmeister, sie entreissen den beiden Zudringlichen ihre Beute und führen das Mädchen ab; alles verliert sich, der Vorsaal bleibt leer). |
| Sophie | Sophie: |
| (nun, da sie unbeobachtet ist, mit freier Stimme). | (nun da sie unbeobachtet ist, mit freier Stimme) |
| Zu Ihm hätt’ ich ein Zutrau’n, mon cousin, | Zu Ihm hätt’ ich ein Zutrau’n, mon cousin, |
| so wie zu niemand auf der Welt, | so wie zu niemand auf der Welt, |
| daß Er mir könnte helfen, | dass Er mir könnte helfen |
| wenn Er nur den guten Willen hätt’! | wenn Er nur den guten Willen hätt’! |
| Octavian. | Octavian: |
| Erst muß Sie sich selber helfen, | Erst muss Sie sich selber helfen, |
| dann hilf ich Ihr auch. | dann hilf ich Ihr auch. |
| Tu’ Sie das Erste für mich, | Tu’ Sie das erst für mich, |
| dann tu’ ich was für Sie! | Dann tu’ ich was für Sie! |
| Sophie | Sophie: |
| (zutraulich, fast zärtlich). | (zutraulich, fast zärtlich) |
| Was ist denn das, was ich zuerst tun muß? | Was ist denn das, was ich zuerst tun muss? |
| Octavian | Octavian: |
| (leise). | (leise) |
| Das wird Sie wohl wissen! | Das wird Sie wohl wissen! |
| Sophie | Sophie: |
| (den Blick unverwandt auf ihn). | (den Blick unverwandt auf ihn) |
| Und was ist das, was Er für mich will tun? | Und was ist das, was Er für mich will tun, |
| O sag’ Er mir’s! | O sag’ Er mir’s! |
| Octavian | Octavian: |
| (entschlossen). | (entschlossen) |
| Nun muß Sie ganz alleinig für uns zwei einstehn! | Nun muss Sie ganz allein für uns zwei einsteh’n! |
| Sophie. | Sophie: |
| Wie? Für uns zwei? | Wie? für uns zwei? |
| O sag Er’s noch einmal. | O sag Er’s noch einmal. |
| Octavian | Octavian: |
| (leise). | (leise) |
| Für uns zwei! | Für uns zwei! |
| Sophie | Sophie: |
| (mit hingegebenem Entzücken). | (mit hingegebenem Entzücken) |
| Ich hab’ im Leben so was Schönes nicht gehört! | Ich hab’ im Leben so was Schönes nicht gehört! |
| Octavian | Octavian: |
| (stärker). | (stärker) |
| Für sich und mich muß Sie sich wehren | Für sich und mich muss Sie sich wehren |
| und bleiben – was Sie ist. | und bleiben – was Sie ist. |
| Sophie | Sophie: |
| (nimmt seine Hand, er küßt sie schnell auf den Mund). | (nimmt seine Hand, er küsst sie schnell auf den Mund). |
| Octavian | Octavian: |
| (indem er sie, die sich an ihn schmiegt, in den Armen hält, zärtlich). | (indem er sie, die sich an ihn schmiegt, in den Armen hält, zärtlich). |
| Mit Ihren Augen voller Tränen | Mit Ihren Augen voller Tränen |
| kommt Sie zu mir, damit Sie sich beklagt. | Kommt Sie zu mir, damit sie sich beklagt, |
| Vor Angst muß Sie an mich sich lehnen, | vor Angst muss Sie an mich sich lehnen, |
| Ihr armes Herz ist ganz verzagt. | Ihr armes Herz ist ganz verzagt. |
| Und ich muß jetzt als Ihren Freund mich zeigen | Und ich muss jetzt als Ihren Freund mich zeigen |
| und weiß noch gar nicht, wie! | und weiss noch gar nicht, wie! |
| Mir ist so selig, so eigen, | Mir ist so selig, so eigen, |
| daß ich dich halten darf: | dass ich dich halten darf: |
| Gib Antwort, aber gib sie nur mit Schweigen: | Gieb Antwort, aber gieb sie mit Schweigen: |
| Bist du von selber so zu mir gekommen? | Bist du von selber so zu mir gekommen? |
| Ja oder nein? Ja oder nein? | Ja oder nein? Ja oder nein? |
| Du mußt es nicht mit Worten sagen – | Du musst es nicht mit Worten sagen – |
| Hast du es gern getan? | Hast du es gern getan? |
| Sag’, oder nur aus Not? | Sag’, oder nur aus Not? |
| Aus Not so alles zu mir hergetragen, | Nur aus Not so alles zu mir hergetragen, |
| dein Herz, dein liebliches Gesicht? | dein Herz, dein liebliches Gesicht? |
| Sag’, ist dir nicht, daß irgendwo | Sag’, ist dir nicht, dass irgendwo |
| in irgendeinem schönen Traum | in irgend einem schönen Traum |
| das einmal schon so war? | das einmal schon so war? |
| Spürst du’s wie ich? | Spürst du’s wie ich? |
| Sag’; spürst du’s so wie ich? | Sag; spürst du’s so wie ich? |
| Sophie. | Sophie: |
| Ich möchte mich bei Ihm verstecken | Ich möchte mich bei Ihm verstecken |
| und nichts mehr wissen von der Welt. | und nichts mehr wissen von der Welt. |
| Wenn Er mich so in Seinen Armen hält, | Wenn Er mich so in Seinen Armen hält, |
| kann mich nichts Häßliches erschrecken. | kann mich nichts Hässliches erschrecken. |
| Da bleiben möcht’ ich, da! | Da bleiben möcht’ ich, da! |
| Und schweigen, und was mir auch gescheh’, | Und schweigen, und was mir auch gescheh’, |
| geborgen wie der Vogel in den Zweigen, | geborgen wie der Vogel in den Zweigen, |
| stillstehn und spüren: Er ist in der Näh’! | stillsteh’n und spüren: |
| Er, Er ist in der Näh! | |
| Mir müßte angst und bang im Herzen sein, | Mir müsste angst und bang im Herzen sein, |
| statt dessen fühl’ ich Freud’ und Seligkeit | statt dessen fühl’ ich nur Freud und Seligkeit |
| und keine Pein, | und keine Pein, |
| ich könnt’ es nicht mit Worten sagen! | ich könnt’ es nicht mit Worten sagen! |
| Hab’ ich was Unrechtes getan? | Hab’ ich was Unrechtes getan? |
| Ich war halt in der Not! | Ich war halt in der Not! |
| Da war Er mir nah! | Da war Er mir nah! |
| Da war es Sein Gesicht, | Da war es Sein Gesicht, |
| Sein’ Augen jung und licht, | sein Auge jung und licht, |
| auf das ich mich gericht, | auf das ich mich gericht |
| Sein liebes Gesicht – | sein liebes Gesicht – |
| Und seitdem weiss ich halt nichts – | |
| Nichts mehr von mir. | |
| Bleib’ Er nur bei mir | |
| Er muß mir Seinen Schutz vergönnen, | Er muss mir Seinen Schutz vergönnen, |
| was Er will, werd’ ich können; | was Er will, werd’ ich können: |
| Bleib’ Er nur bei mir. | |
| Er muß mir Seinen Schutz vergönnen – | Er muss mir Seinen Schutz vergönnen – |
| Bleib’ Er nur bei mir! | Bleib Er nur bei mir! |
| (Aus den Kaminen in den rückwärtigen Ecken sind links Valzacchi, rechts Annina lautlos spähend herausgeglitten. Lautlos schleichen sie, langsam, auf den Zehen, näher. Octavian zieht Sophie an sich, küßt sie auf den Mund; in diesem Augenblick sind die Italiener dicht hinter ihnen, ducken sich hinter den Lehnsesseln; jetzt springen sie vor, Annina packt Sophie, Valzacchi faßt Octavian.) | (Aus den Kaminen in den rückwärtigen Ecken sind links Valzacchi, rechts Annina lautlos spähend herausgeglitten. Lautlos schleichen sie, langsam, auf den Zehen, näher.) |
| (Octavian zieht Sophie an sich, küsst sie auf den Mund, in diesem Augenblick sind die Italiener dicht hinter ihnen, ducken sich hinter den Lehnsesseln; jetzt springen sie vor, Annina packt Sophie, Valzacchi fasst Octavian). | |
| Valzacchi und Annina | Valzacchi und Annina: |
| (zu zweien schreiend). | (zu zweien schreiend) |
| Herr Baron von Lerchenau! – Herr Baron von Lerchenau! – | Herr Baron von Lerchenau! – Herr Baron von Lerchenau! – |
| Octavian | Octavian: |
| (springt zur Seite nach links). | (springt zur Seite nach links) |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (der Mühe hat, ihn zu halten, atemlos zu Annina). | (der Mühe hat ihn zu halten atemlos zu Annina) |
| Lauf und ’ole Seine Gnade! | Lauf und ’ole Seine Gnade! |
| Snell, nur snell, ik muß ’alten diese ’err! | Snell, nur snell. Ik muss ’alten diese ’err! |
| Annina. | Annina: |
| Laß ich die Fräulein aus, läuft sie mir weg! | Lass ich die Fräulein aus, läuft sie mir weg! |
| Zu zweien. | Zu zweien[:] |
| Herr Baron von Lerchenau, | Herr Baron von Lerchenau, |
| Herr Baron von Lerchenau! | Herr Baron von Lerchenau! |
| Komm’ zu sehn die Fräulein Braut! | Komm’ zu seh’n die Fräulein Braut! |
| Mit eine junge Kavalier! | Mit eine junge Cavalier! |
| Kommen eilig, kommen hier! Ecco! | Kommen eilig, kommen hier! Ecco! |
| (Baron tritt aus der Tür links. Die Italiener lassen ihre Opfer los, springen zur Seite, verneigen sich vor dem Baron mit vielsagender Gebärde.) | (Baron tritt aus der Tür links. Die Italiener lassen ihre Opfer los, springen zur Seite, verneigen sich vor dem Baron mit vielsagender Gebärde). |
| Sophie | Sophie: |
| (schmiegt sich ängstlich an Octavian). | (schmiegt sich ängstlich an Octavian) |
| Baron | Baron: |
| (die Arme über die Brust gekreuzt, betrachtet sich die Gruppe. Unheilsschwangere Pause, endlich). | (die Arme über die Brust gekreuzt, betrachtet sich die Gruppe. Unheilschwangere Pause, endlich). |
| Eh bien, Mamsell, was hat Sie mir zu sagen? | Eh bien, Mamsell, was hat Sie mir zu sagen? |
| Sophie | Sophie: |
| (schweigt). | (schweigt) |
| Baron | Baron: |
| (der durchaus nicht außer Fassung ist). | (der durchaus nicht ausser Fassung ist) |
| Nun, resolvier’ Sie sich! | Nun, resolvier’ Sie sich! |
| Sophie. | Sophie: |
| Mein Gott, was soll ich sagen, | Mein Gott, was soll ich sagen: |
| Er wird mich nicht verstehn! | Er wird mich nicht versteh’n! |
| Baron | Baron: |
| (gemütlich). | (gemütlich) |
| Das werden wir ja sehn! | Das werden wir ja seh’n! |
| Octavian | Octavian: |
| (einen Schritt auf den Baron zu). | (einen Schritt auf den Baron zu) |
| Eu’r Liebden muß ich halt vermelden, | Eu’r Liebden muss ich halt vermelden, |
| daß sich in Seiner Angelegenheit | dass sich in seiner Angelegenheit |
| was Wichtiges verändert hat! | was Wichtiges verändert hat! |
| Baron | Baron: |
| (gemütlich). | (gemütlich) |
| Verändert? Ei, nicht daß ich wüßt’! | Verändert? Ei, nicht dass ich wüsst’! |
| Octavian. | Octavian: |
| Darum soll Er es jetzt erfahren! | Darum soll Er es jetzt erfahren! |
| Die Fräulein – | Die Fräulein – |
| Baron. | Baron: |
| Ei, Er ist nicht faul! Er weiß zu profitieren, | Ei, er ist nicht faul! Er weiss zu profitieren, |
| mit Seine siebzehn Jahr’! Ich muß Ihm gratulieren! | mit Seine siebzehn Jahr’! Ich muss Ihm gratulieren! |
| Octavian. | Octavian: |
| Die Fräulein – | Die Fräulein – |
| Baron | Baron: |
| (halb zu sich). | (halb zu sich) |
| Ist mir ordentlich, ich seh’ mich selber! | Ist mir ordentlich, ich seh’ mich selber! |
| Muß lachen über den Filou, den pudeljungen. | Muss lachen über den Filou, den pudeljungen. |
| Octavian. | Octavian: |
| Die Fräulein – | Die Fräulein – |
| Baron. | Baron: |
| Ei! Sie ist wohl stumm und hat Ihn angestellt | Ei! Sie ist wohl stumm und hat Ihn angestellt |
| für Ihren Advokaten! | für Ihren Advokaten! |
| Octavian. | Octavian: |
| Die Fräulein – | Die Fräulein – |
| (Er hält abermals inne, wie um Sophie sprechen zu lassen.) | (er hält abermals inne, wie um Sophie sprechen zu lassen) |
| Sophie | Sophie: |
| (angstvoll). | (angstvoll) |
| Nein! Nein! Nein! Ich bring’ den Mund nicht auf. | Nein! Nein! Ich bring den Mund nicht auf. |
| Sprech’ Er für mich! | Sprech Er für mich! |
| Octavian | Octavian: |
| (entschlossen). | (entschlossen) |
| Die Fräulein – | Die Fräulein – |
| Baron | Baron: |
| (ihm nachstotternd). | (ihm nachstotternd) |
| Die Fräulein, die Fräulein! Die Fräulein! Die Fräulein! | Die Fräulein, die Fräulein! Die Fräulein! Die Fräulein! |
| Ist eine Kreuzerkomödi wahrhaftig! | ist eine Kreuzerkomödi wahrhaftig! |
| Jetzt echappier’ Er sich, sonst reißt mir die Geduld. | Jetzt echappier’ Er sich, sonst reisst mir die Geduld. |
| Octavian | Octavian: |
| (sehr bestimmt). | (sehr bestimmt) |
| Die Fräulein, kurz und gut, | Die Fräulein, kurz und gut |
| die Fräulein mag Ihn nicht. | die Fräulein mag Ihn nicht. |
| Baron | Baron: |
| (gemütlich). | (gemütlich) |
| Sei Er da außer Sorg’. Wird schon lernen mich mögen. | Sei Er da ausser Sorg’. Wird schon lernen mich mögen. |
| (Auf Sophie zu.) | (auf Sophie zu) |
| Komm’ Sie da jetzt hinein: wird gleich an Ihrer sein, die Unterschrift zu geben. | Komm Sie da jetzt hinein: wird gleich an Ihrer sein die Unterschrift zu geben. |
| Sophie | Sophie: |
| (zurücktretend). | (zurücktretend) |
| Um keinen Preis geh’ ich an seiner Hand hinein! | Um keinen Preis geh’ ich an Seiner Hand hinein! |
| Wie kann ein Kavalier so ohne Zartheit sein! | Wie kann ein Cavalier so ohne Zartheit sein! |
| Octavian | Octavian: |
| (der jetzt zwischen den beiden anderen und der Tür links). | (der jetzt zwischen den beiden anderen und der Türe links[)] |
| Versteht Er deutsch? Die Fräulein hat sich resolviert. | Versteht Er deutsch? Die Fräulein hat sich resolviert |
| Sie will Euer Gnaden ungeheirat’ lassen | Sie will Euer Gnaden ungeheirat’ lassen |
| in Zeit und Ewigkeit! | in Zeit und Ewigkeit! |
| Baron | Baron: |
| (mit der Miene eines Mannes, der es eilig hat). | (mit der Miene eines Mannes, der es eilig hat) |
| Mancari! Jungfernred’ ist nicht gehaun und nicht gestochen! | Mancari! Jungfernred’ ist nicht gehau’n und nicht gestochen! |
| Verlaub’ Sie jetzt! | Verlaub Sie jetzt! (nimmt sie bei der Hand) |
| (Nimmt sie bei der Hand.) | |
| Octavian | Octavian: |
| (sich breit vor die Tür stellend). | (sich breit vor die Tür stellend) |
| Wenn nur so viel in Ihm ist | Wenn nur so viel in Ihm ist |
| von einem Kavalier, | von einem Cavalier |
| so wird Ihm wohl genügen, | so wird Ihm wohl genügen, |
| was er g’hört hat von mir! | was Er g’hört hat von mir! |
| Baron | Baron: |
| (tut, als hörte er ihn nicht, zu Sophie). | (tut als hörte er ihn nicht, zu Sophie) |
| Gratulier’ Sie sich nur, daß ich ein Aug’ zudruck’! | Gratulier Sie sich nur, dass ich ein Aug’ zudruck! |
| Daran mag Sie erkennen, was ein Kavalier ist! | Daran mag Sie erkennen, was ein Cavalier ist! |
| (Er macht Miene, mit ihr an Octavian vorbeizukommen.) | (Er macht Miene, mit ihr an Octavian vorbeizukommen) |
| Octavian | Octavian: |
| (schlägt an seinen Degen). | (schlägt an seinen Degen) |
| Wird doch wohl ein Mittel geben, | Wird doch ein Mittel geben, |
| Seinesgleichen zu bedeuten! | seinesgleichen zu bedeuten! |
| Baron | Baron: |
| (der Sophie nicht losläßt, sie jetzt vorschiebt gegen die Tür). | (der Sophie nicht loslässt, sie jetzt vorschiebt gegen die Tür) |
| Ei schwerlich, wüßte nicht! | Ei, schwerlich, wüsste nicht! |
| Octavian | Octavian: |
| (losbrechend). | (losbrechend) |
| Ich acht’ Ihn mit nichten | Ich acht’ Ihn mit nichten |
| für einen Kavalier! | für einen Cavalier! |
| Baron | Baron: |
| (mit Grandezza). | (mit Grandezza) |
| Wahrhaftig[,] wüßt’ ich nicht, daß Er mich respektiert, | Wahrhaftig[,] wüsst’ ich nicht, dass Er mich respectiert |
| und wär’ Er nicht verwandt, es wär’ mir jetzo schwer, | und wär’ Er nicht verwandt, es wär’ mir jetzo schwer, |
| daß ich mit ihm nicht übereinander käm’! | dass ich mit Ihm nicht übereinander käm! |
| (Er macht Miene, Sophie mit scheinbarer Unbefangenheit gegen die Mitteltür zu führen, nachdem ihm die Italiener lebhafte Zeichen gegeben haben, diesen Weg zu nehmen.) | (Er macht Miene, Sophie mit scheinbarer Unbefangenheit gegen die Mitteltür zu führen, nachdem ihm die Italiener lebhafte Zeichen gegeben haben, diesen Weg zu nehmen). |
| Komm’ Sie! Gehn zum Herrn Vater dort hinüber! | Komm’ Sie! Geh’n zum Herrn Vater dort hinüber! |
| Ist bereits der nähere Weg! | Ist bereits der nähere Weg! |
| Octavian | Octavian: |
| (ihm nach, dicht an ihr). | (ihm nach, dicht an ihr) |
| Ich hoff’, er kommt vielmehr jetzt mit mir hinters Haus, | Ich hoff’, er kommt vielmehr jetzt mit mir hinters Haus, |
| ist dort recht ein bequemer Garten. | ist dort recht ein bequemer Garten. |
| Baron | Baron: |
| (setzt seinen Weg fort, mit gespielter Unbefangenheit Sophie an der Hand nach jener Richtung zu führen bestrebt, über die Schulter zurück). | (Setzt seinen Weg fort, mit gespielter Unbefangenheit Sophie an der Hand nach jener Richtung zu führen bestrebt, über die Schulter zurück). |
| Bewahre. Wär’ mir jetzo nicht genehm. | Bewahre. Wär’ mir jetzo nicht genehm. |
| Laß um all’s den Notari nicht warten. | Lass um All’s den Notari nicht warten. |
| Wär’ gar ein Affront für die Jungfer Braut! | Wär’ gar ein Affront für die Jungfer Braut! |
| Octavian | Octavian: |
| (faßt ihn am Ärmel). | (fasst ihn am Aermel) |
| Beim Satan, Er hat eine dicke Haut! | Beim Satan, Er hat eine dicke Haut! |
| Auch dort die Tür passiert Er mir nicht! | Auch dort die Tür passiert Er mir nicht! |
| Ich schrei’s Ihm jetzt in Sein Gesicht: | Ich schrei’s Ihm jetzt in Sein Gesicht: |
| ich acht’ Ihn für einen Filou, | ich acht Ihn für einen Filou, |
| einen Mitgiftjäger, | einen Mitgiftjäger, |
| einen durchtriebenen Lügner und schmutzigen Bauer, | einen durchtriebenen Lügner und schmutzigen Bauer, |
| einen Kerl ohne Anstand und Ehr’! | einen Kerl ohne Anstand und Ehr’! |
| Und wenn’s sein muß, geb’ ich ihm auf dem Fleck die Lehr’! | Und wenn’s sein muss, geb’ ich Ihm auf dem Fleck die Lehr’! |
| Sophie | Sophie: |
| (hat sich vom Baron losgerissen und ist hinter Octavian zurückgesprungen. Sie stehen links, ziemlich vor der Tür). | (hat sich vom Baron losgerissen und ist hinter Octavian zurückgesprungen. Sie stehen links, ziemlich vor der Tür) |
| Baron | Baron: |
| (steckt zwei Finger in den Mund und tut einen gellenden Pfiff. Dann). | (steckt zwei Finger in den Mund und tut einen gellenden Pfiff. Dann:) |
| Was so ein Bub’ in Wien mit siebzehn Jahr | Was so ein Bub’ in Wien mit siebzehn Jahr |
| schon für ein vorlaut Mundwerk hat! | schon für ein vorlaut Mundwerk hat! |
| (Er sieht sich nach der Mitteltür um.) | (Er sieht sich nach der Mitteltür um) |
| Doch Gott sei Lob, man kennt in hiesiger Stadt | Doch Gott sei Lob, man kennt in hiesiger Stadt |
| den Mann, der vor ihm steht, | den Mann, der vor ihm steht, |
| halt bis hinauf zu kaiserlicher Majestät! | halt bis hinauf zu kaiserlicher Majestät! |
| Man ist halt, was man ist, und braucht’s nicht zu beweisen. | Man ist halt, was man ist und braucht’s nicht zu beweisen. |
| Das laß Er sich gesagt sein und geb’ mir den Weg da frei. | Das lass Er sich gesagt sein und geb mir den Weg frei. |
| (Die Lerchenausche Livree ist vollzählig in der Mitteltür aufmarschiert: er vergewissert sich dessen durch einen Blick nach rückwärts. Er rückt jetzt gegen die beiden vor, entschlossen, sich Sophiens und des Ausgangs zu bemächtigen.) | (Die Lerchenau’sche Livree ist vollzählig in der Mitteltür aufmarschiert: er vergewissert sich dessen durch einen Blick nach rückwärts. Er rückt jetzt gegen die beiden vor, entschlossen, sich Sophiens und des Ausgangs zu bemächtigen) |
| Wär’ mir wahrhaftig leid, wenn meine Leut’ da hinten – | Wär’ mir wahrhaftig leid wenn meine Leut da hinten – |
| Octavian | Octavian: |
| (wütend). | (wütend) |
| Ah, untersteht Er sich, Seine Bedienten | Ah, untersteht Er sich, seine Bedienten |
| hineinzumischen in unsern Streit! | hineinzumischen in unsern Streit! |
| Jetzt zieh’ Er oder gnad’ ihm Gott! | Jetzt zieh’ Er oder Gnad’ [sic] ihm Gott! (Er zieht) |
| (Er zieht.) | |
| (Die Lerchenauschen, die schon einige Schritte vorgerückt waren, werden durch diesen Anblick einigermaßen unschlüssig und stellen ihren Vormarsch ein.) | (Die Lerchenau’schen, die schon einige Schritte vorgerückt waren, werden durch diesen Anblick einigermassen unschlüssig und stellen ihren Vormarsch ein) |
| Baron | Baron: |
| (tut einen Schritt, sich Sophiens zu bemächtigen). | (tut einen Schritt sich Sophiens zu bemächtigen) |
| Octavian | Octavian: |
| (schreit ihn an). | (schreit ihn an) |
| Zum Satan, zieh’ Er oder ich stech’ Ihn nieder! | Zum Satan, zieh Er oder ich stech’ Ihn nieder! |
| Sophie. | Sophie: |
| O Gott, was wird denn jetzt geschehn? | O Gott, was wird denn jetzt geschehn? |
| Baron | Baron: |
| (retiriert etwas). | (retiriert etwas) |
| Vor einer Dame, pfui! So sei Er doch gescheit! | Vor einer Dame, pfui! So sei Er doch gescheit! |
| Octavian | Octavian: |
| (fährt wütend auf ihn los). | (fährt wütend auf ihn los) |
| Baron | Baron: |
| (zieht, fällt ungeschickt aus und hat schon die Spitze von Octavians Degen im Oberarm. Die Lerchenauschen stürzen vor). | (zieht, fällt ungeschickt aus und hat schon die Spitze von Octavian’s Degen im Oberarm. Die Lerchenau’schen stürzen vor) |
| Baron | Baron: |
| (indem er den Degen fallen läßt). | (indem er den Degen fallen lässt) |
| Mord! Mord! Mein Blut! Zu Hilfe! Mörder! Mörder! Mörder! | Mord! Mord! mein’ [sic] Blut! zu Hilfe! Mörder! Mörder! Mörder! |
| (Die Diener stürzen alle zugleich auf Octavian los. Dieser springt nach rechts hinüber und hält sie sich vom Leib, indem er seinen Degen blitzschnell um sich kreisen läßt. Der Almosenier, Valzacchi und Annina eilen auf den Baron zu, den sie stützen und auf einem der Stühle in der Mitte niederlassen.) | Die Diener stürzen alle zugleich auf Octavian los. Dieser springt nach rechts hinüber und hält sie sich vom Leib, indem er seinen Degen blitzschnell um sich kreisen lässt. Der Almosenier, Valzacchi und Annina eilen auf den Baron zu, den sie stützen und auf einen der Stühle in der Mitte niederlassen. |
| Baron | Baron: |
| (von ihnen umgeben und dem Publikum verstellt). | (von ihnen umgeben und dem Publikum verstellt) |
| Ich hab’ ein hitzig’ Blut! Um Ärzt’, um Leinwand! | Ich hab’ ein hitzig Blut! Um Aerzt, um Leinwand! |
| Verband her! Ich verblut’ mich auf eins, zwei! | Verband her! Ich verblut’ mich auf eins, zwei! |
| Aufhalten den! Um Polizei! Um Polizei! | Aufhalten den! Um Polizei! Um Polizei! |
| Die Lerchenauschen | Die Lerchenau’schen: |
| (indem sie mit mehr Ostentation als Entschlossenheit auf Octavian eindringen). | (indem sie mit mehr Ostentation als Entschlossenheit auf Octavian eindringen) |
| Den haut’s z’samm! den haut’s z’samm! | Den haut’s z’samm! den haut’s z’samm! |
| Spinnweb’ her! Feuerschwamm! | Spinnweb’ her! Feuerschwamm! |
| Reißt’s ihm den Spadi weg! | Reisst’s ihm den Spadi weg! |
| Schlagt’s ihn tot auf’m Fleck! | Schlagt’s ihn tot auf’m Fleck! |
| (Die sämtliche Faninalsche Dienerschaft, auch das weibliche Hausgesinde, Küchenpersonal, Stallpagen sind zur Mitteltür hereingeströmt.) | Die sämtliche Faninal’sche Dienerschaft,[ ]auch das weibliche Hausgesinde, Küchenpersonal, Stallpagen sind zur Mitteltür hereingeströmt. |
| Annina | Annina: |
| (auf sie zu, harangierend). | (auf sie zu, harangierend) |
| Der junge Kavalier | Der junge Cavalier |
| und die Fräulein Braut, versteht’s? | und die Fräulein Braut, versteht’s? |
| waren im Geheimen | Waren im Geheimen |
| schon recht vertraut, versteht’s? | schon recht vertraut, versteht’s? |
| (Valzacchi und der Almosenier ziehen dem Baron, der fortwährend stöhnt, seinen Rock aus.) | (Valzacchi und der Almosenier ziehen dem Baron, der fortwährend stöhnt, seinen Rock aus.) |
| Die Faninalische Dienerschaft. | Die Faninalische Dienerschaft: |
| G’stochen is einer? Wer? | G’stochen is einer? Wer? |
| Der dort? Der fremde Herr? | Der dort? der fremde Herr? |
| Welcher? Der Bräutigam? | Welcher? der Bräutigam? |
| Packt’s den Duellanten z’samm! | Packt’s den Duellanten z’samm! |
| Welcher is der Duellant? | Welcher is der Duellant? |
| Der dort im weißen G’wand! | Der dort im weissen Gwand! |
| Wer? Der Rosenkavalier? | Wer? Der Rosenkavalier? |
| Wegen was denn? Wegen ihr! | Wegen was denn? Wegen ihr! |
| Angepackt! Niederg’haut! | Angepackt! niederg’haut! |
| Wegen der Braut? | Wegen der Braut? |
| Wegen der Liebschaft! | Wegen der Liebschaft! |
| Wütender Haß is! | wütender Hass is’! |
| Schaut’s nur die Fräulein an, | schauts nur die Fräulein an |
| Schaut’s, wie sie blaß is’! | schaut’s wie sie blass is! |
| Duenna | Duenna: |
| (bahnt sich den Weg, auf den Baron zu; alle umgeben den Baron in dichten Gruppen). | (bahnt sich den Weg, auf den Baron zu; alle umgeben den Baron in dichten Gruppen). |
| So ein fescher Herr! So ein groß Malheur! | So ein fescher Herr! So ein gross’ Malheur! |
| So ein schwerer Schlag! So ein Unglückstag! | So ein schwerer Schlag! So ein Unglückstag! |
| Octavian | Octavian: |
| (indem er sich seine Angreifer vom Leibe hält). | (indem er sich seine Angreifer vom Leibe hält) |
| Wer mir zu nah kommt, | Wer mir zu nah kommt, |
| der lernt beten! | der lernt beten! |
| Was da passiert ist, | Was da passiert ist, |
| Kann ich vertreten! | kann ich vertreten! |
| Sophie | Sophie: |
| (links vorn). | (links vorn) |
| Alles geht durcheinand’! | Alles geht durcheinand! |
| Furchtbar war’s, wie ein Blitz, | Furchtbar war’s, wie ein Blitz, |
| wie er’s erzwungen hat! | wie er’s erzwungen hat! |
| Ich spür’ nur seine Hand, | Ich spür nur seine Hand, |
| die mich umschlungen hat! | die mich umschlungen hat! |
| Ich verspür’ nichts von Angst, | Ich verspür’ nichts von Angst |
| ich verspür’ nichts von Schmerz, | ich verspür’ nichts von Schmerz |
| nur das Feuer, seinen Blick | nur das Feuer, seinen Blick |
| durch und durch, bis ins Herz! | durch und durch, bis ins Herz! |
| Die Lerchenauschen | Die Lerchenau’schen: |
| (haben von Octavian abgelassen und gehen auf die ihnen zunächst stehenden Mägde handgreiflich los). | (haben von Octavian abgelassen und gehen auf die ihnen zunächst stehenden Mägde handgreiflich los) |
| Leinwand her! Verband machen! | Leinwand her! Verband machen! |
| Fetzen aus’n Gewand machen! | Fetzen aus’n Gewand machen! |
| Vorwärts, keine Spanponaden! | Vorwärts, keine Spanponaden! |
| Leinwand her für Seine Gnaden! | Leinwand her für Seine Gnaden! |
| Sophie | Sophie: |
| (Octavian verzweifelt zurufend). | (Octavian verzweifelt zurufend) |
| Liebster! | Liebster! |
| Octavian | Octavian: |
| (Sophie verzweifelt zurufend). | (Sophie verzweifelt zurufend) |
| Liebste! | Liebste! |
| (Die Lerchenauschen machen Miene, sich zu diesen [sic] Zweck der Hemden der jüngeren und hübscheren Mägde zu bemächtigen. Handgemenge, bis Faninal beginnt. In diesem Augenblick kommt die Duenna, die fortgestürzt war, zurück, atemlos, beladen mit Leinwand; hinter ihr zwei Mägde mit Schwamm und Wasserbecken. Sie umgeben den Baron mit eifriger Hilfeleistung. Faninal kommt zur Türe links hereingestürzt, hinter ihm der Notar und der Schreiber, die in der Türe ängstlich stehen bleiben.) | (Die Lerchenau’schen machen Miene, sich zu diesem Zweck der Hemden der jüngeren und hübscheren Mägde zu bemächtigen[.] Handgemenge bis Faninal beginnt. In diesem Augenblick kommt die Duenna, die fortgestürzt war, zurück, atemlos, beladen mit Leinwand; hinter ihr zwei Mägde mit Schwamm und Wasserbecken. Sie umgeben den Baron mit eifriger Hilfeleistung. Faninal kommt zur Türe links hereingestürzt, hinter ihm der Notar und der Schreiber, die in der Türe ängstlich stehen bleiben.) |
| Baron | Baron: |
| (man hört seine Stimme, ohne viel von ihm zu sehen). | (Man hört seine Stimme, ohne viel von ihm zu sehen) |
| Ich kann ein jedes Blut mit Ruhe fließen sehen, | Ich kann ein jedes Blut mit Ruhe fliessen sehen, |
| nur bloß das meinig’ nicht! Oh! Oh! | nur bloss das meinig nicht! oh! oh! |
| (Die Duenna anschreiend.) | (Die Duenna anschreiend) |
| So tu’ Sie doch was G’scheidt’s, so rett’ Sie doch mein Leben! | So tu Sie doch was g’scheidt’s, so rett’ Sie doch mein Leben! |
| Oh! Oh! | Oh! Oh! |
| (Sophie ist, wie sie ihres Vaters ansichtig wird, nach rechts vorne hingelaufen, steht neben Octavian, der nun seinen Degen einsteckt). | Sophie ist, wie sie ihres Vaters ansichtig wird, nach rechts vorne hingelaufen, steht neben Octavian, der nun seinen Degen einsteckt. |
| Annina | Annina: |
| (knicksend und eifrig zu Faninal links vorne). | (knixend und eifrig zu Faninal links vorne) |
| Der junge Kavalier | Der junge Cavalier |
| und die Fräulein Braut, Gnaden, | und die Fräulein Braut, Gnaden, |
| waren im Geheimen | waren im Geheimen |
| schon recht vertraut, Gnaden! | schon recht vertraut, Gnaden! |
| Wir voller Eifer | Wir voller Eifer |
| für’n Herrn Baron, Gnaden, | für’n Herrn Baron, Gnaden, |
| haben sie betreten | haben sie betreten |
| in aller Devotion, Gnaden! | in aller Devotion, Gnaden! |
| Duenna | Duenna: |
| (um den Baron beschäftigt). | (um den Baron beschäftigt) |
| So ein fescher Herr! So ein groß’ Malheur, | So ein fescher Herr! So ein gross’ Malheur, |
| so ein schwerer Schlag, so ein Unglückstag! | so ein schwerer Schlag, so ein Unglückstag! |
| Faninal | Faninal: |
| (anfangs sprachlos, schlägt nun die Hände überm Kopf zusammen und bricht aus). | (anfangs sprachlos schlägt nun die Hände überm Kopf zusammen und bricht aus). |
| Herr Schwiegersohn! Wie ist Ihm denn? mein Herr und Heiland! | Herr Schwiegersohn! Wie ist Ihm denn? mein Herr und Heiland! |
| Daß Ihm in mein’ Palais das hat passieren müssen! | Dass Ihm in mein’ Palais das hat passieren müssen! |
| Gelaufen um den Medikus! Geflogen! | Gelaufen um den Medicus! Geflogen! |
| Meine zehn teuren Pferd’ zu Tod gehetzt! | Meine zehn teuren Pferd zu Tod gehetzt! |
| Ja hat denn niemand von meiner Livree | Ja hat denn niemand von meiner Livree |
| dazwischen fahren mögen! Füttr’ ich dafür | dazwischen fahren mögen! Füttr’ ich dafür |
| ein Schock baumlanger Lackeln, daß mir solche Schand’ | ein Schock baumlanger Lackeln, dass mir solche Schand |
| passieren muß in meinem neuchen Stadtpalais! | passieren muss in meinem neuchen Stadtpalais! |
| (Gegen Octavian hin.) | (auf Octavian zu) |
| Hätt’ wohl von Euer Liebden eines andern Anstands mich versehn! | Hätt’ wohl von Euer Liebden eines andern Anstands mich versehn! |
| Baron | [Baron]: |
| (stöhnend). | (stöhnend) |
| Oh! Oh! | Oh! Oh! |
| Faninal | Faninal: |
| (abermals zu ihm hin). | (abermals zu ihm hin) |
| Oh! um das schöne freiherrliche Blut, was auf den Boden rinnt! | Oh! um das schöne freiherrliche Blut, was auf den Boden rinnt! |
| (gegen Octavian hin) | |
| O pfui! So eine ordinäre Metzgerei! | O pfui! So eine ordinäre Metzgerei! |
| Baron. | Baron: |
| Hab’ halt so ein jung und hitzig Blut, | Hab’ halt so ein jung und hitzig Blut, |
| Ist nicht zum Stillen! Oh! | Ist nicht zum Stillen! Oh! |
| Faninal | Faninal: |
| (auf Octavian losgehend, verbissen). | (auf Octavian losgehend verbissen) |
| War mir von Euer Liebden hochgräfliche Gegenwart allhier | War mir von Euer Liebden hochgräflicher Gegenwart allhier |
| wahrhaftig einer anderen Freud’ gewärtig! | wahrhaftig einer anderen Freud’ gewärtig! |
| Octavian | Octavian: |
| (höflich). | (höflich) |
| Er muß mich pardonieren. | Er muss mich pardonieren. |
| Bin außer Maßen sehr betrübt über den Vorfall. | Bin ausser Massen sehr betrübt über den Vorfall. |
| Bin aber außer Schuld. Zu einer mehr gelegenen Zeit | Bin aber ausser Schuld. Zu einer mehr gelegenen[ ]Zeit |
| erfahren Euer Liebden wohl den Hergang | erfahren Euer Liebden wohl den Hergang |
| aus Ihrer Fräulein Tochter Mund. | aus Ihrer Fräulein Tochter Mund. |
| Faninal | Faninal: |
| (sich mühsam beherrschend). | (sich mühsam beherrschend) |
| Da möcht’ ich recht sehr bitten! | Da möcht’ ich recht sehr bitten! |
| Sophie | Sophie: |
| (entschlossen). | (entschlossen) |
| Wie Sie befehlen, Vater. Werd’ Ihnen alles sagen. | Wie Sie befehlen, Vater. Werd’ Ihnen Alles sagen. |
| Der Herr dort hat sich nicht so, wie er sollt’, betragen. | Der Herr dort hat sich nicht so wie er sollt betragen. |
| Faninal | Faninal: |
| (zornig). | (zornig) |
| Ei, von wem red’t Sie da? Von Ihrem Herrn Zukünft’gen? | Ei, von wem red’t Sie da? Von Ihrem Herrn Zukünft’gen? |
| Ich will nicht hoffen, wär’ mir keine Manier. | Ich will nicht hoffen, wär’ mir keine Manier. |
| Sophie | Sophie: |
| (ruhig). | (ruhig) |
| Ist nicht der Fall. Seh’ ihn mit nichten an dafür. | Ist nicht der Fall. Seh’ ihn mit nichten an dafür. |
| (Der Arzt kommt, wird sogleich zum Baron geführt.) | Der Arzt kommt, wird sogleich zum Baron geführt. |
| Faninal | Faninal: |
| (immer zorniger). | (immer zorniger) |
| Sieht ihn nicht an? | Sieht ihn nicht an? |
| Sophie. | Sophie: |
| Nicht mehr. Bitt’ Sie dafür um gnädigen Pardon. | Nicht mehr. Bitt’ Sie dafür um gnädigen Pardon. |
| Faninal | Faninal: |
| (zuerst dumpf vor sich hin, dann in helle Wut ausbrechend). | (zuerst dumpf vor sich hin, dann in helle Wut ausbrechend) |
| Sieht ihn nicht an. Nicht mehr. Mich um Pardon. | Sieht ihn nicht an, [sic] Nicht mehr. Mich um Pardon. |
| Liegt dort gestochen. Steht bei ihr. Der Junge. | Liegt dort gestochen. Steht bei ihr. Der Junge. |
| (Ausbrechend.) | (ausbrechend) |
| Blamage. Mir auseinander meine Eh’, | Blamage. Mir auseinander meine Eh’ |
| Alle Neidhammeln von der Wieden und der Leimgrub’n | Alle Neidhammeln von der Wieden und der Leimgrub’n |
| auf! in der Höh! Der Medikus! Stirbt mir womöglich. | auf! in der Höh! Der Medicus! Stirbt mir womöglich. |
| (Auf Sophie zu, in höchster Wut.) | (auf Sophie zu, in höchster Wut) |
| Sie heirat’ ihn! | Sie heirat’ ihn! |
| (Auf Octavian, indem der Respekt vor dem Grafen Rofrano seine Grobheit zu einer knirschenden Höflichkeit herabdämpft.) | (auf Octavian, indem der Respekt vor dem Grafen Rofrano seine Grobheit zu einer knirschenden Höflichkeit herabdämpft). |
| Möchte Euer Liebden recht in aller Devotion | Möcht Euer Liebden recht in aller Devotion |
| gebeten haben, schleunig sich von hier zu retirieren | gebeten haben, schleunig sich von hier zu retirieren |
| und nimmer wieder zu erscheinen! | und nimmer wieder zu erscheinen! |
| (Zu Sophie.) | |
| Hör’ Sie mich! | (zu Sophie) Hör Sie mich! |
| Sie heirat’ ihn! Und wenn er sich verbluten tät’, | Sie heirat’ ihn! Und wenn er sich verbluten tät, |
| so heirat’ Sie ihn als Toter! | so heirat’ Sie ihn als Toter! |
| (Der Arzt zeigt durch eine beruhigende Gebärde, daß der Verwundete sich in keiner Gefahr befindet. Octavian sucht nach seinem Hut, der unter die Füße der Dienerschaft geraten war. Eine Magd überreicht ihm knicksend den Hut. Faninal macht Octavian eine Verbeugung, übertrieben höflich, aber unzweideutig. Octavian muß wohl gehen, möchte aber gar zu gerne Sophie noch ein Wort sagen. Er erwidert zunächst Faninals Verbeugung durch ein gleich tiefes Kompliment.) | Der Arzt zeigt durch eine beruhigende Gebärde, dass der Verwundete sich in keiner Gefahr befindet. Octavian sucht nach seinem Hut, der unter die Füsse der Dienerschaft geraten war. Eine Magd überreicht ihm knixend den Hut. Faninal macht Octavian eine Verbeugung, übertrieben höflich, aber unzweideutig. Octavian muss wohl gehen, möchte aber gar zu gerne Sophie noch ein Wort sagen. Er erwidert zunächst Faninals Verbeugung durch ein gleich tiefes Kompliment. |
| Sophie | Sophie: |
| (beeilt sich das Folgende noch zu sagen, solange Octavian es hören kann. Mit einer Reverenz). | (beeilt sich das folgende noch zu sagen, solange Octavian es hören kann. Mit einer Reverenz). |
| Heirat’ den Herrn dort nicht lebendig und nicht tot! | Heirat’ den Herrn dort nicht lebendig und nicht tot! |
| Sperr’ mich zuvor in meine Kammer ein! | Sperr’ mich zuvor in meine Kammer ein! |
| Faninal | Faninal: |
| (in Wut, und nachdem er abermals eine wütende Verbeugung gegen Octavian gemacht hat, die Octavian prompt erwidert). | (in Wut und nachdem er abermals eine wütende Verbeugung gegen Octavian gemacht hat, die Octavian prompt erwidert). |
| Ah! Sperrst dich ein. Sind Leut’ genug im Haus, | Ah! Sperrst dich ein. Sind Leut’ genug im Haus, |
| die dich in Wagen tragen werden. | die dich in Wagen tragen werden. |
| Sophie | Sophie: |
| (mit einem neuen Knicks). | (mit einem neuen Knix) |
| Spring’ aus dem Wagen noch, der mich zur Kirch’n führt! | Spring aus dem Wagen noch, der mich zur Kirch’n führt! |
| Faninal | Faninal: |
| (mit dem gleichen Spiel zwischen ihr [sic] und Octavian, der immer einen Schritt gegen den Ausgang tut, aber von Sophie in diesem Augenblick nicht los kann). | (mit dem gleichen Spiel zwischen ihr [sic] und Octavian, der immer einen Schritt gegen den Ausgang tut, aber von Sophie in diesem Augenblick nicht los kann). |
| Ah! Springst noch aus dem Wagen! Na, ich sitz’ neben dir, | Ah! Springst noch aus dem Wagen! Na, ich sitz neben dir, |
| werd’ dich schon halten! | werd dich schon halten! |
| Sophie | Sophie: |
| (mit einem neuen Knicks). | (mit einem neuen Knix) |
| Geb’ halt dem Pfarrer am Altar | Geb’ halt dem Pfarrer am Altar |
| Nein anstatt Ja zur Antwort! | Nein anstatt Ja zur Antwort! |
| (Der Haushofmeister indessen macht die Leute abtreten. Die Bühne leert sich. Nur die Lerchenauschen Leute bleiben bei ihrem Herrn zurück.) | Der Haushofmeister indessen macht die Leute abtreten. Die Bühne leert sich. Nur die Lerchenau’schen Leute bleiben bei ihrem Herrn zurück. |
| Faninal | Faninal: |
| (mit gleichem Spiel). | (mit gleichem Spiel) |
| Ah! Gibst Nein statt Ja zur Antwort. | Ah! Gibst Nein anstatt Ja zur Antwort. |
| Ich steck’ dich in ein Kloster stante pede! | Ich steck’ dich in ein Kloster stante pede! |
| Marsch! Mir aus meinen Augen! Lieber heut als morgen! | Marsch! Mir aus meinen Augen! Lieber heut’ als morgen! |
| Auf Lebenszeit! | Auf Lebenszeit! |
| Sophie | Sophie: |
| (erschrocken). | (erschrocken) |
| Ich bitt’ Sie um Pardon! Bin doch kein schlechtes Kind! | Ich bitt’ Sie um Pardon! Bin doch kein schlechtes Kind! |
| Vergeben Sie mir nur dies eine Mal! | Vergeben Sie mir nur dies eine Mal! |
| Faninal | Faninal: |
| (hält sich in Wut die Ohren zu). | (hält sich in Wut die Ohren zu) |
| Auf Lebenszeit! Auf Lebenszeit! | Auf Lebenszeit! Auf Lebenszeit! |
| Octavian | Octavian: |
| (schnell, halblaut). | (schnell, halblaut) |
| Sei Sie nur ruhig, Liebste, um alles! | Sei Sie nur ruhig[…] Liebste, um Alles! |
| Sie hört von mir! | Sie hört von mir! |
| (Duenna stößt Octavian, sich zu entfernen.) | Duenna stösst Octavian, sich zu entfernen. |
| Faninal. | Faninal: |
| Auf Lebenszeit! | Auf Lebenszeit! |
| Duenna | Duenna: |
| (zieht Sophie mit sich nach links). | (zieht Sophie mit sich nach links) |
| So geh’ doch nur dem Vater aus den Augen! | So geh’ doch nur dem Vater aus den Augen! |
| (Zieht sie zur Türe links hinaus, schließt die Tür. Octavian ist zur Mitteltür abgegangen. Baron, umgeben von seiner Dienerschaft, der Duenna, zwei Mägden, den Italienern und dem Arzt, wird auf einem aus Sitzmöbeln improvisierten Ruhebett jetzt in ganzer Gestalt sichtbar.) | (zieht sie zur Türe links hinaus, schliesst die Tür) |
| Octavian ist zur Mitteltüre abgegangen. | |
| Baron umgeben von seiner Dienerschaft, der Duenna[,] zwei Mägden, den Italienern und dem Arzt, wird auf einem aus Sitzmöbeln improvisierten Ruhebett jetzt in ganzer Gestalt sichtbar. | |
| Faninal | Faninal: |
| (schreit nochmals durch die Türe links, durch die Sophie abgegangen ist). | (schreit nochmals durch die Türe links[,] durch die Sophie abgegangen ist). |
| Auf Lebenszeit! | Auf Lebenszeit! |
| (Eilt dann dem Baron entgegen.) | (eilt dann dem Baron entgegen) |
| Bin überglücklich! Muß Eu’r Liebden embrassieren! | Bin überglücklich! Muss Euer Liebden embrassieren! |
| Baron | Baron: |
| (dem bei der Umarmung der Arm wehgetan). | (dem bei der Umarmung der Arm wehgetan) |
| Oh! Oh! Jesus Maria! | Oh! Oh! Jesus Maria! |
| Faninal | Faninal: |
| (nach rechts hin in neuer Wut). | (nach rechts hin in neuer Wut) |
| Luderei! Ins Kloster! | Luderei! Ins Kloster! |
| (Nach der Mitteltür.) | (nach der Mitteltür) |
| Ein Gefängnis! | Ein Gefängnis! |
| Auf Lebenszeit! | Auf Lebenszeit! |
| Baron. | Baron: |
| Is gut! Is gut! Ein Schluck von was zu trinken! | Is gut! Is gut! Ein Schluck von was zu trinken! |
| Faninal. | Faninal: |
| Ein Wein? Ein Bier? Ein Hippokras mit Ingwer? | Ein Wein? Ein Bier! Ein Hippokras mit Ingwer? |
| Der Arzt | Der Arzt: |
| (macht eine ängstlich abwehrende Bewegung). | (macht eine ängstlich abwehrende Bewegung) |
| Faninal | Faninal: |
| (jammernd). | (jammernd) |
| So einen Herrn zurichten miserabel! | So einen Herrn zurichten miserabel! |
| In meinem Stadtpalais! Sie heirat’ ihn um desto früher! | In meinem Stadtpalais! Sie heirat’ ihn um desto früher! |
| Bin Manns genug! | Bin Mann’s genug! |
| Baron | Baron: |
| (matt). | (matt) |
| Is gut, is gut! | Is gut, is gut! |
| Faninal | Faninal: |
| (nach der Tür links, in aufflammender Wut). | (nach der Türe links in aufflammender Wut) |
| Bin Manns genug! | Bin Manns genug! |
| (Zum Baron.) | (zum Baron) |
| Küss’ Ihm die Hand für Seine Güt’ und Nachsicht. | Küss Ihm die Hand für Seine Güt’ und Nachsicht. |
| Gehört alles Ihm im Haus. Ich lauf’ – ich bring’ Ihm – | Gehört alls Ihm im Haus. Ich lauf[ ]–[ ]ich bring’ ihm[ ]– |
| (Nach links.) | (nach links) |
| Ein Kloster ist zu gut! | Ein Kloster ist zu gut! (Zum Baron) |
| (Zum Baron.) | |
| Sei’n außer Sorg’. | Sei’n ausser Sorg’. |
| (Sehr devot.) | (sehr devot) |
| Weiß, was ich Satisfaktion Ihm schuldig bin. | Weiss, was ich Satisfaction Ihm schuldig bin. |
| (Stürzt ab. Desgleichen gehen Duenna und Mägde ab. Die beiden Italiener sind schon während des Obigen fortgeschlichen.) | (Stürzt ab. Desgleichen gehen Duenna und Mägde ab. Die beiden Italiener sind schon während des Obigen fortgeschlichen.) |
| Baron | Baron: |
| (halb aufgerichtet). | (halb aufgerichtet) |
| Da lieg’ ich! Was ei’m Kavalier nit all’s passieren kann | Da lieg’ ich! Was ei’m Cavalier nit all’s passieren kann |
| in dieser Wienerstadt! | in dieser Wienerstadt! |
| Wär’ nicht mein Gusto hier, – da ist eins gar zu sehr in Gottes Hand, | Wär’ nicht mein Gusto hier, – da ist eins gar zu sehr in Gottes Hand, |
| wär’ lieber schon daheim! | wär’ lieber daheim! |
| (Ein Diener ist aufgetreten, eine Kanne Weines zu servieren.) | (Ein Diener ist aufgetreten, eine Kanne Weines zu servieren). |
| Baron | Baron: |
| (will trinken, da macht er eine Bewegung, die ihm Schmerzen verursacht). | (will trinken, da macht er eine Bewegung, die ihm Schmerzen verursacht). |
| Oh! Oh! Der Satan! Oh! Oh! Sakramentsverfluchter Bub’, | Oh! Oh! Der Satan! Oh! Oh! Sakramentsverfluchter Bub, |
| nit trocken hinterm Ohr und fuchtelt mit ’n Spadi! | nit trocken hinter’m Ohr und fuchtelt mit ’n spadi! |
| (In immer größerer Wut.) | (in immer grösserer Wut) |
| Wällischer Hundsbub’ das! Dich sollt’ ich nur erwischen. | Wällischer Hundsbub das! Dich sollt. [sic] ich nur erwischen, [?] |
| In Hundezwinger sperr’ ich dich, bei meiner Seel’, | in Hundezwinger sperr’ ich dich ein bei meiner Seel’, |
| in Hühnerstall! In Schweinekofen! | in Hühnerstall! In Schweinekofen! |
| Tät’ dich kuranzen! Solltest alle Engel singen hör’n! | Tät dich kuranzen! Solltest alle Engel singen hör’n! |
| (Zu dem Faninalschen Diener.) | (Zu dem Faninal’schen Diener) |
| Schenk’ Er nur ein da, schnell! | Schenk Er nur ein da, schnell! |
| Die Lerchenauischen | Die Lerchenauischen: |
| (gedämpft). | (gedämpft) |
| Wenn ich dich erwisch’, | Wenn ich dich erwisch |
| Du liegst unter’m Tisch. | Du liegst unterm Tisch. |
| Wart, dich richt’ ich zu, | Wart, dich richt ich zu, |
| Wällischer Filou! | Wallischer [sic] Filou! |
| (Der Arzt schenkt ihm ein und präsentiert den Becher.) | Der Arzt schenkt ihm ein und präsentiert den Becher. |
| Baron | Baron: |
| (nachdem er getrunken, in allmählich besserer Laune). | (nachdem er getrunken in allmählich besserer Laune) |
| Und doch, muß lachen, wie sich so ein […] | Und doch, muss lachen, wie sich so ein Bub |
| mit seine siebzehn Jahr die Welt imaginiert: | mit seine siebzehn Jahr die Welt imaginiert: |
| meint, Gott weiß wie er mich kontreveniert. | meint, Gott weiss wie er mich contrecarriert |
| Haha! Umgekehrt ist auch gefahren! Möcht’ um alles nicht, | Haha! umgekehrt ist auch gefahren! Möcht’ um alles nicht, |
| daß ich dem Mädel – sein rebellisch Aufbegehren nicht verspüret hätt’! | dass ich dem Mädel sein rebellisch Aufbegehren nicht verspüret hätt’! |
| (Nimmt sie bei der Hand.) [sic] | (nimmt sie bei der Hand) [sic] |
| gibt auf der Welt nichts, was mich enflammiert | gibt auf der Welt nichts was mich enflammiert |
| und also vehement verjüngt als wie ein rechter Trotz | und also vehement verjüngt als wie ein rechter Trotz! |
| Die Lerchenauischen | Die Lerchenauischen: |
| (gedämpft). | (gedämpft) |
| Wart’, dich hau’ i z’samm, | Wart, dich hau i z’samm, |
| Wällischer Filou, | Wällischer Filou, |
| Wart’, dich hau’ i z’samm, | Wart, dich hau i z’samm, |
| daß dich Gott verdamm’! | dass dich Gott verdamm’! |
| Baron | Baron: |
| (zum Arzt gewandt). | (zum Arzt gewandt) |
| Herr Medicus, verfüg’ Er sich voraus! | Herr Medicus, verfüg’ Er sich voraus! |
| Mach’ Er das Bett aus lauter Federbetten. | Mach Er das Bett aus lauter Federbetten. |
| Ich komm’. Erst aber trink’ ich noch. Marschier’ Er nur indessen. | Ich komm. Erst aber trink ich noch. Marschier Er nur indessen. |
| (Der Arzt geht ab mit dem Leiblakai. Annina ist durch den Vorsaal hereingekommen und schleicht sich verstohlen heran, einen Brief in der Hand.) | Der Arzt geht ab mit dem Leiblakai. |
| Annina ist durch den Vorsaal hereingekommen und schleicht sich verstohlen heran, einen Brief in der Hand. | |
| Baron | Baron: |
| (vor sich leise, den zweiten Becher leerend). | (vor sich leise, den zweiten Becher leerend) |
| Ein Federbett. Zwei Stunden noch zu Tisch. Werd’ Zeitlang haben. | Ein Federbett. Zwei Stunden noch zu Tisch. Werd’ zeitlang haben. |
| »Ohne mich, ohne mich, jeder Tag dir so bang, | »Ohne mich, ohne mich, jeder Tag dir so bang« |
| mit mir, mit mir, keine Nacht dir zu lang.« | »mit mir, mit mir, keine Nacht dir zu lang.« |
| (Annina stellt sich so, daß der Baron sie sehen muß und winkt ihm geheimnisvoll mit dem Brief.) | [(]Annina stellt sich so, dass der Baron sie sehen muss und winkt ihm geheimnisvoll mit dem Brief.) |
| Baron. | Baron: |
| Für mich? | Für mich? |
| Annina | Annina: |
| (näher). | (näher) |
| Von der Bewußten. | Von der Bewussten. |
| Baron. | Baron: |
| Wer soll da gemeint sein? | Wer soll da gemeint sein? |
| Annina | Annina: |
| (ganz nahe). | (ganz nahe) |
| Nur eigenhändig, insgeheim zu übergeben. | Nur eigenhändig, insgeheim zu übergeben. |
| Baron[.] | Baron: |
| Luft da! | Luft da! |
| (Die Diener treten zurück, nehmen den Faninalschen ohne weiteres die Weinkanne ab und trinken sie leer.) | Die Diener treten zurück, nehmen den Faninal’schen ohne weiteres die Weinkanne ab und trinken sie leer. |
| Baron. | Baron: |
| Zeig’ Sie den Wisch! | Zeig Sie den Wisch! |
| (Reißt mit der Linken den Brief auf. Versucht ihn zu lesen, indem er ihn sehr weit von sich weghält.) | (reisst mit der Linken den Brief auf. Versucht ihn zu lesen, indem er ihn sehr weit von sich weghält). |
| Such’ Sie in meiner Taschen meine Brillen. | Such Sie in meiner Tasche meine Brillen. |
| (Mißtrauisch, da sie sich dazu anschickt.) | (misstrauisch, da sie sich dazu anschickt) |
| Nein! Such’ Sie nicht! Kann Sie Geschriebnes lesen? | Nein! Such Sie nicht! Kann Sie geschriebnes lesen? |
| Da. | Da. |
| Annina | Annina: |
| (nimmt und liest). | (nimmt und liest) |
| »Herr Kavalier! Den morgigen Abend hätt’ i frei. | »Herr Cavalier! Den morgigen Abend hätt I frei. |
| Sie ham mir schon g’fall’n, nur g’schamt | »Sie ham mir schon g’fall’n nur g’schamt |
| hab’ i mi vor der fürstli’n Gnad’n, | »hab i mi vor der fürstli’n Gnadn, |
| weil i noch gar so jung bin. Das bewußte Mariandel, | »weil I noch gar so jung bin. Das bewusste Mariandel, |
| Kammerzofel und Verliebte. | »Kammerzofel und Verliebte. |
| Wenn der Herr Kavalier den Nam’ nit schon vergessen hat. | »Wenn der Herr Cavalier den Nam nit schon vergessen hat. |
| I wart’ auf Antwort.« | »I wart auf Antwort.« |
| Baron | Baron: |
| (entzückt). | (entzückt) |
| Sie wart’ auf Antwort. | Sie wart’ auf Antwort. |
| Geht all’s recht am Schnürl so wie z’ Haus | Geht all’s recht am Schnürl so wie z’ Haus |
| und hat noch einen andern Schick dazu. | und hat noch einen andern Schick dazu. |
| (Sehr lustig.) | (sehr lustig) |
| Ich hab’ halt schon einmal ein lerchenauisch Glück. | Ich hab halt schon einmal ein lerchenauisch Glück. |
| Komm’ Sie nach Tisch, geb’ Ihr die Antwort nachher schriftlich. | Komm Sie nach Tisch, geb ihr die Antwort nachher schriftlich. |
| Annina. | Annina: |
| Ganz zu Befehl, Herr Kavalier. Vergessen nicht der Botin? | Ganz zu Befehl, Herr Cavalier. Vergessen nicht der Botin? |
| Baron | Baron: |
| (sie überhörend, vor sich). | (sie überhörend vor sich) |
| »Ohne mich, ohne mich jeder Tag dir so bang.« | »Ohne mich, ohne mich, jeder Tag dir so bang«. |
| Annina | Annina: |
| (dringlicher). | (dringlicher) |
| Vergessen nicht der Botin, Euer Gnad’n? | Vergessen nicht der Botin, Euer Gnad’n? |
| Baron. | Baron: |
| Schon gut. | Schon gut. |
| »Mit mir, mit mir keine Nacht dir zu lang.« | »Mit mir, mit mir, keine Nacht dir zu lang.« |
| Annina | Annina: |
| (macht nochmals eine Gebärde des Geldforderns). | (macht nochmals eine Gebärde des Geldforderns) |
| Baron. | Baron: |
| Das später. Alls auf einmal. Dann zum Schluß. | Das später. All’s auf einmal. Dann zum Schluss. |
| Sie wart’ auf Antwort! Tret’ Sie ab indessen. | Sie wart’ auf Antwort! Tret’ Sie ab indessen. |
| Schaff’ Sie ein Schreibzeug in mein Zimmer, bin dort drüben, | Schaff’ Sie ein Schreibzeug in mein Zimmer hin, dort drüben, |
| daß ich die Antwort dann diktier’. | dass ich die Antwort dann diktier. |
| Annina | Annina: |
| (geht ab, nicht ohne mit einer drohenden Gebärde hinter des Barons Rücken angezeigt zu haben, daß sie sich bald für seinen Geiz rächen werde). | (geht ab, nicht ohne mit einer drohenden Gebärde hinter des Barons Rücken angezeigt zu haben, dass sie sich bald für seinen Geiz rächen werde) |
| Baron | Baron: |
| (tut noch einen letzten Schluck, er geht, von seinen Leuten begleitet, seinem Zimmer zu). | (tut noch einen letzten Schluck, er geht von seinen Leuten begleitet, seinem Zimmer zu). |
| »Mit mir, mit mir keine Nacht dir zu lang!« | »Mit mir, mit mir, keine Nacht dir zu lang!« |
| DRITTER AUFZUG. | DRITTER AKT |
| Ein Extrazimmer in einem Gasthaus. Im Hintergrunde links ein Alkoven, darin ein Bett. Der Alkoven durch einen Vorhang verschließbar, der sich auf- und zuziehen läßt. Vorne rechts Türe ins Nebenzimmer. Rechts steht ein für zwei Personen gedeckter Tisch, auf diesem ein großer vielarmiger Leuchter. In der Mitte rückwärts Türe auf den Korridor. Daneben links ein Büfett. Rechts rückwärts ein blindes Fenster, vorne links ein Fenster auf die Gasse. Armleuchter mit Kerzen auf den Seitentischen, sowie an den Wänden. Es brennt nur je eine Kerze in den Leuchtern und auf den Seitentischen. Das Zimmer halbdunkel. | Ein Extrazimmer in einem Gasthaus. Im Hintergrunde links ein Alkoven, darin ein Bett. Der Alkoven durch einen Vorhang verschliessbar, der sich auf und zu ziehen lässt. Vorne rechts Türe ins Nebenzimmer. Rechts steht ein für zwei Personen gedeckter Tisch, auf diesem ein grosser vielarmiger Leuchter. In der Mitte rückwärts Türe auf den Korridor. Daneben links ein Buffet. Rechts rückwärts ein blindes Fenster, vorne links ein Fenster auf die Gasse. Armleuchter mit Kerzen auf den Seitentischen, sowie an den Wänden. Es brennt nur je eine Kerze in den Leuchtern und auf den Seitentischen. Das Zimmer halbdunkel. |
| Annina steht da, als Dame in Trauer gekleidet. Valzacchi richtet ihr den Schleier, zupft da und dort das Kleid zurecht, tritt zurück, mustert sie, zieht einen Crayon aus der Tasche, untermalt ihr die Augen. Die Türe rechts wird vorsichtig geöffnet, ein Kopf erscheint, verschwindet wieder, dann kommt eine nicht ganz unbedenklich aussehende, aber ehrbar gekleidete Alte hereingeschlüpft, öffnet lautlos die Tür und läßt respektvoll Octavian eintreten, in Frauenkleidern, mit einem Häubchen, wie es die Bürgermädchen tragen. | Annina steht da, als Dame in Trauer gekleidet. Valzacchi richtet ihr den Schleier, zupft da und dort das Kleid zurecht, tritt zurück, mustert sie, zieht einen Crayon aus der Tasche, untermalt ihr die Augen. Die Türe rechts wird vorsichtig geöffnet, ein Kopf erscheint, verschwindet wieder, dann kommt eine nicht ganz unbedenklich aussehende, aber ehrbar gekleidete Alte hereingeschlüpft, öffnet lautlos die Tür und lässt respektvoll Octavian eintreten, in Frauenkleidern, mit einem Häubchen, wie es die Bürgermädchen tragen. |
| Octavian, hinter ihm die Alte, gehen auf die beiden anderen zu, werden sogleich von Valzacchi bemerkt, der in seiner Arbeit innehält und sich vor Octavian verneigt. Annina erkennt nicht sofort den Verkleideten, sie kann sich vor Staunen nicht fassen, knickst dann tief. Octavian greift in die Tasche (nicht wie eine Dame, sondern wie ein Herr und man sieht, daß er unter dem Reifrock Männerkleider und Reitstiefel anhat, aber ohne Sporen) und wirft Valzacchi eine Börse zu. | Octavian, hinter ihm die Alte, gehen auf die beiden anderen zu, werden sogleich von Valzacchi bemerkt, der in seiner Arbeit innehält und sich vor Octavian verneigt. Annina erkennt nicht sofort den Verkleideten, sie kann sich vor Staunen nicht fassen, knixt dann tief. Octavian greift in die Tasche, (nicht wie eine Dame, sondern wie ein Herr und man sieht, dass er unter dem Reifrock Männerkleider und Reitstiefel anhat, aber ohne Sporen) und wirft Valzacchi eine Börse zu. |
| Valzacchi und Annina küssen ihm die Hände, Annina richtet noch an Octavians Brusttuch. Indessen sind fünf verdächtige Herren unter Vorsichtsmaßregeln eingetreten. Valzacchi bedeutet sie mit einem Wink zu warten. Sie stehen nahe der Türe. Eine Uhr schlägt halb. Valzacchi zieht seine Uhr, zeigt Octavian: es ist hohe Zeit. Octavian geht eilig ab, gefolgt von der Alten, die als seine Begleiterin fungiert. Annina geht zum Spiegel (alles mit Vorsicht, jedes Geräusch vermeidend) arrangiert sich noch, zieht dann einen Zettel hervor, woraus sie ihre Rolle zu lernen scheint. Valzacchi nimmt indessen die Verdächtigen nach vorne, indem er mit jeder Gebärde die Notwendigkeit höchster Vorsicht andeutet. Die Verdächtigen folgen ihm auf den Zehen nach der Mitte. Er bedeutet ihrer einem, ihm zu folgen: lautlos, ganz lautlos. Führt ihn an die Wand rechts, öffnet lautlos eine Falltür unfern des gedeckten Tisches, läßt den Mann hinabsteigen, schließt wieder die Falltür. Dann winkt er zwei zu sich, schleicht ihnen voran bis an die Eingangstüre, steckt den Kopf heraus, vergewissert sich, daß niemand zusieht, winkt die zwei zu sich, läßt sie dort hinaus. Dann schließt er die Türe, führt die beiden letzten leise an die Türe zum Nebenzimmer voran, schiebt sie hinaus. Winkt Annina zu sich, geht mit ihr leise links ab, die Türe lautlos hinter sich schließend. Er kommt wieder herein, klatscht in die Hände. Der eine Versteckte hebt sich mit halbem Leib aus dem Boden hervor. Zugleich erscheinen über dem Bett und andern Stellen Köpfe. Auf Valzacchis Wink verschwinden dieselben ebenso plötzlich, die geheimen Schiebtüren schließen sich ohne Geräusch. Valzacchi sieht abermals nach der Uhr, geht nach rückwärts, öffnet die Eingangstür, dann zieht er ein Feuerzeug hervor und beginnt eifrig die Kerzen auf dem Tisch anzuzünden. Ein Kellner und ein Kellnerjunge kommen gelaufen mit zwei Stöcken zum Kerzenanzünden. Entzünden die Leuchter auf dem Kamin, auf dem Büfett, dann die zahlreichen Wandarme. Sie haben die Tür hinter sich offen gelassen, man hört aus dem Vorsaal (im Hintergrunde) Tanzmusik spielen. Valzacchi eilt zur Mitteltür, öffnet dienstbeflissen auch den zweiten Flügel, springt unter Verneigung zur Seite. | Valzacchi und Annina küssen ihm die H[ä]nde, Annina richtet noch an Octavians Brusttuch. Indessen sind fünf verdächtige Herren unter Vorsichtsmassregeln eingetreten. Valzacchi bedeutet sie mit einem Wink zu warten. Sie stehen nahe der Türe. Eine Uhr schlägt halb. Valzacchi zieht seine Uhr, zeigt Octavian: es ist hohe Zeit. Octavian geht eilig ab, gefolgt von der Alten, die als seine Begleiterin fungiert. Annina geht zum Spiegel (alles mit Vorsicht, jedes Geräusch vermeidend) arrangiert sich noch, zieht dann einen Zettel hervor, woraus sie ihre Rolle zu lernen scheint. Valzacchi nimmt indessen die Verdächtigen nach vorne, indem er mit jeder Gebärde die Notwendigkeit höchster Vorsicht andeutet. Die Verdächtigen folgen ihm auf den Zehen nach der Mitte. Er bedeutet ihrer einem, ihm zu folgen: lautlos, ganz lautlos. Führt ihn an die Wand rechts, öffnet lautlos eine Falltür unfern des gedeckten Tisches, lässt den Mann hinabsteigen, schliesst wieder die Falltür. Dann winkt er zwei zu sich, schleicht ihnen voran bis an die Eingangstüre, steckt den Kopf heraus, vergewissert sich, dass niemand zusieht, winkt die zwei zu sich, lässt sie dort hinaus. Dann schliesst er die Türe, führt die beiden letzten leise an die Türe zum Nebenzimmer voran, schiebt sie hinaus. Winkt Annina zu sich, geht mit ihr leise links ab, die Türe lautlos hinter sich schliessend. Er kommt wieder herein, klatscht in die Hände. Der eine Versteckte hebt sich mit halbem Leib aus dem Boden hervor. Zugleich erscheinen ober dem Bett und andern Stellen Köpfe. Auf Valzacchi’s Wink verschwinden dieselben ebenso plötzlich, die geheimen Schiebtüren schliessen sich ohne Geräusch. Valzacchi sieht abermals nach der Uhr, geht nach rückwärts, öffnet die Eingangstür, dann zieht er ein Feuerzeug hervor und beginnt eifrig die Kerzen auf dem Tisch anzuzünden. Ein Kellner und ein Kellnerjunge kommen gelaufen mit zwei Stöcken zum Kerzenanzünden. Entzünden die Leuchter auf dem Kamin, auf dem Buffet, dann die zahlreichen Wandarme. Sie haben die Tür hinter sich offen gelassen, man hört aus dem Vorsaal (im Hintergrunde) Tanzmusik spielen. Valzacchi eilt zur Mitteltür, öffnet dienstbefliessen [sic] auch den zweiten Flügel, springt unter Verneigung zur Seite. |
| Baron Ochs erscheint, den Arm in der Schlinge. Octavian an der Linken führend, hinter ihm der Leiblakai. Baron mustert den Raum. Octavian sieht herum, läuft an den Spiegel, richtet sein Haar. Baron bemerkt den Kellner und Kellnerjungen, die noch mehr Kerzen anzünden wollen, winkt ihnen, sie sollten es sein lassen. In ihrem Eifer bemerken sie es nicht. | Baron Ochs erscheint, den Arm in der Schlinge. Octavian an der Linken führend, hinter ihm der Leiblakai. Baron mustert den Raum. Octavian sieht herum, läuft an den Spiegel, richtet sein Haar. Baron bemerkt den Kellner und Kellnerjungen, die noch mehr Kerzen anzünden wollen, winkt ihnen, sie sollten es sein lassen. In ihrem Eifer bemerken sie es nicht. |
| Baron | Baron: |
| (ungeduldig, reißt den Kellnerjungen vom Stuhl, auf den er gestiegen war, löscht einige ihm zunächst brennende Kerzen mit der Hand aus. Valzacchi zeigt dem Baron diskret den Alkoven und durch eine Spalte des Vorhanges das Bett. Der Wirt mit mehreren Kellnern eilt herbei, den vornehmen Gast zu begrüßen.) | (ungeduldig, reisst den Kellnerjungen vom Stuhl, auf den er gestiegen war, löscht einige ihm zunächst brennende Kerzen mit der Hand aus. Valzacchi zeigt dem Baron diskret den Alkoven und durch eine Spalte des Vorhanges das Bett.) |
| Der Wirt mit mehreren Kellnern eilt herbei, den vornehmen Gast zu begrüssen. | |
| Wirt. | Wirt: |
| Haben Euer Gnaden noch weitre Befehle? | Haben Euer Gnaden noch weit’re Befehle? |
| Kellner. | Kellner: |
| Befehl’n mehr Lichter? | Befehl’n mehr Lichter? |
| Wirt. | Wirt: |
| Ein größeres Zimmer? | Ein grösseres Zimmer? |
| Kellner. | Kellner: |
| Befehlen mehr Silber auf den Tisch? | Befehlen mehr Silber auf dem Tisch? |
| Baron | Baron: |
| (eifrig beschäftigt mit einer Serviette, die er vom Tisch genommen und entfalten hat, alle ihm erreichbaren Kerzen auszulöschen). | (eifrig beschäftigt mit einer Serviette, die er vom Tisch genommen und entfalten hat, alle ihm erreichbaren Kerzen auszulöschen). |
| Verschwindt’s! Macht mir das Madel net verruckt! | Verschwindts! Macht mir das Madel net verruckt! |
| Was will die Musik? Hab’ sie nicht bestellt. | Was will die Musik? Hab Sie nicht bestellt. |
| (Löscht weitere Kerzen aus.) | (löscht weitere Kerzen aus.) |
| Wirt. | Wirt: |
| Schaffen vielleicht, daß man sie näher hört? | Schaffen vielleicht, dass man sie näher hört? |
| Im Vorsaal da als Tafelmusik. | Im Vorsaal da als Tafelmusik? |
| Baron. | Baron: |
| Laß Er die Musik, wo sie ist. | Lass Er die Musik, wo sie ist. |
| (Bemerkt das Fenster rechts rückwärts im Rücken des gedeckten Tisches.) | (bemerkt das Fenster rechts rückwärts im Rücken des gedeckten Tisches). |
| Was ist da für ein Fenster da? | Was is da für ein Fenster da? |
| (Probiert, ob es hereinzieht.) | (probiert ob es hereinzieht) |
| Wirt. | Wirt: |
| Ein blindes Fenster nur. | Ein blindes Fenster nur. |
| (Verneigt sich.) | (verneigt sich) |
| Darf aufgetragen werd’n? | Darf aufgetragen werd’n? |
| (Alle fünf Kellner wollen abeilen.) | Alle fünf Kellner wollen abeilen. |
| Baron. | Baron: |
| Halt, was woll’n die Maikäfer da? | Halt, was woll’n die Maikäfer da? |
| Kellner | Kellner: |
| (an der Tür). | (an der Tür) |
| Servier’n, Euer Gnaden. | Servier’n, Euer Gnaden. |
| Baron | Baron: |
| (winkt ab). | (winkt ab) |
| Brauch’ niemand nicht. | Brauch’ niemand nicht. |
| (Als sie nicht gehen, heftig.) | (als sie nicht gehen, heftig) |
| Packt’s Euch! Servieren wird mein Kammerdiener da. | Packt’s Euch! Servieren wird mein Kammerdiener da, |
| Einschenken tu’ ich selber. Versteht Er? | Einschenken tu ich selber. Versteht Er? |
| (Valzacchi bedeutet sie, den Willen seiner Gnaden wortlos zu respektieren. Schiebt alle zur Tür hinaus.) | Valzacchi bedeutet sie, den Willen seiner Gnaden wortlos zu respektieren. Schiebt alle zur Tür hinaus. |
| Baron | Baron: |
| (löscht aufs neue eine Anzahl Kerzen aus, darunter mit einiger Mühe die hoch an der Wand brennenden, zu Valzacchi). | (löscht aufs neue eine Anzahl Kerzen aus, darunter mit einiger Mühe die hoch an der Wand brennenden, zu Valzacchi). |
| Er ist ein braver Kerl. Wenn er mir hilft, die Rechnung ’runterdrucken, | Er ist ein braver Kerl. Wenn er mir hilft, die Rechnung runterdrucken, |
| Dann fallt was ab für Ihn. Kost’ sicher hier ein Martergeld. | Dann fallt was ab für Ihn. Kost’ sicher hier ein Martergeld. |
| (Valzacchi unter Verneigung ab. – Octavian ist nun fertig.) | Valzacchi unter Verneigung ab. Octavian ist nun fertig |
| Baron | Baron: |
| (führt ihn zu Tisch, sie setzen sich). | (führt ihn zu Tisch, sie setzen sich) |
| (Der Lakai am Büfett sieht mit unverschämter Neugierde der Entwicklung des tête-à-tête entgegen, stellt Karaffen mit Wein vom Büfett auf den Eßtisch. Baron schenkt ein. Octavian nippt. Baron küßt Octavian die Hand. Octavian entzieht ihm die Hand. Baron winkt den Lakaien abzugehen, muß es mehrmals wiederholen, bis die Lakaien endlich gehen.) | Der Lakai am Buffet sieht mit unverschämter Neugierde der Entwicklung des tête-à-tête entgegen, stellt Karaffen mit Wein vom Buffet auf den Esstisch. Baron schenkt ein. Octavian nippt. Baron küsst Octavian die Hand. Octavian entzieht ihm die Hand. Baron winkt dem Lakaien abzugehen, muss es mehrmals wiederholen, bis der Lakai endlich geht. |
| Octavian | Octavian: |
| (schiebt sein Glas zurück). | (schiebt sein Glas zurück) |
| Nein, nein, nein, nein! I trink’ kein Wein. | Nein, nein, nein, nein! I trink kein Wein. |
| Baron. | Baron: |
| Geh, Herzerl, was denn? Mach’ doch keine Faxen. | Geh, Herzerl, was denn? Mach’ doch keine Faxen. |
| Octavian. | Octavian: |
| Nein, nein, i bleib’ net da. | Nein, nein, i bleib net da. |
| (Springt auf, tut, als wenn er fort wollte.) | (springt auf, tut als wenn er fortwollte.) |
| Baron | Baron: |
| (packt sie mit seiner Linken). | (packt sie mit seiner Linken) |
| Sie macht mich deschparat. | Sie macht mich deschparat. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich weiß schon, was Sie glaub’n. Oh Sie schlimmer Herr! | Ich weiss schon, was Sie glaub’n. Oh Sie schlimmer Herr! |
| Baron | Baron: |
| (sehr laut). | (sehr laut) |
| Saperdipix! Ich schwör’ bei meinem Schutzpatron! | Saperdipix! Ich schwör bei meinem Schutzpatron! |
| Octavian | Octavian: |
| (tut sehr erschrocken, läuft, als ob er sich irrte, statt zur Ausgangstür gegen den Alkoven, reißt den Vorhang auseinander, erblickt das Bett. Gerät in übermäßiges Staunen, kommt ganz betroffen auf den Zehen zurück). | (tut sehr erschrocken, läuft als ob er sich irrte, statt zur Ausgangstür gegen den Alkoven, reisst den Vorhang auseinander, erblickt das Bett, gerät in übermässiges Staunen, kommt ganz betroffen auf den Zehen zurück). |
| Jesus Maria, steht a Bett drin, a mordsmäßig großes. | Jesus Maria, steht a Bett drin, a mordsmässig grosses. |
| Ja mei, wer schlaft denn da? | Ja mei, wer schlaft denn da? |
| Baron | Baron: |
| (führt ihn zurück an den Tisch). | (führt ihn zurück an den Tisch) |
| Das wird Sie schon seh’n. Jetzt komm’ Sie. Setz’ Sie sich schön. | Das wird Sie schon seh’n. Jetzt komm’ Sie. Setz’ Sie sich schön. |
| Kommt gleich wer mit’n Essen. Hat Sie denn kein’ Hunger nicht? | Kommt gleich wer mit’n Essen. Hat Sie denn kein’ Hunger nicht? |
| (Legt ihr die Hand um die Taille.) | (legt ihr die Hand um die Taille). |
| Octavian | Octavian: |
| (wirft dem Baron schmachtende Blicke zu). | (wirft dem Baron schmachtende Blicke zu) |
| O weh, wo Sie doch ein Bräutigam tun sein. | O weh, wo Sie ja doch ein Bräut’gam tun sein. |
| (Wehrt ihn ab.) | (wehrt ihn ab) |
| Baron. | Baron: |
| Ach, laß Sie schon einmal das fade Wort! | Ach lass Sie schon einmal das fade Wort! |
| Sie hat doch einen Kavalier vor sich | Sie hat doch einen Kavalier vor sich |
| und keinen Seifensieder: | und keinen Seifensieder: |
| Ein Kavalier läßt alles, | Ein Kavalier lässt alles, |
| was ihm nicht konveniert, | was ihm nicht konveniert, |
| da draußen vor der Tür. Hier sitzt kein Bräutigam | da draussen vor der Tür. Hier sitzt kein Bräutigam |
| und keine Kammerjungfer nicht: | und keine Kammerjungfer nicht: |
| Hier sitzt mit seiner Allerschönsten ein Verliebter beim Souper. | Hier sitzt mit seiner Allerschönsten ein Verliebter beim Souper. |
| (Zieht sie an sich.) | (Zieht sie an sich) |
| Octavian | Octavian: |
| (lehnt sich kokett in den Sessel zurück, mit halbgeschlossenen Augen). | (lehnt sich kokett in den Sessel zurück, mit halbgeschlossenen Augen). |
| Baron | Baron: |
| (erhebt sich, der Moment für den ersten Kuß scheint ihm gekommen. Wie sein Gesicht dem der Partnerin ganz nahe ist, durchzuckt ihn jäh die Ähnlichkeit mit Octavian. Er fährt zurück und greift unwillkürlich nach dem verwundeten Arm). | (erhebt sich, der Moment für den ersten Kuss scheint ihm gekommen. Wie sein Gesicht dem der Partnerin ganz nahe ist, durchzuckt ihn jäh die Aehnlichkeit mit Octavian. Er fährt zurück und greift unwillkürlich nach dem verwundeten Arm). |
| Ist ein Gesicht! Verfluchter Bub’! | Ist ein Gesicht! Verfluchter Bub! |
| Verfolgt mich alser [sic] wacher und im Traum! | Verfolgt mich also [sic] wacher und im Traum! |
| Octavian | Octavian: |
| (öffnet die Augen und blickt ihn frech und kokett an). | (öffnet die Augen und blickt ihn frech u. kokett an) |
| Was meint Er denn? | Was meint Er denn? |
| Baron. | Baron: |
| Sieht einem ähnlich, einem gottverfluchten Kerl! | Sieht einem ähnlich, einem gottverfluchten Kerl! |
| Octavian. | Octavian: |
| Ah geh’! Das hab’ i no net g’hört! | Ah geh! Das hab i no net g’hört! |
| Baron | Baron: |
| (nun wieder versichert, daß es die Zofe ist, zwingt sich zu einem Lächeln. Aber der Schreck ist ihm nicht ganz aus den Gliedern. Er muß Luft schöpfen und der Kuß bleibt aufgeschoben. Der Mann unter der Falltür öffnet zu früh und kommt zum Vorschein). | (nun wieder versichert, dass es die Zofe ist, zwingt sich zu einem Lächeln. Aber der Schreck ist ihm nicht ganz aus den Gliedern. Er muss Luft schöpfen und der Kuss bleibt aufgeschoben. Der Mann unter der Falltür öffnet zu früh und kommt zum Vorschein.[)] |
| Octavian | Octavian: |
| (der ihm gegenübersitzt, winkt ihm eifrig zu verschwinden. Der Mann verschwindet sofort. Baron, der, um den unangenehmen Eindruck von sich abzuschütteln, ein paar Schritte getan hat und sie von rückwärts umschlingen und küssen will, sieht gerade noch den Mann. Er erschrickt heftig, zeigt hin). | Octavian [sic] der ihm gegenübersitzt, winkt ihm eifrig zu verschwinden. Der Mann verschwindet sofort. Baron, der, um den unangenehmen Eindruck von sich abzuschütteln, ein paar Schritte getan hat und sie von rückwärts umschlingen und küssen will, sieht gerade noch den Mann. Er erschrickt heftig, zeigt hin. |
| Octavian | Octavian: |
| (als verstände er nicht). | (als verstände er nicht) |
| Was ist mit Ihm? | Was ist mit ihm? |
| Baron | Baron: |
| (auf die Stelle deutend, wo die Erscheinung verschwunden ist). | (auf die Stelle deutend, wo die Erscheinung verschwunden ist). |
| Was war denn das? Hat Sie den nicht gesehn? | Was war denn das? Hat Sie den nicht geseh’n? |
| Octavian. | Octavian: |
| Da is ja nix. | Da is ja nix. |
| Baron. | Baron: |
| Da is nix? | Da is nix? |
| (Nun wieder ihr Gesicht angstvoll musternd.) | (nun wieder ihr Gesicht angstvoll musternd) |
| So? | So? |
| Und da ist auch nix? | Und da is auch nix? |
| (Fährt mit der Hand über ihr Gesicht). | (fährt mit der Hand über ihr Gesicht). |
| Octavian. | Octavian: |
| Da is mei’ G’sicht. | Da is mei’ G’sicht. |
| Baron | Baron: |
| (atmet schwer, schenkt sich ein Glas Wein ein). | (atmet schwer, schenkt sich ein Glas Wein ein) |
| Da is Ihr G’sicht – und da is nix – mir scheint, | Da is Ihr G’sicht – und da is nix – mir scheint, |
| ich hab’ die Kongestion. | ich hab’ die Congestion. |
| (Setzt sich schwer, es ist ihm ängstlich zumute. Die Tür geht auf, man hört draußen wieder die Musik. Der Lakai kommt und serviert.) | (setzt sich schwer, es ist ihm ängstlich zu Mute. Die Tür geht auf, man hört draussen wieder die Musik). |
| Der Lakai kommt und serviert. | |
| Octavian | Octavian: |
| (sehr weich). | (sehr weich) |
| Die schöne Musik! | Die schöne Musik! |
| Baron | Baron: |
| (wieder sehr laut). | (wieder sehr laut) |
| Is mei Leiblied, weiß Sie das? | Is mei Leiblied, weiss Sie das? |
| Octavian | Octavian: |
| (horcht auf die Musik). | (horcht auf die Musik) |
| Da muß ma weinen. | Da muss ma weinen. |
| Baron. | Baron: |
| Was? | Was? |
| Octavian. | Octavian: |
| Weil’s gar so schön is. | Weils gar so schön is. |
| Baron. | Baron: |
| Was, weinen? Wär’ nicht schlecht. | Was, weinen? Wär’ nicht schlecht. |
| Kreuzlustig muß Sie sein, die Musik geht ins Blut. | Kreuzlustig muss Sie sein, die Musik geht in’s Blut. |
| (Sentimental.) | (sentimental) |
| G’spürt Sie’s jetzt – | G’spürt Sie’s jetzt |
| (Winkt dem Lakaien abzugehen.) | (winkt dem Lakaien abzugehen) |
| Auf die letzt, g’spürt Sie’s dahier, | Auf die letzt, g’spürt Sie’s dahier, |
| Daß Sie aus mir | Dass Sie aus mir, |
| Kann machen alles frei, was Sie nur will. | Kann machen alles frei, was Sie nur will. |
| Der Lakai | Der Lakai: |
| (geht zögernd ab, öffnet nochmals die Tür, schaut mit frecher Neugierde herein und verschwindet erst auf einen neuen heftigen Wink des Barons gänzlich). | (geht zögernd ab, öffnet nochmals die Tür, schaut mit frecher Neugierde herein und verschwindet erst auf einen neuen heftigen Wink des Barons gänzlich.) |
| Octavian | Octavian: |
| (zurückgelehnt, wie zu sich selbst sprechend, mit unmäßiger Traurigkeit). | (zurückgelehnt, wie zu sich selbst sprechend mit unmässiger Traurigkeit.) |
| Es is ja eh als [sic] eins, es is ja eh als [sic] eins, | Es is ja eh als [sic] eins, es is ja eh als [sic] eins, – |
| Was ein Herz noch so gach begehrt. | Was ein Herz auch noch so gach begehrt |
| (Indes der Baron ihre Hand faßt.) | (indess der Baron ihre Hand fasst). |
| Geh’, es is ja all’s net drumi wert. | Geh’ es is ja all’s net drumi wert. |
| Baron | Baron: |
| (läßt ihre Hand fahren). | (lässt ihre Hand fahren) |
| Ei, was denn? Is sehr wohl der Müh’ wert. | Ei was denn? Is sehr wohl der Müh’ wert! |
| Octavian | Octavian: |
| (immer gleich melancholisch, wirft dem Baron schmachtende Blicke zu). | (immer gleich melancholisch, wirft dem Baron schmachtende Blicke zu). |
| Wie die Stund’ hingeht, wie der Wind verweht, | Wie die Stund hingeht, wie der Wind verweht, |
| So sind wir bald alle zwei dahin. | So sind wir bald alle zwei dahin. |
| Menschen sin’ ma halt. | Menschen sin’ ma halt, |
| (Schmachtender Blick auf den Baron.) | (schmachtender Blick auf den Baron). |
| Richtn’s nichts [sic] mit G’walt, | richtn’s nicht mit G’walt |
| Weint uns niemand nach, net dir net und net mir. | Weint uns niemand nach, net dir net und net mir. |
| Baron. | Baron: |
| Macht Sie der Wein leicht immer so? Is ganz gewiß Ihr Mieder, | Macht Sie der Wein leicht immer so? |
| das aufs Herzerl Ihr druckt. | Is ganz gewiss Ihr Mieder, das auf’s Herzerl druckt. |
| Octavian | Octavian: |
| (mit geschlossenen Augen, gibt keine Antwort). | (mit geschlossenen Augen gibt keine Antwort.) |
| Baron | Baron: |
| (steht auf und will ihr das Mieder aufschnüren). | (steht auf und will ihr das Mieder aufschnüren.) |
| Jetzt wird’s frei mir a bisserl heiß. | Jetzt wird’s frei mir a bisserl heiss. |
| (Schnell entschlossen nimmt er seine Perücke ab und sucht sich einen Platz, sie abzulegen, [sic] Indem erblickt er ein Gesicht, das sich wieder im Alkoven zeigt und ihn anstarrt. Das Gesicht verschwindet gleich wieder. Er sagt sich: Kongestionen! und verscheucht den Schrecken, muß sich aber doch die Stirne abwischen. Sieht nun wieder die Zofe willenlos wie mit gelösten Gliedern dasitzen. Das ist stärker als alles, und er nähert sich ihr zärtlich. Da meint er wieder das Gesicht Octavians ganz nahe dem seinigen zu erkennen, und er fährt abermals zurück. Mariandl rührt sich kaum. Abermals verscheucht der Baron sich den Schreck, zwingt Munterkeit in sein Gesicht zurück, da fällt sein Auge abermals auf einen fremden Kopf, welcher aus der Wand hervorstarrt. Nun ist er maßlos geängstigt, er schreit dumpf auf, ergreift die Tischglocke und schwingt sie wie rasend.) | (schnell entschlossen nimmt er seine Perücke ab und sucht sich einen Platz, sie abzulegen. Indem erblickt er ein Gesicht, das sich wieder im Alkoven zeigt und ihn anstarrt. Das Gesicht verschwindet gleich wieder. Er sagt sich: Congestionen! und verscheucht den Schrecken, muss sich aber doch die Stirne abwischen. Sieht nun wieder die Zofe, willenlos wie mit gelösten Gliedern dasitzen. Das ist stärker als alles und er nähert sich ihr zärtlich. Da meint er wieder das Gesicht Octavians ganz nahe dem seinigen zu erkennen und er fährt abermals zurück. Mariandl rührt sich kaum. Abermals verscheucht der Baron sich den Schreck, zwingt Munterkeit in sein Gesicht zurück, da fällt sein Auge abermals auf einen fremden Kopf, welcher aus der Wand hervorstarrt. Nun ist er masslos geängstigt, er schreit dumpf auf, ergreift die Tischglocke und schwingt sie wie rasend.) |
| Da und da und da und da! | Da und da und da und da! |
| (Plötzlich springt das angeblich blinde Fenster auf. Annina in schwarzer Trauerkleidung erscheint und zeigt mit ausgestreckten Armen auf den Baron.) | (Plötzlich springt das angeblich blinde Fenster auf, Annina in schwarzer Trauerkleidung erscheint und zeigt mit ausgestreckten Armen auf den Baron.) |
| Baron | Baron: |
| (außer sich vor Angst). | (auser [sic] sich vor Angst) |
| Da und da und da und da! | Da und da und da und da! |
| (Sucht sich den Rücken zu decken.) | (sucht sich den Rücken zu decken) |
| Annina. | Annina: |
| Er ist es! Es ist mein Mann! Er ist’s! | Er ist es! Es ist mein Mann! Er ist’s! |
| (Verschwindet.) | (verschwindet) |
| Baron | Baron: |
| (angstvoll). | (angstvoll) |
| Was ist denn das? | Was ist denn das? |
| Octavian. | Octavian: |
| Das Zimmer ist verhext. | Das Zimmer is verhext. |
| (Schlägt ein Kreuz.) | (schlägt ein Kreuz) |
| Annina | Annina: |
| (gefolgt von dem Intriganten, der sie scheinbar anzuhalten sucht, vom Wirt und von drei Kellnern, stürzt zur Mitteltür herein; sie bedient sich des böhmisch-deutschen Akzents, aber gebildeter Sprechweise). | (gefolgt von dem Intriganten, der sie scheinbar anzuhalten sucht, vom Wirt und von drei Kellnern, stürzt zur Mitteltür herein; sie bedient sich des böhmisch-deutschen Akzents, aber gebildeter Sprechweise.) |
| Es ist mein Mann, ich leg’ Beschlag auf ihn! | Es ist mein Mann, ich leg’ Beschlag auf ihn! |
| Gott ist mein Zeuge, Sie sind meine Zeugen! | Gott ist mein Zeuge, Sie sind meine Zeugen! |
| Gerichte! Hohe Obrigkeit! Die Kaiserin | Gerichte! Hohe Obrigkeit! Die Kaiserin |
| muß ihn mir wiedergeben! | muss ihn mir wiedergeben! |
| Baron | Baron: |
| (zum Wirt). | (zum Wirt) |
| Was will das Weibsbild da von mir, Herr Wirt! | Was will das Weibsbild da von mir, Herr Wirt! |
| Was will der dort und der und der und der? | Was will der dort und der und der und der? |
| (Zeigt nach allen Richtungen.) | (zeigt nach allen Richtungen.) |
| Der Teufel frequentier’ sein gottverfluchtes Extrazimmer! | Der Teufel frequentier’ sein gottverfluchtes Extrazimmer! |
| Annina. | Annina: |
| Er wagt mich zu verleugnen, ah! | Er wagt mich zu verleugnen, ah! |
| Er tut, als ob er mich nicht täte kennen! | Er tut, als ob er mich nicht täte kennen! |
| Baron | Baron: |
| (hat sich eine kalte Kompresse auf den Kopf gelegt, hält sie mit der Linken fest, geht dann dicht auf die Kellner, den Wirt, zuletzt auf Annina zu, mustert sie ganz scharf, um sich über ihre Realität klar zu werden). | (hat sich eine kalte Kompresse auf den Kopf gelegt, hält sie mit der Linken fest, geht dann dicht auf die Kellner, den Wirt, zuletzt auf Annina zu, mustert sie ganz scharf um sich über ihre Realität klar zu werden). |
| Is auch lebendig! | Is auch lebendig! |
| (Wirft die Kompresse weg. Sehr bestimmt.) | (wirft die Kompresse weg. Sehr bestimmt). |
| Ich hab’, wahrhaftigen Gott, das Möbel nie geseh’n! | Ich hab’ wahrhaftigen Gott das Möbel nie gesehn! |
| (zum Wirt). | (zum Wirt) |
| Debarassier’ [sic] Er mich und lass’ Er fort servier’n! | Debarassier [sic] Er mich und lass’ Er fort servier’n! |
| Ich hab’ sein Beisl heut zum letztenmal betreten. | Ich hab’ sein Beisl heut zum letztenmal betreten. |
| Annina | Annina: |
| (als entdeckte sie jetzt erst die Gegenwart Octavians.) | (als entdeckte sie jetzt erst die Gegenwart Octavians) |
| Ah! Es ist wahr, was mir berichtet wurde, | Ah! Es ist wahr was mir berichtet wurde, |
| Er will ein zweites Mal heiraten, der Infame, | Er will ein zweitesmal heiraten, der Infame, |
| Ein zweites unschuldiges Mädchen, so wie ich es war! | Ein zweites unschuldiges Mädchen so wie ich es[ ]war! |
| Wirt | Wirt: |
| (erschrocken). | (erschrocken) |
| Kellner. | Kellner: |
| Oh, Euer Gnaden! | Oh, Euer Gnaden! |
| Baron. | Baron: |
| Bin ich in einem Narrnturm? Kreuzelement! | Bin ich in einem Narrnturm? Kreuzelement! |
| (Schüttelt kräftig mit der Linken Valzacchi, der ihm zunächst steht.) | (schüttelt kräftig mit der Linken Valzacchi, der ihm zunächst steht.) |
| Bin ich der Baron von Lerchenau oder bin ich es nicht? | Bin ich der Baron Lerchenau oder bin ich es nicht? |
| Bin ich bei mir? | Bin ich bei mir? |
| (Fährt mit dem Finger ins Licht.) | (fährt mit dem Finger ins Licht) |
| Is das ein Kerzl? | Is’ das ein Kerzl, |
| (Schlägt mit der Serviette durch die Luft.) | (schlägt mit der Serviette durch die Luft). |
| Is das ein Serviettl? | Is das ein Serviettl? |
| Annina. | Annina: |
| Ja, ja, du bist es und so wahr, als du es bist, | Ja, ja du bist es und so wahr als du es bist, |
| bin ich es auch und du erkennst mich wohl, | Bin ich es auch und du erkennst mich wohl, |
| Leupold bedenk’: | Leupold bedenk’: |
| Anton von Lerchenau, dort oben richtet dich ein Höherer! | Leupold Anton von Lerchenau, dort oben richtet dich ein Höherer! |
| (Erschrickt zuerst heftig, daß sie in ihrer Anrede unterbrochen wird, faßt sich aber schnell.) | (erschrickt zuerst heftig, dass sie in ihrer Anrede unterbrochen wird, fasst sich aber schnell). |
| Baron | Baron: |
| (starrt sie fassungslos an). | (starrt sie fassungslos an.) |
| Kommt mir bekannt vor. | Kommt mir bekannt vor. |
| (Sieht wieder auf Octavian.) | (sieht wieder auf Octavian) |
| Hab’n doppelte Gesichter alle miteinander. | Hab’n doppelte Gesichter alle mit einander. |
| Wirt. | Wirt: |
| Die arme Frau Baronin! | Die arme Frau Baronin! |
| Kellner. | Kellner: |
| Die arme Frau, die arme Frau Baronin! | Die arme Frau, die arme Frau Baronin! |
| Vier Kinder | |
| (zwischen vier und zehn Jahren stürzen zu früh herein und auf den Baron zu): | [(]Vier Kinder zwischen vier und zehn Jahren, stürzen zu früh herein und auf den Baron zu): |
| Papa! Papa! Papa! | Papa! Papa! Papa! |
| Annina. | Annina: |
| Hörst du die Stimme deines Blutes!? | Hörst du die Stimme deines Blutes!? |
| Kinder, hebt eure Hände auf zu ihm! | Kinder, hebt Eure Hände auf zu ihm! |
| Baron | Baron: |
| (schlägt wütend mit einer Serviette, die er vom Tisch reißt, nach den Kindern; zum Wirt). | (schlägt wütend mit einer Serviette[,] die er vom Tisch reisst, nach den Kindern, zum Wirt). |
| Debarassier’ [sic] Er mich von denen da, | Debarassier [sic] Er mich von Denen da, |
| Von der, von dem, von dem, von dem! | Von der, von dem, von dem, von dem! |
| (Zeigt nach allen Richtungen. Valzacchi indessen zu Octavian leise.) | (zeigt nach allen Richtungen). |
| Valzacchi indessen zu Octavian leise | |
| Octavian | Octavian: |
| (zu Valzacchi). | (zu Valzacchi) |
| Ist gleich wer fort, den Faninal zu holen? | Ist gleich wer fort, den Faninal zu holen? |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (leise). | (leise) |
| Sogleich in Anfang. Wird sogleich zur Stelle sein. | Sogleich in Anfang. Wird sogleich zur Stelle sein. |
| Wirt | Wirt: |
| (im Rücken des Barons leise). | (im Rücken des Barons leise) |
| Halten zu Gnaden, gehen nit zu weit, | Halten zu Gnaden, geh’n nit zu weit, |
| könnten recht böse Folgen g’spüren! Bitterböse! | Könnten recht böse Folgen g’spür’n! Bitterböse! |
| Baron. | Baron: |
| Was? ich was g’spür’n? Von dem Möbel da? | Was? ich was g’spür’n? von dem Möbel da? |
| Hab’s nie nicht angerührt, nicht mit der Feuerzang’! | Hab’s nie nicht angerührt, nicht mit der Feuerzang’! |
| Annina | Annina: |
| (schreit laut auf). | (schreit laut auf) |
| Aah! | Aah! |
| Wirt | Wirt: |
| (wie oben). | (wie oben) |
| Die Bigamie ist halt kein G’spaß, | Die Bigamie ist halt kein G’spass, |
| Is gar ein Kapitalverbrechen! | Is halt ein kapital Verbrechen [sic]! |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (zum Baron leise). | (zum Baron leise) |
| Ik rat’ Euer Gnaden, sei’n vorsiktig, | Ik rat Euer Gnaden, sei’n vorsiktig |
| Die Sittenpolizei sein gar nicht tolerant! | Die Sittenpolizei sein gar nicht tolerant! |
| Baron. | Baron: |
| Die Bigamie? Die Sittenpolizei? | Die Bigamie? Die Sittenpolizei? |
| (Die Stimmen der Kinder nachahmend.) | (die Stimmen der Kinder nachahmend) |
| Papa, Papa, Papa? | Papa, Papa, Papa? |
| (Greift sich wie verloren an den Kopf, dann wütend.) | (greift sich wie verloren an den Kopf, dann wütend). |
| Schmeiß’ Er hinaus das Trauerpferd! Wer? Was? Er will nicht? | Schmeiss Er hinaus das Trauerpferd! Wer? Was? Er will nicht? |
| Was? Polizei! Die Lackln woll’n nicht? Spielt das Gelichter | Was? Polizei! Die Lackln woll’n nicht? Spielt das Gelichter |
| Leicht alles unter einem Leder? | Leicht Alls unter einem Leder? |
| Sein wir in Frankreich? Sein wir unter Kurutzen? | Sein wir in Frankreich? Sein wir unter die Kurutzen? |
| Oder in kaiserlicher Hauptstadt? | Oder in kaiserlicher Hauptstadt? |
| (Reißt das Gassenfenster auf.) | (reisst das Gassenfenster auf) |
| Polizei! | Polizei! |
| Herauf da, Polizei: Gilt Ordnung herzustellen | Herauf da, Polizei! Gilt Ordnung herzustellen |
| Und einer Stand’sperson zu Hilf’ zu eilen! | Und einer Stand’sperson zu Hilf’ zu eilen! |
| (Man hört auf der Gasse laute Rufe nach der Polizei.) | (Man hört auf der Gasse laute Rufe nach der Polizei) |
| Wirt | Wirt: |
| (jammernd). | (jammernd) |
| Mein renommiertes Haus! Das muß mein Haus erleben | Mein renommiertes Haus! Das muss mein Haus erleben! |
| Die Kinder | Die Kinder: |
| (plärrend). | (plärrend) |
| Papa! Papa! Papa! | Papa! Papa! Papa! |
| (Kommissarius mit zwei Wächtern treten [sic] auf. Alles rangiert sich, ihnen Platz zu machen.) | Kommissarius mit zwei Wächtern treten [sic] auf. Alles rangiert sich, ihnen Platz zu machen. |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (zu Octavian). | (zu Octavian) |
| Oh weh, was maken wir? | Oh weh, was maken wir? |
| Octavian. | Octavian: |
| Verlass’ Er sich auf mich und lass’ Er’s gehn, wie’s geht. | Verlass’ Er sich auf mich und lass’ Er’s geh’n wie’s geht. |
| Valzacchi. | Valzacchi: |
| Zu Euer Exzellenz Befehl! | Zu Euer Excellenz Befehl! |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (scharf). | (scharf) |
| Halt! Keiner rührt sich! Was ist los? | Halt! Keiner rührt sich! Was ist los? |
| Wer hat um Hilf’ geschrien? Wer hat Skandal gemacht? | Wer hat um Hilf’ geschrie’n? Wer hat Skandal gemacht? |
| Baron | Baron: |
| (auf ihn zu, mit der Sicherheit des großen Herrn). | (auf ihn zu, mit der Sicherheit des grossen Herrn). |
| Is all’s in Ordnung jetzt. Bin mit Ihm wohl zufrieden. | Is alls in Ordnung jetzt. Bin mit ihm wohl zufrieden. |
| Hab’ gleich verhofft, daß in Wien all’s so wie am Schnürl geht. | Hab’ gleich verhofft, dass in Wien all’s recht wie am Schnürl geht. |
| (Vergnügt.) | (vergnügt) |
| Schaff’ Er mir da das Pack vom Hals. Ich will in Ruh’ soupieren. | Schaff’ Er das Pack mir da vom Hals. Ich will in Ruh’ soupieren. |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Wer ist der Herr? Was gibt dem Herrn Befugnis? | Wer ist der Herr? Was gibt dem Herrn Befugnis? |
| Ist Er der Wirt? | Ist Er der Wirt? |
| (Baron sperrt den Mund auf.) | Baron sperrt den Mund auf. |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (scharf). | (scharf) |
| Dann halt’ Er sich gefällig still | Dann halt Er sich gefällig still |
| Und wart’ Er, bis man ihn vernehmen wird. | Und wart’ Er bis man ihn vernehmen wird. |
| Baron | Baron: |
| (retiriert sich etwas, perplex, beginnt nach seiner Perücke zu suchen, die in dem Tumult abhanden gekommen ist und unauffindbar bleibt). | (retiriert sich etwas perplex, beginnt nach seiner Perücke zu suchen, die in dem Tumult abhanden gekommen ist und unauffindbar bleibt.) |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (setzt sich, die zwei Wächter nehmen hinter ihm Stellung). | (setzt sich, die zwei Wächter nehmen hinter ihm Stellung) |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Wo ist der Wirt? | Wo ist der Wirt? |
| Wirt | Wirt: |
| (devot). | (devot) |
| Mich dem Herrn Oberkommissarius schönstens zu rekommandieren. | Mich dem Herrn Oberkommissarius schönstens zu rekommandieren. |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Die Wirtschaft da rekommandiert Ihn schlecht. | Die Wirtschaft da rekommandiert Ihn schlecht, |
| Bericht’ Er jetzt! Von Anfang! | Bericht Er jetzt! Von Anfang! |
| Wirt. | Wirt: |
| Herr Kommissar! Der Herr Baron – | Herr Kommissar! Der Herr Baron – |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Der große Dicke da? Wo hat er sein Paruckl? | Der grosse Dicke da? Wo hat er sein Paruckl? |
| Baron | Baron: |
| (der die ganze Zeit gesucht hat). | (der die ganze Zeit gesucht hat) |
| Das frag’ ich Ihn! | Das frag’ ich Ihn! |
| Wirt. | Wirt: |
| Das ist der Herr Baron von Lerchenau! | Das ist der Herr Baron von Lerchenau! |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Genügt nicht. | Genügt nicht. |
| Baron. | Baron: |
| Was? | Was? |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Hat Er Personen nahebei, | Hat Er Personen nahebei, |
| Die für Ihn Zeugnis geben? | Die für Ihn Zeugnis geben? |
| Baron. | Baron: |
| Gleich bei der Hand! Da hier mein Sekretär, ein Italiener. | Gleich bei der Hand! Da hier mein Sekretär, ein Italiener. |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (wechselt mit Octavian einen Blick des Einverständnisses). | (wechselt mit Octavian einen Blick des Einverständnisses) |
| Ik exkusier’ mik. Ik weiß nix. Die Herr | Ik excusier mik. Ik weiss nix. Die Herr |
| kann sein Baron, kann sein auch nit. Ik weiß von nix. | kann sein Baron, kann sein auch nit. Ik weiss von nix. |
| Baron | Baron: |
| (außer sich). | (ausser sich) |
| Das ist doch stark, wällisches Luder, falsches! | Das ist doch stark, wällischer Bruder, falscher! |
| (Geht mit erhobener Linken auf ihn los.) | (Geht mit erhobener Linken auf ihn los). |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (zum Baron, scharf). | (zum Baron scharf) |
| Fürs erste moderier’ Er sich. | Für’s erste moderier’ Er sich. |
| Octavian | Octavian: |
| (der bis jetzt ruhig rechts gestanden, tut nun, als ob er, in Verzweiflung hin und her irrend, den Ausweg nicht fände und das Fenster für eine Ausgangstür hält). | (der bisher ruhig rechts gestanden, tut nun, als ob er in Verzweiflung hin und her irrend, den Ausweg nicht fände und das Fenster für eine Ausgangstür hält.[)] |
| Oh mein Gott in die Erd’n möcht’ ich sinken! | Oh mein Gott, in die Erd’n möcht’ ich sinken! |
| Heilige Mutter von Maria Taferl! | Heilige Mutter von Maria Taferl! |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Wer ist dort die junge Person? | Wer ist dort die junge Person? |
| Baron. | Baron: |
| Die? Niemand. Sie steht unter meiner Protektion! | Die? Niemand. Sie steht unter meiner Protektion! |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Er selber wird bald eine Protektion sehr nötig haben. | Er selber wird bald eine Protektion sehr nötig haben. |
| Wer ist das junge Ding, was macht Sie hier? | Wer ist das junge Ding, was macht sie hier? |
| (Blickt um sich.) | (blickt um sich) |
| Ich will nicht hoffen, daß Er ein gottverdammter Debauchierer | Ich will nicht hoffen, dass Er ein gottverdammter Debauchierer |
| Und Verführer ist! Da könnt’s ihm schlecht ergehn. | Und Verführer ist! Da könnt’s ihm schlecht ergeh’n. |
| Wie kommt Er zu dem Mädel? Antwort will ich | Wie kommt Er zu dem Mädel? Antwort will ich. |
| Octavian. | Octavian: |
| I geh’ ins Wasser! | I geh ins Wasser! |
| (Rennt gegen den Alkoven, wie um zu flüchten, und reißt den Vorhang auf, so daß man das Bett friedlich beleuchtet dastehen sieht.) | (rennt gegen den Alkoven, wie um zu flüchten, und reisst den Vorhang auf, sodass man das Bett friedlich beleuchtet dastehen sieht). |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (erhebt sich). | (erhebt sich) |
| Herr Wirt, was seh’ ich da? | Herr Wirt, was seh ich da? |
| Was für ein Handwerk treibt denn Er? | Was für ein Handwerk treibt denn Er? |
| Wirt | Wirt: |
| (verlegen). | (verlegen) |
| Wenn ich Personen von Stand zum Speisen oder Nachtmahl hab’ – | Wenn ich Personen von Stand zum Speisen oder Nachtmahl hab’ – |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Halt’ Er den Mund. Ihn nehm’ ich später vor. | Halt Er den Mund. Ich nehm’ Ihn später vor. |
| (Zum Baron.) | (zum Baron) |
| Jetzt zähl’ ich noch bis drei, dann will ich wissen, | Jetzt zähl’ ich noch bis drei, dann will ich wissen, |
| wie Er da zu dem jungen Bürgermädchen kommt! | Wie Er da zu dem jungen Bürgermädchen kommt! |
| Ich will nicht hoffen, daß Er sich einer falschen Aussag’ wird unterfangen. | Ich will nicht hoffen, dass Er sich einer falschen Aussag’ wird unterfangen. |
| (Wirt und Valzacchi deuten dem Baron durch Gebärden die Gefährlichkeit der Situation und die Wichtigkeit seiner Aussage an.) | Wirt und Valzacchi deuten dem Baron durch Gebärden die Gefährlichkeit der Situation und die Wichtigkeit seiner Aussage an. |
| Baron | Baron: |
| (winkt ihnen mit großer Sicherheit, sich auf ihn zu verlassen, er sei kein heuriger Haas). | (winkt ihnen mit grosser Sicherheit, sich auf ihn zu verlassen, er sei kein heuriger Haas.[)] |
| Wird wohl kein Anstand sein bei Ihm, Herr Kommissar, | Wird wohl kein Anstand sein bei Ihm, Herr Kommissar, |
| Wenn eine Standsperson mit seiner ihm verlobten Braut | Wenn eine Standsperson mit seiner ihm verlobten Braut |
| Um neune abends ein Souper einnehmen tut. | Um neune abends ein Souper einnehmen tut, [sic] |
| (Blickt um sich, die Wirkung seiner schlauen Aussage abzuwarten.) | (blickt um sich, die Wirkung seiner schlauen Aussage abzuwarten). |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Da wäre Seine Braut? Geb’ Er den Namen an | Das wäre seine Braut? Geb’ Er den Namen an |
| Vom Vater und’s Logis. Wenn seine Angab’ stimmt, | Vom Vater und’s Logis. Wenn seine Angab’ stimmt |
| Mag er sich mit der Jungfer retirieren. | Mag Er sich mit der Jungfer retirieren. |
| Baron. | Baron: |
| Ich bin wahrhaftig nicht gewohnt, in dieser Weise – | Ich bin wahrhaftig nicht gewohnt, in dieser Weise[ ]– |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (scharf). | (scharf) |
| Mach’ Er sein Aussag’ oder ich zieh’ andere Saiten auf. | Mach’ Er sein Aussag’ oder ich zieh’ andere Seiten [sic] auf. |
| Baron. | Baron: |
| Werd’ nicht mankieren. Ist die Jungfer Faninal | Werd’ nicht mankieren. Ist die Jungfer Faninal |
| Sophia Anna Barbara, eheliche Tochter | Sophia Anna Barbara, ehliche Tochter |
| des wohlgeborenen Herrn von Faninal, | Des wohlgeborenen Herrn von Faninal, |
| Wohnhaft am »Hof« im eignen Palais. | Wohnhaft am »Hof« im eigenen Palais. |
| (An der Tür haben sich Gasthofpersonal, andere Gäste, auch einige der Musiker aus dem anderen Zimmer neugierig angesammelt. Herr von Faninal drängt sich durch sie durch, eilig aufgeregt in Hut und Mantel.) | An der Tür haben sich Gasthofpersonal, andere Gäste, auch einige der Musiker aus dem anderen Zimmer neugierig angesammelt. Herr von Faninal drängt sich durch sie durch, eilig aufgeregt in Hut und Mantel. |
| Faninal. | Faninal: |
| Zur Stell’! Was wird von mir gewünscht? | Zur Stell’! Was wird von mir gewünscht? |
| (Auf den Baron zu.) | (auf den Baron zu) |
| Wie sieht Er aus? | Wie sieht Er aus? |
| War mir vermutend nicht zu dieser Stunde, | War mir vermutend nicht zu dieser Stunde. [sic] |
| in ein gemeines Beisl depeschiert zu werden! | In ein gemeines Beisl depeschiert zu werden! |
| Baron | Baron: |
| (sehr erstaunt und unangenehm berührt). | (sehr erstaunt und unangenehm berührt) |
| Wer hat Ihn hierher depeschiert? In des Dreiteufels Namen? | Wer hat ihn hierher depeschiert? In des Dreiteufels Namen? |
| Faninal | Faninal: |
| (halblaut zu ihm). | (halblaut zu ihm) |
| Was soll mir die saudumme Frag’, Herr Schwiegersohn? | Was soll mir die saudumme Frag’, Herr Schwiegersohn? |
| Wo Er mir schier die Tür einrennen läßt mit Botschaft, | Wo Er mir schier die Tür einrennen lässt mit Botschaft, |
| Ich soll sehr schnell | Ich soll sehr schnell |
| Herbei und Ihn in einer üblen Lage soutenieren, | Herbei und ihm in einer üblen Lage soutenieren |
| In die Er unverschuldter Weise geraten ist! | In die Er unverschuld’ter Weise geraten ist! |
| Baron | Baron: |
| (greift sich an den Kopf). | (greift sich an den Kopf.) |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Wer ist der Herr? Was schafft der Herr mit Ihm? | Wer ist der Herr? Was schafft der Herr mit Ihm? |
| Baron. | Baron: |
| Nichts von Bedeutung. Ist bloß ein Bekannter, | Nichts von Bedeutung. Ist blos ein Bekannter, |
| hält sich per Zufall hier im Gasthaus auf. | hält sich per Zufall hier im Gasthaus auf. |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Der Herr geb’ seinen Namen an! | Der Herr geb’ seinen Namen an! |
| Faninal. | Faninal: |
| Ich bin der Edle von Faninal. | Ich bin der Edle von Faninal. |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Somit ist dies der Vater – | Somit ist dies der Vater – |
| Baron | Baron: |
| (stellt sich dazwischen, deckt Octavian vor Faninals Blick, eifrig.) | (stellt sich dazwischen, deckt Octavian vor Faninals Blick, eifrig.) |
| Beileib’ gar nicht die Spur. Ist ein Verwandter, | Beileib’ gar nicht die Spur. Ist ein Verwandter, |
| Ein Bruder, ein Neveu! Der wirkliche | Ein Bruder, ein Neveu! Der wirkliche |
| Ist noch einmal so dick! | Ist noch einmal so dick! |
| Faninal | Faninal: |
| (sehr erstaunt). | (sehr erstaunt) |
| Was geht hier vor? Wie sieht Er aus? Ich bin der Vater, freilich! | Was geht hier vor? Wie sieht Er aus? Ich bin der Vater, freilich! |
| Baron | Baron: |
| (will ihn forthaben). | (will ihn forthaben) |
| Das Weitre findet sich, verzieh’ Er sich. | Das Weitre findet sich, verzieh Er sich. |
| Faninal. | Faninal: |
| Ich muß schon bitten – | Ich muss schon bitten – |
| Baron. | Baron: |
| Fahr’ Er heim in Teufels Namen. | Fahr’ Er heim in Teufels Namen. |
| Faninal | Faninal: |
| (immer ärgerlich). | (immer ärgerlich) |
| Mein Nam’ und Ehr’ in einen solchen Händel zu melieren. | Mein Nam’ und Ehr’ in einen solchen Händel zu melieren, |
| Herr Schwiegersohn! | Herr Schwiegersohn! |
| Baron | Baron: |
| (versucht ihm den Mund zuzuhalten, zum Kapitän [sic]). | (versucht ihm den Mund zuzuhalten, zum Kommissar) |
| Ist eine idée fixe! | Ist eine idée fixe! |
| Benennt mich also nur im G’spaß! | Benennt mich also nur im G’spass! |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Ja, ja, genügt schon. | Ja, ja, genügt schon. |
| (Zu Faninal.) | (Zu Faninal) |
| Er erkennt demnach | Er erkennt demnach |
| in diesem Herrn hier Seinen Schwiegersohn? | in diesem Herrn hier seinen Schwiegersohn? |
| Faninal. | Faninal: |
| Sehr wohl! Wie sollt’ ich Ihn nicht erkennen? | Sehr wohl! Wieso sollt’ ich ihn nicht erkennen? |
| Leicht, weil Er keine Haar nicht hat? | Leicht weil er keine Haar nicht hat? |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (zum Baron). | (zum Baron) |
| Und Er erkennt nunmehr wohl auch in diesem Herrn | Und Er erkennt nunmehr wohl auch in diesem Herrn, |
| Wohl oder übel Seinen Schwiegervater? | Wohl oder übel seinen Schwiegervater? |
| Baron | Baron: |
| (nimmt den Leuchter vom Tisch, beleuchtet sich Faninal genau). | (nimmt den Leuchter vom Tisch, beleuchtet sich Faninal genau) |
| So so, lala! Ja, ja, wird schon derselbe sein. | Soso, lala! Ja, ja, wird schon derselbe sein. |
| War heut den ganzen Abend gar nicht recht beinand’, | War heut’ den ganzen Abend gar nicht recht beinand’ |
| Kann meinen Augen heut nicht traun. Muß Ihm sagen, | Kann meinen Augen heut’ nicht trau’n. Muss Ihm sagen, |
| Liegt hier was in der Luft, man kriegt die Kongestion davon. | Liegt hier was in der Luft, man kriegt die Congestion davon. |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (zum [sic] Faninal). | (zum [sic] Faninal) |
| Dagegen wird von Ihm die Vaterschaft | Dagegen wird von ihm die Vaterschaft |
| zu dieser Ihm verbatim zugeschobenen Tochter | zu dieser Ihm verbatim zugeschobenen Tochter |
| Geleugnet. | Geleugnet? |
| Faninal | Faninal: |
| (bemerkt jetzt erst Octavian). | (bemerkt jetzt erst Octavian) |
| Meine Tochter? Da der Fetzen, | Meine Tochter? Da der Fetzen, |
| Gibt sich für meine Tochter aus? | Gibt sich für meine Tochter aus? |
| Baron | Baron: |
| (gezwungen lächelnd). | (gezwungen lächelnd) |
| Ein G’spaß! Ein purer Mißverstand! Der Wirt | Ein G’spass! Ein purer Missverstand! Der Wirt |
| Hat dem Herrn Kommissarius da was vorerzählt | Hat dem Herrn Kommissarius da was vorerzählt |
| Von meiner Brautschaft mit der Faninalischen. | Von meiner Brautschaft mit der Faninalischen. |
| Wirt | Wirt: |
| (aufgeregt). | (aufgeregt) |
| Kein Wort! Kein Wort! Herr Kommissarius! Laut eigner Aussag’ – | Kein Wort! Kein Wort! Herr Kommissarius! Laut eig’ner Aussag’ – |
| Faninal | Faninal: |
| (außer sich). | (ausser sich) |
| Das Weibsbild arretieren! Kommt am Pranger! | Das Weibsbild arretieren! Kommt am Pranger! |
| Wird ausgepeitscht! Wird eingekastelt in ein Kloster! | Wird ausgepeitscht! Wird eingekastelt in ein Kloster! |
| Ich – ich – | Ich – ich – |
| Baron. | Baron: |
| Fahr’ Er nach Haus. Auf morgen in der Früh’! | Fahr’ Er nach Haus. Auf morgen in der Früh! |
| Ich klär’ Ihm alles auf. Er weiß, was Er mir schuldig ist! | Ich klär’ Ihm alles auf. Er weiss, was Er mir schuldig ist! |
| Faninal | Faninal: |
| (außer sich vor Wut). | (ausser sich vor Wut! [sic]) |
| Laut eigner Aussag’. | Laut eig’ner Aussag’ |
| (Einige Schritte nach rückwärts.) | (einige Schritte nach rückwärts) |
| Meine Tochter soll herauf! | Meine Tochter soll herauf! |
| Sitzt unten in der Tragchaise. Im Galopp herauf! | Sitzt unten in der Tragchaise. Im Galopp herauf! |
| (Wieder auf den Baron losstürzend.) | (wieder auf den Baron losstürzend) |
| Das zahlt Er teuer! Bring’ Ihn vors Gericht! | Das zahlt Er teuer! Bring Ihn vor’s Gericht! |
| Baron. | Baron: |
| Jetzt macht Er einen rechten Palawatsch | Jetzt macht Er einen rechten Palawatsch |
| Für nichts und wieder nichts! Ein Kavalier braucht eine Roßgeduld, – | Für nichts und wieder nichts! Ein Kavalier braucht eine Rossgeduld, |
| Parole d’honneur! Ich will mei’ Perücken! – | Parole d’honneur! Ich will meine Perücken! |
| Sein Schwiegersohn zu sein. | Sein Schwiegersohn zu sein! |
| (Schüttelt den Wirt.) | (Schüttelt den Wirt) |
| Meine Perücken will ich sehn! | Meine Perücken will ich seh’n! |
| (Im wilden Herumfahren, um die Perücke zu suchen, faßt er einige der Kinder an und stößt sie zur Seite.) | (im wilden Herumfahren, um die Perücke zu suchen, fasst er einige der Kinder an und stösst sie zur Seite) |
| Die Kinder | Die Kinder: |
| (automatisch). | (automatisch) |
| Papa! Papa! Papa! | Papa! Papa! Papa! |
| Faninal | Faninal: |
| (fährt zurück). | (fährt zurück) |
| Was ist denn das? | Was ist denn das? |
| Baron | Baron: |
| (im Suchen findet [er] wenigstens seinen Hut, schlägt mit dem Hut nach den Kindern). | (im Suchen findet [er] wenigstens seinen Hut, schlägt mit dem Hut nach den Kindern). |
| Gar nix, ein Schwindel! Kenn’ nit das Bagagi! | Gar nix, ein Schwindel! Kenn’ nit das Bagagi! |
| Sie sagt, daß sie verheirat’ war mit mir. | Sie sagt, dass sie verheirat’ war mit mir. |
| Käm’ zu der Schand’, so wie der Pontius ins credo! | Käm’ zu der Schand’ sowie [sic] der Pontius ins credo! |
| Sophie | Sophie: |
| (kommt im Mantel eilig herein, man macht ihr Platz. An der Tür sieht man die Faninalschen Bedienten, jeder eine Tragstange der Sänfte haltend. Baron sucht die Kahlheit seines Kopfes vor Sophie mit dem Hut zu beschatten). | (kommt im Mantel eilig herein, man macht ihr Platz. An der Tür sieht man die Faninal’schen Bedienten, jeder eine Tragstange der Sänfte haltend.) |
| Baron sucht die Kahlheit seines Kopfes vor Sophie mit dem Hut zu beschatten. | |
| Viele Stimmen | Viele Stimmen: |
| (indes Sophie auf ihren Vater zugeht[…] dumpf). | (indess Sophie auf ihren Vater zugeht, dumpf) |
| Da ist die Braut. Oh was für ein Skandal! | Da ist die Braut. Oh was für ein Skandal! |
| Faninal | Faninal: |
| (zu Sophie). | (zu Sophie) |
| Da schau’ dich um! Da hast du den Herrn Bräutigam! | Da schau’ dich um! Da hast du den Herrn Bräutigam! |
| Da die Famili von dem saubern Herrn! | Da die Famili von dem saubern Herrn! |
| Die Frau mitsamt die Kinder! Da das Weibsbild | Die Frau mitsamt die Kinder! Da das Weibsbild |
| G’hört linker Hand dazu. Nein, das bist du, laut eigner Aussag’! | G’hört linker Hand dazu. Nein, das bist du, laut eig’ner Aussag! |
| Möcht’st in die Erd’n sinken, was? Ich auch! | Möcht’st in die Erd’n sinken, was? Ich auch! |
| Sophie | Sophie: |
| (freudig aufatmend). | (freudig aufatmend) |
| Bin herzensfroh, seh’ ihn mit nichten an dafür. | Bin herzensfroh, seh’ ihn mit nichten an dafür. |
| Faninal. | Faninal: |
| Sieht ihn nicht an dafür! Sieht ihn nicht an dafür! | Sieht ihn nicht an dafür! Sieht ihn nicht an dafür! |
| (Immer verzweifelter.) | (immer verzweifelter) |
| Mein schöner Nam’! Ich trau’ mi’ nimmer übern Graben! | Mein schöner Nam’! Ich trau’ mi’ nimmer über’n Graben! |
| Kein Hund nimmt mehr ein Stück’l Brot von mir. | Kein Hund nimmt mehr ein Stück’l Brot von mir. |
| (Er ist dem Weinen nahe.) | (er ist dem Weinen nahe) |
| Dumpfe Stimmen. | Dumpfe Stimmen: |
| Der Skandal! Der Skandal! | Der Skandal! Der Skandal! |
| Fürn Herrn von Faninal! | Für’n Herrn von Faninal! |
| Faninal. | Faninal: |
| Da! Aus dem Keller! Aus der Luft! Die ganze Wienerstadt! | Da! Aus dem Keller! Aus der Luft! Die ganze Wienerstadt! |
| (Auf den Baron zu, mit geballter Faust.) | (auf den Baron zu, mit geballter Faust) |
| Oh, Er Filou! Mir wird nicht gut! Ein’ Sessel! | Oh, Er Filou! Mir wird nicht gut! ein’ Sessel! |
| (Bediente springen hinzu, fangen ihn auf. Zwei desgleichen haben vorher ihre Stange einem der Hintenstehenden zugeworfen. Sophie ist angstvoll um ihn bemüht. Wirt springt gleichfalls hinzu. Sie nehmen ihn auf und tragen ihn ins Nebenzimmer. Mehrere Kellner den Weg weisend, die Türe öffnend voran. Baron wird in diesem Augenblick seiner Perücke ansichtig, die wie durch Zauberhand wieder zum Vorschein gekommen ist, stürzt darauf los, stülpt sie sich auf und gibt ihr vor dem Spiegel den richtigen Sitz. Mit dieser Veränderung gewinnt er seine Haltung so ziemlich wieder, begnügt sich aber, Annina und den Kindern, deren Gegenwart ihm trotz allem nicht geheuer ist, den Rücken zu kehren. Hinter Herrn von Faninal und seiner Begleitung hat sich die Türe links geschlossen. Wirt und Kellner kommen bald darauf leise wieder heraus, holen Medikamente, Karaffen mit Wasser und anderes, das in die Tür getragen und von Sophie in der Türspalte übernommen wird.) | Bediente springen hinzu, fangen ihn auf. Sophie ist angstvoll um ihn bemüht. Wirt springt gleichfal[l]s hinzu. Sie nehmen ihn auf und tragen ihn ins Nebenzimmer. Mehrere Kellner, den Weg weisend, die Türe öffnend voran. Baron wird in diesem Augenblick seiner Perücke ansichtig die wie durch Zauberhand wieder zum Vorschein gekommen ist, stürzt darauf los, stülpt sie sich auf und gibt ihr vor dem Spiegel den richtigen Sitz. Mit dieser Veränderung gewinnt er seine Haltung so ziemlich wieder, begnügt sich aber, Annina und den Kindern, deren Gegenwart ihm trotz allem nicht geheuer ist, den Rücken zu kehren. Hinter Herrn von Faninal und seiner Begleitung hat sich die Türe links geschlossen. Wirt und Kellner kommen bald darauf leise wieder heraus, holen Medikamente, Karaffen mit Wasser und anderes, das in die Tür getragen und von Sophie in der Türspalte übernommen wird. |
| Baron | Baron: |
| (nunmehr mit dem alten Selbstgefühl auf den Kommissarius zu). | (nunmehr mit dem alten Selbstgefühl auf den Kommissarius zu) |
| Sind desto ehr im Klaren. Ich zahl’, ich geh’! | Sind desto eh’r im Klaren. Ich zahl’, ich geh’! |
| (Zu Oktavian.) | zu Octavian |
| Ich führ’ Sie jetzt nach Haus. | Ich führ’ Sie jetzt nach Haus. |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Da irrt Er sich. Mit Ihm jetzt weiter im Verhör! | Da irrt Er sich. Mit Ihm jetzt weiter im Verhör! |
| (Auf den Wink des Kommissarius entfernen die beiden Wächter alle übrigen Personen aus dem Zimmer, nur Annina mit den Kindern bleibt an der linken Wand stehen.) | (auf den Wink des Kommissarius entfernen die beiden Wächter alle übrigen Personen aus dem Zimmer, nur Annina mit den Kindern bleibt an der linken Wand stehen.) |
| Baron. | Baron: |
| Lass’ Er’s jetzt gut sein. War ein G’spaß. | Lass’ Er’s jetzt gut sein. War ein G’spass. Ich sag’ Ihm später wer das Mädel is! |
| Ich sag’ Ihm später, wer das Mädel is! | |
| Geb’ Ihm mein Wort, ich heirat’ sie wahrscheinlich noch einmal. | Geb’ Ihm mein Wort, ich heirat’ sie wahrscheinlich noch einmal. |
| Da hinten dort, das Klumpert is schon stad. | Da hinten dort, das Glumpert is schon stad. Da sieht Er wer ich bin und wer ich nicht bin! |
| Da sieht Er, wer ich bin und wer ich nicht bin. | |
| (Macht Miene, Octavian abzuführen.) | (macht Miene Octavian abzuführen) |
| Octavian | Octavian: |
| (macht sich los). | (macht sich los) |
| I geh’ nit mit dem Herrn! | I geh’ nit mit dem Herrn! |
| Baron | Baron: |
| (halblaut). | (halblaut) |
| I heirat’ Sie, verhält Sie sich mit mir. | I heirat’ Sie, verhalt Sie sich mit mir. |
| Sie wird noch Frau Baronin, so gut gefallt Sie mir! | Sie wird noch Frau Baronin, so gut g’fallt Sie mir! |
| Octavian. | Octavian: |
| Herr Kommissar, i geb’ was zu Protokoll, | Herr Kommissar, i geb’ was zu Protokoll, |
| Aber der Herr Baron darf nicht zuhör’n dabei. | Aber der Herr Baron darf nicht zuhör’n dabei. |
| (Auf den Wink des Kommissarius drängen die beiden Wächter den Baron nach vorne rechts. Octavian scheint dem Kommissarius etwas zu melden, was diesen sehr überrascht.) | (auf den Wink des Kommissarius drängen die beiden Wächter den Baron nach vorne rechts). |
| Octavian scheint dem Kommissarius etwas zu melden, was diesen sehr überrascht. | |
| Baron | Baron: |
| (zu den Wächtern, familiär, halblaut, auf Annina hindeutend). | (zu den Wächtern, familiär, halblaut, auf Annina hindeutend.) |
| Kenn’ nicht das Weibsbild dort, auf Ehr’. War grad’ beim Essen! | Kenn’ nicht das Weibsbild dort, auf Ehr’. War grad beim Essen! |
| Hab’ keine Ahnung, was sie will. Hätt’ sonst nicht selber um die Polizei – | Hab’ keine Ahnung was sie will. Hätt’ sonst nicht selber um die Polizei – |
| (Der Kommissarius begleitet Octavian bis an den Alkoven. Octavian verschwindet hinter dem Vorhang. Der Kommissarius scheint sich zu amüsieren und ist den Spalten des Vorhangs ungenierterweise nahe.) | (Der Kommissarius begleitet Octavian bis an den Alkoven. Octavian verschwindet hinter dem Vorhang. Der Kommissarius scheint sich zu amüsieren und ist den Spalten des Vorhangs ungenierter Weise nahe.[)] |
| Baron | Baron: |
| (bemerkt die Heiterkeit des Kommissarius, plötzlich sehr aufgeregt über den unerklärlichen Vorfall). | (Bemerkt die Heiterkeit des Kommissars, plötzlich sehr aufgeregt über den unerklärlichen Vorfall) |
| Was g’schieht denn dort? Is wohl nicht möglich das? Der Lackl! | Was g’schieht denn dort? Ist wohl nicht möglich das? Der Lackl! |
| Das heißt Ihr Sittenpolizei? Ist eine Jungfer! | Das heisst Ihr Sittenpolizei? Ist eine Jungfer! |
| (Er ist schwer zu halten.) | (er ist schwer zu halten) |
| Steht unter meiner Protektion! Beschwer’ mich! | Steht unter meiner Protektion! Beschwer’ mich! |
| Hab’ da ein Wörtel drein zu reden! | Hab’ da ein Wörtel drein zu reden! |
| (Reißt sich los, will gegen das Bett hin. Sie fangen und halten ihn wieder. Aus dem Alkoven erscheinen Stück für Stück die Kleider der Mariandel. Der Kommissarius macht ein Bündel daraus.) | (reisst sich los, will gegen das Bett hin. Sie fangen und halten ihn wieder. Aus dem Alkoven erscheinen Stück für Stück die Kleider der Mariandel. Der Kommissarius macht ein Bündel daraus.[)] |
| Baron | Baron: |
| (immer aufgeregt, ringt, seine beiden Wächter los zu werden). | (immer aufgeregt, ringt, seine beiden Wächter loszuwerden) |
| Muß jetzt partout zu ihr! | Muss jetzt partout zu ihr! |
| (Sie halten ihn mühsam, während Octavians Kopf aus einer Spalte des Vorhangs hervorsieht.) | (sie halten ihn mühsam, während Octavians Kopf aus einer Spalte des Vorhangs hervorsieht.) |
| Wirt | Wirt: |
| (hereinstürmend). | (hereinstürzend) |
| Ihre hochfürstliche Gnaden, die Frau Fürstin Feldmarschallin! | Ihre hochfürstliche Gnaden, die Frau Fürstin Feldmarchallin [sic]! |
| (Kellner herein, reißen die Türe auf. Zuerst werden einige Menschen in der Marschallin Livree sichtbar, sie rangieren sich, Marschallin tritt ein, der kleine Neger trägt ihre Schleppe.) | (Kellner herein, reissen die Türe auf. Zuerst werden einige Menschen in der Marschallin Livree sichtbar, sie rangieren sich, Marschallin tritt ein, der kleine Neger trägt ihre Schleppe.[)] |
| Baron. [sic] | Baron: |
| (hat sich von den Wächtern losgerissen, wischt sich den Schweiß von der Stirne, eilt auf die Marschallin zu). | (hat sich von den Wächtern losgerissen, wischt sich den Schweiss von der Stirne, eilt auf die Marschallin zu). |
| Bin glücklich über Maßen, hab’ die Gnad’ kaum meritiert, | Bin glücklich über Massen, hab’ die Gnad kaum meritiert, |
| Schätz’ Dero Gegenwart hier als ein Freundstück ohnegleichen. | Schätz’ Dero Gegenwart hier als ein Freundstück ohne Gleichen. |
| Oktavian [sic] | Octavian: |
| (streckt den Kopf zwischen dem Vorhang hervor). | (streckt den Kopf zwischen dem Vorhang hervor) |
| Marie Theres’, wie kommt Sie her? | Marie Teres’ [sic], wie kommt Sie her? |
| (Marschallin regungslos, antwortet nicht, sieht sich fragend um.) | Marschallin regungslos, antwortet nicht, sieht sich fragend um. |
| Kommissarius | Kommissarius: |
| (auf die Fürstin zu, in dienstlicher Haltung). | (auf die Fürstin zu in dienstlicher Haltung) |
| Fürstliche Gnaden, melde mich gehorsamst | Fürstliche Gnaden, melde mich gehorsamst |
| Als vorstädtischer Unterkommissarius. | Als vorstädtischer Unterkommissarius. |
| Baron | Baron: |
| (gleichzeitig). | (gleichzeitig) |
| Er sieht, Herr Kommissar, die Durchlaucht haben selber sich bemüht. | Er sieht Herr Kommissar, die Durchlaucht haben selber sich bemüht. |
| Ich denk’, Er weiß, woran Er ist. | Ich denk, Er weiss woran Er ist. |
| (Leiblakai auf den Baron zu, stolz und selbstzufrieden. Baron winkt ihm als Zeichen seiner Zufriedenheit.) | |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zum Kommissar, ohne den Baron zu beachten). | (zum Kommissar ohne den Baron zu beachten) |
| Er kennt mich? Kenn’ ich Ihn nicht auch? Mir scheint beinah’. | Er kennt mich? Kenn’ ich Ihn nicht auch? Mir scheint beinah’ |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Sehr wohl! | Sehr wohl! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Dem Herrn Feldmarschall seine brave Ordonanz gewest? | Dem Herrn Feldmarschall seine brave Ordonanz gewest? |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Fürstliche Gnaden, zu Befehl! | Fürstliche Gnaden, zu Befehl! |
| (Octavian steckt abermals den Kopf zwischen den Vorhängen hervor.) | Octavian steckt abermals den Kopf zwischen den Vorhängen hervor. |
| Baron | Baron: |
| (winkt ihm heftig, zu verschwinden, ist zugleich ängstlich bemüht, daß die Marschallin nichts merke. Halblaut). | (winkt ihm heftig zu verschwinden, ist zugleich ängstlich bemüht, dass die Marschallin nichts merke. Halblaut). |
| Bleib’ Sie, zum Sakra, hinten dort! | Bleib Sie, zum Sakra, hinten dort! |
| (Dann hört er, wie sich Schritte der Tür links vorne nähern; stürzt hin, stellt sich mit dem Rücken gegen die Türe, durch verbindliche Gebärden gegen die Marschallin bestrebt, seinem Gehaben den Schein völliger Unbefangenheit zu geben.) | (dann hört er, wie sich Schritte der Tür links vorne nähern; stürzt hin, stellt sich mit dem Rücken gegen die Türe, durch verbindliche Gebärden gegen die Marschallin bestrebt, seinem Gehaben den Schein völliger Unbefangenheit zu geben.[)] |
| Marschallin | Marschallin: |
| (kommt gegen links, mit zuwartender Miene den Baron anblickend). | (kommt gegen links, mit zuwartender Miene den Baron anblickend.) |
| Die Türe links wird mit Kraft geöffnet, sodass der Baron wütend zurückzutreten genötigt ist. [sic] | |
| Octavian | Octavian: |
| (in Männerkleidung tritt zwischen den Vorhängen hervor, sobald der Baron ihm den Rücken kehrt; halblaut). | (in Männerkleidung tritt zwischen den Vorhängen hervor sobald der Baron ihm den Rücken kehrt; halblaut). |
| War anders abgemacht! Marie Theres’, ich wunder’ mich! | War anders abgemacht! Marie Teres’ [sic], ich wunder mich! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (als hörte sie ihn nicht, hat fortwährend den verbindlich erwartungsvollen Blick auf den Baron gerichtet, der in äußerster Verlegenheit zwischen der Tür und der Marschallin seine Aufmerksamkeit teilt. Die Tür links wird mit Kraft geöffnet, so daß der Baron, der vergebens versucht hatte, sich dagegen zu stemmen, wütend zurückzutreten genötigt ist. Zwei Faninalsche Diener lassen jetzt Sophie eintreten). | (als hörte sie ihn nicht, hat fortwährend den verbindlich erwartungsvollen Blick auf den Baron gerichtet, der in äusserster Verlegenheit zwischen der Tür und der Marschallin seine Aufmerksamkeit teilt.) |
| Die Tür links wird mit Kraft geöffnet, sodass der Baron, der vergebens versucht hatte sich dagegen zu stemmen, wütend zurückzutreten genötigt ist. | |
| Zwei Faninal’sche Diener lassen jetzt Sophie eintreten. | |
| Sophie | Sophie: |
| (ohne die Marschallin zu sehen, die ihr durch den Baron verdeckt ist). | (ohne die Marschallin zu sehen, die ihr durch den Baron verdeckt ist.) |
| Hab’ ihm von mei’m Herrn Vater zu vermelden! | Hab ihm von mei’m Herrn Vater zu vermelden! |
| Baron | Baron: |
| (ihr ins Wort fallend, halblaut). | (ihr ins Wort fallend, halblaut) |
| Is jetzo nicht die Zeit, Kreuzelement! | Ist jetzo nicht die Zeit, Kreuzelement! |
| Kann Sie nicht warten, bis daß man Ihr rufen wird? | Kann Sie nicht warten bis dass man Ihr rufen wird? |
| Meint Sie, daß ich Sie hier im Beisl präsentieren werd’? | Meint Sie, dass ich Sie hier im Beisl präsentieren werd’? |
| Octavian | Octavian: |
| (ist leise hervorgetreten, zur Marschallin, halblaut.) | (ist leise hervorgetreten, zur Marschallin, halblaut) |
| Das ist die Fräulein – die – um derentwillen – | Das ist die Fräulein – die – um derentwillen – |
| Marschallin | Marschallin: |
| (über die Schulter zu Octavian halblaut.) | (über die Schulter zu Octavian halblaut) |
| Find’ Ihn ein bissl empressiert, Rofrano. | Find’ Ihn ein bissl empressiert, Rofrano. |
| Kann mir wohl denken, wer sie ist. Find’ sie scharmant [sic]. | Kann mir wohl denken, wer sie ist. Find’ sie charmant. |
| (Octavian schlüpft zwischen die Vorhänge zurück.) | Octavian schlüpft zwischen die Vorhänge zurück. |
| Sophie | Sophie: |
| (den Rücken gegen die Türe, so scharf, daß der Baron unwillkürlich einen Schritt zurückweicht). | (den Rücken gegen die Türe, so scharf, dass der Baron unwillkürlich einen Schritt zurückweicht.) |
| Er wird mich keinem Menschen auf der Welt nicht präsentieren, | Er wird mich keinem Menschen auf der Welt nicht präsentieren, |
| Dieweilen ich mit Ihm auch nicht so viel zu schaffen hab. | Dieweilen ich mit ihm auch nicht so viel zu schaffen hab. |
| (Die Marschallin spricht leise mit dem Kommissar.) | Die Marschallin spricht leise mit dem Kommissar |
| Und mein Herr Vater laßt Ihm sagen: wenn Er alsoweit | Und mein Herr Vater lasst Ihm sagen: wenn Er alsoweit |
| Die Frechheit sollte treiben, daß man seine Nasen nur | Die Frechheit sollte treiben, dass man seine Nasen nur |
| Erblicken tät’ auf hundert Schritt von unserm Stadtpalais, | Erblicken tät auf hundert Schritt von unserm Stadtpalais, |
| So hätt’ Er sich die bösen Folgen selber zuzuschreiben. | So hätt’ Er sich die bösen Folgen selber zuzuschreiben. |
| Das ist, was mein Herr Vater Ihm vermelden läßt. | Das ist, was mein Herr Vater Ihm vermelden lässt. |
| Baron | Baron: |
| (zornig). | (zornig) |
| Corpo di bacco! | Corpo di bacco! |
| Was ist das für eine ungezogene Sprach’! | Was ist das für eine ungezogene Sprach! |
| Sophie. | Sophie: |
| Die Ihm gebührt. | Die Ihm gebührt. |
| Baron | Baron: |
| (außer sich, will an ihr vorbei, zur Tür hinein). | (ausser sich, will an ihr vorbei, zur Tür hinein.) |
| He, Faninal, ich muß – | He Faninal, ich muss – |
| Sophie. | Sophie: |
| Er untersteh’ sich nicht! | Er untersteh sich nicht! |
| (Die zwei Faninalschen Diener treten hervor, halten ihn auf, schieben ihn zurück. Sophie tritt in die Tür, die sich hinter ihr schließt.) | (Die zwei Faninal’schen Diener treten hervor, halten ihn auf, schieben ihn zurück. Sophie tritt in die Tür, die sich hinter ihr schliesst). |
| Baron | Baron: |
| (gegen die Tür brüllend). | (gegen die Tür brüllend) |
| Bin willens, alles Vorgefall’ne | Bin willens alles Vorgefall’ne |
| Vergeben und vergessen sein zu lassen! | Vergeben und vergessen sein zu lassen! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ist von rückwärts an den Baron herangetreten und klopft ihm auf die Schulter). | (ist von rückwärts an den Baron herangetreten und klopft ihm auf die Schulter). |
| Lass’ Er nur gut sein und verschwind’ Er auf eins zwei! | Lass’ Er nur gut sein und verschwind Er auf eins, zwei! |
| Baron | Baron: |
| (dreht sich um, starrt sie an). | (dreht sich um, starrt sie an) |
| Wieso denn? | Wieso denn? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (munter, überlegen). | (munter, überlegen) |
| Wahr’ Er sein Dignité und fahr’ Er ab! | Wahr’ Er sein Dignité und fahr’ Er ab! |
| Baron | Baron: |
| (sprachlos). | (sprachlos) |
| Ich? Was? | Ich? Was? |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Mach’ Er bonne mine à mauvais jeu: | Mach Er bonne mine à mauvais jeu: |
| So bleibt Er quasi doch noch eine Standsperson. | So bleibt Er quasi doch noch eine Standsperson. |
| Baron | Baron: |
| (starrt sie stumm an). | (starrt sie stumm an) |
| (Sophie tritt leise wieder heraus. Ihre Augen suchen Octavian.) | Sophie tritt leise wieder heraus. Ihre Augen suchen Octavian. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (zum Kommissar, der hinten rechts steht, desgleichen seine Wächter). | (zum Kommissar der hinten rechts steht, desgleichen seine Wächter). |
| Er sieht, Herr Kommissar: | Er sieht, Herr Kommissar: |
| das Ganze war halt eine Farce und weiter nichts. | das Ganze war halt eine Farce und weiter nichts. |
| Kommissarius. | Kommissarius: |
| Genügt mir! Retirier’ mich ganz gehorsamst. | Genügt mir! Retirier’ mich ganz gehorsamst. |
| (Tritt ab, die beiden Wächter hinter ihm.) | (tritt ab, die beiden Wächter hinter ihm). |
| Sophie | Sophie: |
| (vor sich, erschrocken). | (vor sich, erschrocken) |
| Das Ganze war halt eine Farce und weiter nichts. | Das Ganze war halt eine Farce und weiter nichts. |
| (Die Blicke der beiden Frauen begegnen sich; Sophie macht der Marschallin einen verlegnen Knicks.) | Die Blicke der beiden Frauen begegnen sich; Sophie macht der Marschallin einen verlegenen Knix. |
| Baron | Baron: |
| (zwischen Sophie und der Marschallin stehend). | (zwischen Sophie und der Marschallin stehend) |
| Bin gar nicht willens! | Bin gar nicht willens! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ungeduldig, stampft auf). | (ungeduldig, stampft auf) |
| Mon Cousin, bedeut’ Er Ihm! | Mon Cousin, bedeut’ er ihm! |
| (Kehrt dem Baron den Rücken.) | (kehrt dem Baron den Rücken.) |
| Octavian | Octavian: |
| (geht von rückwärts auf den Baron zu, sehr männlich). | (geht von rückwärts auf den Baron zu, sehr männlich) |
| Möcht’ Ihn sehr bitten! | Möcht Ihn sehr bitten! |
| Baron | Baron: |
| (fährt herum). | (fährt herum) |
| Wer? Was? | Wer? Was? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (von rechts, wo sie nun steht). | (von rechts, wo sie nun steht.) |
| Sein’ Gnaden, der Herr Graf Rofrano, wer denn sonst? | Sein’ Gnaden, der Herr Graf Rofrano, wer denn sonst? |
| Baron | Baron: |
| (nachdem er sich Octavians Gesicht scharf und in der Nähe betrachtet, mit Resignation). | (nachdem er sich Octavians Gesicht scharf und in der Nähe betrachtet, mit Resignation.) |
| Is schon a so! | Is schon a so! |
| (Vor sich.) | (vor sich) |
| Hab’ g’nug von dem Gesicht, | Hab’ g’nug von dem Gesicht, |
| Sind doch nicht meine Augen schuld. Is schon ein Mandl. | Sind doch nicht meine Augen schuld. Is schon ein Mandl. |
| (Octavian steht frech und hochmütig da.) | Octavian steht frech und hochmütig da. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (einen Schritt näher tretend). | (einen Schritt näher tretend) |
| Ist eine wienerische Maskerad’ und weiter nichts. | Ist eine wienerische Maskerad’ und weiter nichts. |
| Sophie | Sophie: |
| (halb traurig, halb höhnisch für sich). | (halb traurig, halb höhnisch für sich) |
| Ist eine wienerische Maskerad’ und weiter nichts. | Ist eine wienerische Maskerad’ und weiter nichts. |
| Baron | Baron: |
| (sehr vor den Kopf geschlagen). | (sehr vor den Kopf geschlagen) |
| Aha | Aha! |
| (Für sich.) | (für sich) |
| Spiel’n alle unter einem Leder gegen meiner! | Spiel’n alle unter einem Leder gegen meiner! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (von oben herab). | (von oben herab) |
| Ich hätt’ Ihm nicht gewunschen, | Ich hätt’ Ihm nicht gewunschen, |
| Daß Er mein Mariandl in der Wirklichkeit mir hätte debauchiert! | Dass er mein Mariandl in der Wirklichkeit mir hätte debauchiert! |
| Baron | Baron: |
| (wie oben, vor sich hin sinnierend). | (wie oben, vor sich hin sinnierend) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (wie oben und ohne Oktavian anzusehen). | (wie oben und ohne Octavian anzusehen) |
| Hab’ jetzt einen montierten Kopf gegen die Männer – | Hab’ jetzt einen montierten Kopf gegen die Männer – |
| so ganz im allgemeinen! | so ganz im Allgemeinen! |
| Baron | Baron: |
| (allmählich der Situation beikommend). | (allmählich der Situation beikommend) |
| Kreuzelement! Komm’ aus dem Staunen nicht heraus! | Kreuzelement! Komm’ aus dem Staunen nicht heraus! |
| Der Feldmarschall – Octavian – Mariandl – die Marschallin – Octavian. | |
| (Mit einem ausgiebigen Blick, der von der Marschallin zu Octavian, von Octavian wieder zurück zur Marschallin wandert.) | (mit einem ausgiebigen Blick, der von der Marschallin zu Octavian, von Octavian wieder zurück zur Marschallin wandert). |
| Weiß bereits nicht, was ich von diesem ganzen qui-pro-quo | Weiss bereits nicht, was ich von diesem ganzen qui pro quo |
| mir denken soll! | mir denken soll! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (mit einem langen Blick, dann mit großer Sicherheit). | (mit einem langen Blick, dann mit grosser Sicherheit) |
| Er ist, mein’ ich, ein Kavalier? Da wird Er sich halt gar nichts denken. | Er ist, mein’ ich, ein Kavalier? Da wird Er sich halt gar nichts denken. |
| Das ist’s, was ich von Ihm erwart’. | Das ist’s, was ich von Ihm erwart’! |
| (Pause.) | |
| Baron | Baron: |
| (mit Verneigung und weltmännisch). | (mit Verneigung und weltmännisch) |
| Bin von so viel Finesse scharmiert [sic], kann gar nicht sagen, wie. | Bin von so viel Finesse charmiert, kann gar nicht sagen, wie. |
| Ein Lerchenauer war noch nie kein Spielverderber nicht. | Ein Lerchenauer war noch nie kein Spielverderber nicht. |
| (Einen Schritt an sie herantretend.) | (einen Schritt an sie herantretend) |
| Find’ deliziös das ganze qui-pro-quo, | Find’ deliziös das ganze qui-pro-quo, |
| bedarf aber dafür nunmehro Ihrer Protektion. | Bedarf aber dafür nunmehro Ihrer Protektion |
| Bin willens, alles Vorgefallene | Bin willens, alles Vorgefallene |
| vergeben und vergessen sein zu lassen. | Vergeben und vergessen sein zu lassen. |
| (Pause.) | (Pause) |
| Eh bien, darf ich den Faninal – | Eh bien, darf ich den Faninal – |
| (Er macht Miene, an die Türe links zu gehen.) | (er macht Miene an die Türe links zu gehen.) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Er darf – Er darf in aller Still’ sich retirieren. | Er darf – Er darf in aller Still’ sich retirieren. |
| Baron | Baron: |
| (aus allen Himmeln gefallen). | (aus allen Himmeln gefallen) |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Versteht Er nicht, wenn eine Sach’ ein End’ hat? | Versteht Er nicht, wenn eine Sach’ ein End’ hat? |
| Die ganze Brautschaft und Affär’ und alles sonst. | Die ganze Brautschaft und Affär’ und alles sonst |
| Was drum und dran hängt, | Was drum und dran hängt |
| (sehr bestimmt) | (sehr bestimmt) |
| Ist mit dieser Stund’ vorbei. | ist mit dieser Stund’ vorbei. |
| Sophie | Sophie: |
| (sehr betreten, für sich). | (sehr betreten, für sich) |
| Was drum und dran hängt, ist mit dieser Stund vorbei. | Was drum und dran hängt, ist mit dieser Stund vorbei. |
| Baron | Baron: |
| (für sich, empört, halblaut). | (für sich, empört, halblaut) |
| Mit dieser Stund’ vorbei! Mit dieser Stund’ vorbei! | Mit dieser Stund vorbei! Mit dieser Stund vorbei! |
| Marschallin | Marschallin: |
| (scheint sich nach einem Stuhl umzusehen, Octavian springt hin, gibt ihr einen Stuhl. Marschallin setzt sich rechts, mit Bedeutung für sich) | (scheint sich nach einem Stuhl umzusehen, Octavian springt hin, gibt ihr einen Stuhl. Marschallin setzt sich rechts, mit Bedeutung für sich). |
| Ist halt vorbei. | Ist halt vorbei. |
| Sophie | Sophie: |
| (links vor sich, blaß). | (links, vor sich blass) |
| Ist halt vorbei! | Ist halt vorbei! |
| (Baron findet sich durchaus nicht in diese Wendung, rollt verlegen und aufgebracht die Augen. In diesem Augenblick kommt der Mann aus der Falltür hervor. Von links tritt Valzacchi ein, die Verdächtigen in bescheidener Haltung hinter ihm. Annina nimmt Witwenhaube und Schleier ab, wischt sich die Schminke weg und zeigt ihr gewöhnliches Gesicht. Dies alles zu immer gesteigertem Staunen des Barons. Der Wirt, eine lange Rechnung in der Hand, tritt zur Mitteltüre herein, hinter ihm Kellner, Musikanten, Hausknechte, Kutscher.) | Baron findet sich durchaus nicht in diese Wendung[,] rollt verlegen und aufgebracht die Augen. In diesem Augenblick kommt der Mann aus der Falltür hervor. Von links tritt Valzacchi ein, die Verdächtigen in bescheidener Haltung hinter ihm. Annina nimmt Witwenhaube und Schleier ab, wischt sich die Schminke weg und zeigt ihr gewöhnliches Gesicht. Dies alles zu immer gesteigertem Staunen des Barons. Der Wirt, eine lange Rechnung in der Hand, tritt zur Mitteltüre herein, hinter ihm Kellner, Musikanten, Hausknechte, Kutscher. |
| Baron | Baron: |
| (wie er sie alle erblickt, gibt er sein Spiel verloren. Ruft schnell entschlossen): | (wie er sie alle erblickt, gibt er sein Spiel verloren. Ruft schnell entschlossen). |
| Leupold, wir gehn! | Leupold, wir geh’n! |
| (Macht der Marschallin ein tiefes, aber zorniges Kompliment. Leiblakai ergreift einen Leuchter vom Tisch und will seinem Herrn voran.) | Macht der Marschallin ein tiefes aber zorniges Kompliment. Leiblakai ergreift einen Leuchter vom Tisch und will seinem Herrn voran. |
| Annina | Annina: |
| (stellt sich frech dem Baron in den Weg). | (stellt sich frech dem Baron in den Weg) |
| »Ich hab’ halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück«. | »Ich hab halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück«. |
| (Auf die Rechnung des Wirtes deutend). | (auf die Rechnung des Wirtes deutend) |
| »Komm’ Sie nach Tisch, geb’ Ihr die Antwort nachher schriftlich!« | »Komm’ Sie nach Tisch, geb Ihr die Antwort nachher schriftlich!« |
| (Die Kinder kommen dem Baron unter die Füße. Er schlägt mit dem Hut unter sie.) | Die Kinder kommen dem Baron unter die Füsse. Er schlägt mit dem Hut unter sie. |
| Die Kinder. | Die Kinder: |
| Papa! Papa! Papa! | Papa! Papa! Papa! |
| Kellner | Kellner: |
| (sich zuerst an den Baron drängend). | (sich zuerst an den Baron drängend) |
| Entschuld’gen Euer Gnaden! | Entschuld’gen Euer Gnaden! |
| Uns gehen die Kerzen an! | Uns geh’n die Kerzen an! |
| Wirt | Wirt: |
| (sich mit der Rechnung vordrängend). | (sich mit der Rechnung vordrängend) |
| Entschuld’gen Euer Gnaden! | Entschuld’gen Euer Gnaden! |
| Annina | Annina: |
| (vor dem Baron her nach rückwärts tanzend). | (vor dem Baron her nach rückwärts tanzend) |
| »Ich hab’ halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück!« | »Ich hab’ halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück!« |
| Valzacchi | Valzacchi: |
| (höhnisch). | (höhnisch) |
| »Ich hab’ halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück!« | »Ich hab’ halt schon einmal ein Lerchenauisch Glück!« |
| Die Musikanten | Die Musikanten: |
| (sich dem Baron in den Weg stellend). | (sich dem Baron in den Weg stellend) |
| Tafelmusik über zwei Stunden! | Tafelmusik über zwei Stunden! |
| Leiblakai | Leiblakai: |
| (bahnt sich den Weg gegen die Tür hin). | (bahnt sich den Weg gegen die Tür hin) |
| Baron | Baron: |
| (will hinter ihm durch). | (will hinter ihm durch) |
| Die Kutscher | Die Kutscher: |
| (auf den Baron eindringend). | (auf den Baron eindringend) |
| Für die Fuhr’, für die Fuhr’, Rösser g’schund’n ham ma gnua! | Für die Fuhr’, für die Fuhr’! Rösser g’schund’n ham ma gnua! |
| Hausknecht | Hausknecht: |
| (den Baron grob anrempelnd). | (den Baron grob anrempelnd) |
| Sö fürs Aufsperrn, Sö, Herr Baron! | Sö fürs Aufsperrn, Sö, Herr Baron! |
| Wirt | Wirt: |
| (immer die Rechnung präsentierend). | (immer die Rechnung präsentierend) |
| Entschuld’gen Euer Gnaden. | Entschuld’gen Euer Gnaden! |
| Kellner. | Kellner: |
| Zwei Schock Kerzen, uns gehn die Kerzen an. | Zwei Schock Kerzen, uns geh’n die Kerzen an! |
| Baron | Baron: |
| (im Gedränge). | (im Gedränge) |
| Platz da, zurück da, Kreuzmillion. | Platz da, zurück da, Kreuzmillion. |
| Die Kinder. | Die Kinder: |
| Papa! Papa! Papa! | Papa! Papa! Papa! |
| Alle | Alle: |
| (schreien wild durcheinander). | (schreien wild durcheinander) |
| Baron | Baron: |
| (drängt sich mit Macht durch gegen die Ausgangstür, alle dicht um ihn in einem Knäuel). | (drängt sich mit Macht durch gegen die Ausgangstür, alle dicht um ihn in einem Knäuel). |
| Hausknecht. | Hausknecht: |
| Führa g’fahr’n, außa g’ruckt, Sö. Herr Baron! | Führa g’fahr’n, aussa g’ruckt, Sö Herr Baron! |
| Alle | Alle: |
| (sind schon in der Tür, dem Lakai wird der Armleuchter entwunden). | (sind schon in der Tür, dem Lakai wird der Armleuchter entwunden). |
| Baron | Baron: |
| (stürzt ab). | (stürzt ab) |
| Alle | Alle: |
| (stürmen ihm nach, der Lärm verhallt. Die zwei Faninalschen Diener sind indessen links abgetreten. Es bleiben allein zurück: Sophie, die Marschallin und Octavian). | (stürmen ihm nach, der Lärm verhallt. Die zwei Faninal’schen Diener sind indessen links abgetreten). |
| Es bleiben allein zurück: Sophie, die Marschallin und Octavian. | |
| Sophie | Sophie: |
| (links stehend, blaß). | (links stehend, blass) |
| Mein Gott, es war nicht mehr als eine Farce. | Mein Gott, es war nicht mehr als eine Farce. |
| Mein Gott, mein Gott! | Mein Gott, mein Gott! |
| Wie Er bei ihr steht und ich bin die leere Luft für Ihn. | Wie Er bei Ihr steht und ich bin die leere Luft für ihn. |
| Octavian | Octavian: |
| (hinter dem Stuhl der Marschallin verlegen). | (hinter dem Stuhl der Marschallin verlegen) |
| War anders abgemacht, Marie Theres’, ich wunder’ mich. | War anders abgemacht, Marie Teres’ [sic], ich wunder mich. |
| (In höchster Verlegenheit.) | (in höchster Verlegenheit) |
| Befiehlt Sie, daß ich – soll ich nicht – die Jungfer – der Vater – | Befiehlt Sie, dass ich – soll ich nicht – die Jungfer – der Vater – |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Geh’ Er doch schnell und tu’ Er, was sein Herz Ihm sagt. | Geh’ Er doch schnell und tu Er, was sein Herz Ihm sagt. |
| Sophie | Sophie: |
| (verzweifelt). | (verzweifelt) |
| Die leere Luft. O mein Gott, o mein Gott! | Die leere Luft. O mein Gott, o mein Gott! |
| Octavian. | Octavian: |
| Theres’, ich weiß gar nicht – | Theres’, ich weiss gar nicht – |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Geh’ Er und mach’ Er Seinen Hof. | Geh’ Er und mach Er Seinen Hof. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich schwör Ihr – | Ich schwör Ihr – |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Laß Er’s gut sein. | Lass’ Er’s gut sein. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich begreif’ nicht, was Sie hat. | Ich begreif’ nicht, was Sie hat. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (lacht zornig). | (lacht zornig) |
| Er ist ein rechtes Mannsbild, geh’ Er hin. | Er ist ein rechtes Mannsbild, geh’ Er hin. |
| Octavian. | Octavian: |
| Was Sie befiehlt. | Was Sie befiehlt. |
| (Geht hinüber.) | (geht hinüber) |
| Sophie | Sophie: |
| (wortlos). | (wortlos) |
| Octavian | Octavian: |
| (bei ihr). | (bei ihr) |
| Eh bien, hat Sie kein freundlich Wort für mich? | Eh bien, hat Sie kein freundlich Wort für mich? |
| Nicht einen Blick, nicht einen lieben Gruß? | Nicht einen Blick, nicht einen lieben Gruss? |
| Sophie | Sophie: |
| (stockend). | (stockend) |
| War mir von Euer Gnaden Freundschaft und Behilflichkeit | War mir von Euer Gnaden Freundschaft und Behilflichkeit |
| Wahrhaftig einer andern Freud’ gewärtig. | Wahrhaftig einer andern Freud’ gewärtig. |
| Octavian | Octavian: |
| (lebhaft). | (lebhaft) |
| Wie – freut Sie sich denn nicht? | Wie – freut Sie sich denn nicht? |
| Sophie | Sophie: |
| (unmutig). | (unmutig) |
| Hab’ wirklich keinen Anlaß nicht. | Hab’ wirklich keinen Anlass nicht. |
| Octavian. | Octavian: |
| Hat man Ihr nicht den Bräutigam vom Hals geschafft? | Hat man Ihr nicht den Bräutigam vom Hals geschafft? |
| Sophie. | Sophie: |
| Wär’ all’s recht schön, wenn’s anders abgegangen wär’. | Wär’ all’s recht schön, wenn’s anders abgegangen wär’. |
| sehr wohl, [sic] | |
| Schäm’ mich in Grund und Boden. Versteh’ sehr wohl, | Schäm’ mich in Grund und Boden jetz [sic]. Versteh |
| Mit was für einen [sic] Blick Ihre fürstliche Gnaden mich betracht’. | Mit was für einem Blick Ihre fürstliche Gnaden mich betracht’. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich schwör’ Ihr, meiner Seel’ und Seligkeit. | Ich schwör’ Ihr meiner Seel’ und Seligkeit. |
| Sophie. | Sophie: |
| Laß Er mich gehn. | Lass’ Er mich geh’n. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich laß Sie nicht. | Ich lass’ Sie nicht. |
| (Faßt ihre Hand.) | (fasst ihre Hand) |
| Sophie. | Sophie: |
| Der Vater braucht mich drin. | Der Vater braucht mich drin. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich brauch’ Sie nötiger. | Ich brauch’ Sie nötiger. |
| Sophie. | Sophie: |
| Das sagt sich leicht. | Das sagt sich leicht. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich hab’ Sie übermäßig lieb. | Ich hab’ Sie übermässig lieb. |
| Sophie. | Sophie: |
| Das ist nicht wahr, | Das ist nicht wahr, |
| Er hat mich nicht so lieb, als wie Er spricht. | Er hat mich nicht so lieb, als wie Er spricht. |
| Vergess’ Er mich! | Vergess’ Er mich! |
| Octavian. | Octavian: |
| Ist mir um Sie und nur um Sie. | Ist mir um Sie und nur um Sie! |
| Sophie. | Sophie: |
| Vergess’ Er mich! | Vergess Er mich! |
| Octavian | Octavian: |
| (heftig). | (heftig) |
| Mag alles drunter oder drüber gehn! | Mag Alles drunter oder drüber geh’n! |
| Sophie | Sophie: |
| (leidenschaftlich). | (leidenschaftlich) |
| Vergess’ Er mich! | Vergess Er mich! |
| Octavian. | Octavian: |
| Hab’ keinen andern Gedanken nicht. | Hab’ keinen andern Gedanken nicht. |
| Seh’ alleweil Ihr lieb Gesicht. | Seh’ alleweil Ihr lieb Gesicht. |
| (Faßt mit beiden Händen ihre beiden.) | (fasst mit beiden Händen ihre beiden.) |
| Sophie | Sophie: |
| (schwach abwehrend). | (schwach abwehrend) |
| Vergess’ Er mich! | Vergess’ Er mich. |
| Marschallin | Marschallin: |
| (ist indessen aufgestanden, bezwingt sich aber und setzt sich wieder, vor sich, getragen, gleichzeitig mit Octavian und Sophie). | (ist indessen aufgestanden, bezwingt sich aber und setzt sich wieder, vor sich, getragen, gleichzeitig mit Octavian und Sophie). |
| Heut oder morgen oder den übernächsten Tag. | Heut’ oder morgen oder den übernächsten Tag. |
| Hab’ ich mir’s denn nicht vorgesagt? | Hab’ ich mirs denn nicht vorgesagt? |
| Das alles kommt halt über jede Frau. | Das alles kommt halt über jede Frau. |
| Hab’ ich’s denn nicht gewußt? | Hab’ ich’s denn nicht gewusst? |
| Hab’ ich nicht ein Gelübde tan, | Hab’ ich nicht ein Gelübde tan, |
| Daß ich’s mit einem ganz gefaßten Herzen | Dass ich’s mit einem ganz gefassten Herzen |
| Ertragen werd’ … | Ertragen werd’[ ]… |
| Heut oder morgen oder den übernächsten Tag. | Heut oder morgen oder den übernächsten Tag. |
| (Sie wischt sich die Augen, steht auf.) | (sie wischt sich die Augen, steht auf) |
| Sophie | Sophie: |
| (leise). | (leise) |
| Die Fürstin da! Sie ruft Ihn hin! So geh’ Er doch. | Die Fürstin da! Sie ruft Ihn hin! So geh’ Er doch. |
| Octavian | Octavian: |
| (ist ein paar Schritte gegen die Marschallin hingegangen, steht jetzt zwischen beiden, verlegen. Pause.) | (ist ein paar Schritte gegen die Marschallin hingegangen, steht jetzt zwischen Beiden, verlegen. Pause.[)] |
| Sophie | |
| (in der Tür, unschlüssig, ob sie gehen oder bleiben soll). | Sophie in der Tür, unschlüssig ob sie gehen oder bleiben soll. |
| Octavian | |
| (in der Mitte, dreht den Kopf von einer zur andern). | Octavian in der Mitte, dreht den Kopf von einer zur andern. Marschallin sieht seine Verlegenheit; ein trauriges Lächeln huscht über ihr Gesicht. |
| Marschallin | |
| (sieht seine Verlegenheit; ein trauriges Lächeln huscht über ihr Gesicht). | |
| Sophie | Sophie: |
| (an der Tür). | (an der Tür) |
| Ich muß hinein und fragen, wie’s dem Vater geht. | Ich muss hinein und fragen wie’s dem Vater geht. |
| Octavian. | Octavian: |
| Ich muß jetzt was reden, und mir verschlagt’s die Red’. | Ich muss jetzt was reden und mir verschlagt’s die Red’. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Der Bub’, wie er verlegen da in der Mitten steht. | Der Bub, wie er verlegen da in der Mitten steht! |
| Octavian | Octavian: |
| (zu Sophie). | (zu Sophie) |
| Bleib’ Sie um alles hier. | Bleib’ Sie um Alles hier. |
| (Zur Marschallin.) | (zur Marschallin) |
| Wie, hat Sie was gesagt? | Wie, hat Sie was gesagt? |
| Marschallin | Marschallin: |
| (geht, ohne Octavian zu beachten[,] hinüber zu Sophie). | (geht, ohne Octavian zu beachten[,] hinüber zu Sophie) |
| Octavian | |
| (tritt einen Schritt zurück). | Octavian tritt einen Schritt zurück. |
| Marschallin | |
| (steht vor Sophie, sieht sie prüfend, aber gütig an). | Marschallin steht vor Sophie, sieht sie prüfend, aber gütig an. |
| Sophie | |
| (in Verlegenheit, knickst). | Sophie in Verlegenheit, knixt. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| So schnell hat Sie ihn gar so lieb? | So schnell hat Sie ihn gar so lieb? |
| Sophie | Sophie: |
| (sehr schnell). | (sehr schnell) |
| Ich weiß nicht, was Euer Gnaden meinen mit der Frag’. | Ich weiss nicht, was Euer Gnaden meinen mit der Frag’. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ihr blaß Gesicht gibt schon die rechte Antwort drauf. | Ihr blass’ Gesicht gibt schon die rechte Antwort d’rauf. |
| Sophie | Sophie: |
| (in großer Schüchternheit und Verlegenheit, immer sehr schnell). | (in grosser Schüchternheit und Verlegenheit, immer sehr schnell). |
| Wär’ gar kein Wunder, wenn ich blaß bin, Euer Gnaden. | Wär’ gar kein Wunder, wenn ich blass bin, Euer Gnaden. |
| Hab’ einen großen Schreck erlebt mit dem Herrn Vater. | Hab’ einen grossen Schreck erlebt mit dem Herrn Vater. |
| Gar nicht zu reden von gerechtem Emportement | Gar nicht zu reden von gerechtem Emportement |
| gegen den skandalösen Herrn Baron. | gegen den skandalösen Herrn Baron. |
| Bin Euer Gnaden recht in Ewigkeit verpflichtet, | Bin Euer Gnaden in Ewigkeit verpflichtet |
| Daß mit Dero Hilf’ und Aufsicht – | Dass mit Dero Hilf’ und Aufsicht – |
| Marschallin | Marschallin: |
| (abwehrend). | (abwehrend) |
| Red’ Sie nur nicht zu viel, Sie ist ja hübsch genug! | Red’ Sie nur nicht zu viel, Sie ist ja hübsch genug! |
| Und gegen den Herrn Papa sein Übel weiß ich etwa eine Medizin. | Und gegen den Herrn Papa sein Uebel weiss ich etwa eine Medizin. |
| Ich geh’ jetzt da hinein zu ihm und lad’ ihn ein, | Ich geh’ jetzt da hinein zu ihm und lad’ ihn ein, |
| Mit mir und Ihr und dem Herrn Grafen da | Mit mir und Ihr und dem Herrn Grafen da, |
| In meinem Wagen heimzufahren – meint Sie nicht – | In meinem Wagen heimzufahren – meint Sie nicht – |
| Daß ihn das rekreieren wird und allbereits | Das [sic] ihn das recreieren wird und allbereits |
| Ein wenig munter machen? | Ein wenig munter machen? |
| Sophie. | Sophie: |
| Euer Gnaden sind die Güte selbst. | Euer Gnaden sind die Güte selbst. |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Und für die Blässe weiß vielleicht mein Vetter da die Medizin. | Und für die Blässe weiss vielleicht mein Vetter da die Medizin. |
| Octavian | Octavian: |
| (innig). | (innig) |
| Marie Theres’, wie gut Sie ist. | Marie Theres’, wie gut Sie ist. |
| Marie Theres’, ich weiß gar nicht. – | Marie Theres’ ich weiss gar nicht. – |
| Marschallin | Marschallin: |
| (mit einem undefinierbaren Ausdruck leise). | (mit einem undefinierbaren Ausdruck leise) |
| Ich weiß auch nix. | Ich weiss auch nix. |
| (Ganz tonlos.) | (ganz tonlos) |
| Gar nix. | Gar nix. |
| (Winkt ihm zurückzubleiben.) | (winkt ihm zurückzubleiben) |
| Octavian | Octavian: |
| (unschlüssig, als wollte er ihr nach). | (unschlüssig, als wollte er ihr nach) |
| Marie Theres’! | Marie Theres’! |
| (Marschallin bleibt in der Tür stehen. Octavian steht ihr zunächst, Sophie weiter rechts.) | (Marschallin bleibt in der Tür stehen. Octavian steht ihr zunächst, Sophie weiter rechts.) |
| Marschallin | Marschallin: |
| (vor sich, zugleich mit Octavian und Sophie). | (vor sich, zugleich mit Octavian und Sophie) |
| Hab’ mir’s gelobt, Ihn lieb zu haben in der richtigen Weis’. | Hab mir’s gelobt, Ihn liebzuhaben in der richtigen Weis’, |
| Daß ich selbst Sein Lieb’ zu einer andern | Dass ich selbst sein Lieb’ zu einer andern |
| noch lieb hab! Hab’ mir freilich nicht gedacht, | noch lieb hab! Hab mir freilich nicht gedacht, |
| daß es so bald mir auferlegt sollt’ werden! | dass es so bald mir auferlegt sollt’ werden! |
| (Seufzend.) | (seufzend) |
| Es sind die mehreren Dinge auf der Welt, | Es sind die mehreren Dinge auf der Welt, |
| So daß sie ein’s nicht glauben tät’. | So dass sie ein’s nicht glauben tät’, |
| Wenn man sie möcht’ erzählen hör’n. | Wenn man sie möcht’[ ]erzählen hör’n. |
| Alleinig wer’s erlebt, der glaubt daran und weiß nicht wie – | Alleinig wer’s erlebt, der glaubt daran und weiss nicht wie – |
| Da steht der Bub’ und da steh’ ich, und mit dem fremden Mädel dort | Da steht der Bub und da steh’ ich, und mit dem fremden Mädel dort |
| Wird Er so glücklich sein, als wie halt Männer | Wird er so glücklich sein, als wie halt Männer |
| Das Glücklichsein verstehen. In Gottes Namen. | Das Glücklichsein verstehen. In Gottes Namen. |
| Octavian | Octavian: |
| (zugleich mit der Marschallin und Sophie, erst vor sich, dann Aug’ in Aug’ mit Sophie). | (zugleich mit der Marschallin und Sophie, erst vor sich, dann Aug’ in Aug’ mit Sophie). |
| Es ist was kommen und ist was g’schehn, | Es ist was kommen und ist was g’scheh’n |
| Ich möcht’ Sie fragen: darf’s denn sein? und grad’ die Frag’, | Ich möcht’ Sie fragen: Darf’s denn sein? und grad die Frag’, |
| Die spür’ ich, daß sie mir verboten ist. | Die spür’ ich, dass sie mir verboten ist. |
| Ich möcht’ Sie fragen: warum zittert was in mir? – | Ich möcht’ Sie fragen: Warum zittert was in mir? – |
| Ist denn ein großes Unrecht geschehn? Und grad’ an Sie | Ist denn ein grosses Unrecht gscheh’n? Und grad an Sie |
| Darf ich die Frag’ nicht tun – und dann seh’ ich dich an, | Darf ich die Frag’ nicht tun – und dann seh’ ich dich an, |
| Sophie, und seh’ nur dich und spür’ nur dich, | Sophie, und seh’ nur dich und spür nur dich |
| Sophie, und weiß von nichts als nur: dich hab’ ich lieb. | Sophie, und weiss von nichts als nur: dich hab’ ich lieb. |
| Sophie | Sophie: |
| (zugleich mit der Marschallin und Octavian, erst vor sich, dann Aug’ in Aug’ mit Octavian). | (zugleich mit der Marschallin und Octavian, erst vor sich, dann Aug’ in Aug’ mit Octavian). |
| Mir ist wie in der Kirch’n, heilig ist mir und so bang. | Mir ist wie in der Kirch’n, heilig ist mir und so bang |
| Und doch ist mir unheilig auch! Ich weiß nicht, wie mir ist. | Und doch ist mir unheilig auch! Ich weiss nicht, wie mir ist. |
| (Ausdrucksvoll.) | (ausdrucksvoll) |
| Ich möcht’ mich niederknien dort vor der Frau und möcht’ ihr | Ich möcht mich niederknie’n [sic] dort vor der Frau und möcht’ ihr auch |
| was antun, denn ich spür’, sie gibt mir ihn | Was antun, denn ich spür’, sie gibt mir ihn |
| und nimmt mir was von ihm zugleich. Weiß gar nicht, wie mir ist! | Und nimmt mir was von ihm zugleich. Weiss gar nicht wie mir ist! |
| Möcht’ all’s verstehen und möcht’ auch nichts verstehen. | Möcht’ alls verstehen und möcht’ auch nichts verstehen. |
| Möcht’ fragen und nicht fragen, wird mir heiß und kalt. | Möcht’ fragen und nicht fragen, wird mir heiss und kalt. |
| Und spür’ nur dich und weiß nur eins: dich hab’ ich lieb! | Und spür’ nur dich und weiss nur eins: dich hab’ ich lieb! |
| (Marschallin geht leise links hinein, die beiden bemerken es gar nicht. Octavian ist dicht an Sophie herangetreten, einen Augenblick später liegt sie in seinen Armen.) | Marschallin geht leise links hinein, die Beiden bemerken es gar nicht. Octavian ist dicht an Sophie herangetreten, einen Augenblick später liegt sie in seinen Armen. |
| Octavian | Octavian: |
| (zugleich mit Sophie). | (zugleich mit Sophie) |
| Spür’ nur dich, spür’ nur dich allein | Spür nur dich, spür nur dich allein |
| und daß wir beieinander sein! | Und dass wir beieinander sein! |
| Geht all’s sonst wie ein Traum dahin | Geht all’s sonst wie ein Traum dahin |
| vor meinem Sinn! | Vor meinem Sinn! |
| Sophie | Sophie: |
| (zugleich mit Octavian). | (zugleich mit Octavian) |
| Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, | Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, |
| daß wir zwei beieinander sein, | Dass wir zwei beieinander sein, |
| beieinand’ für alle Zeit | Beieinand’ für alle Zeit |
| und Ewigkeit! | Und Ewigkeit! |
| Octavian | Octavian: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| War ein Haus wo, da warst du drein, | War ein Haus wo, da warst du drein |
| und die Leut’ schicken mich hinein, | Und die Leut schicken mich hinein, |
| mich gradaus in die Seligkeit! | Mich gradaus in die Seligkeit! |
| die waren g’scheit! | Die waren g’scheidt! |
| Sophie | Sophie: |
| (ebenso). | (ebenso) |
| Kannst du lachen? Mir ist zur Stell’ | Kannst du lachen? Mir ist zur Stell’ |
| bang wie an der himmlischen Schwell’! | Bang wie an der himmlischen Schwell’! |
| Halt’ mich, ein schwach Ding, wie ich bin, | Halt mich, ein schwach Ding wie ich bin, |
| sink’ dir dahin! | Sink’ dir dahin! |
| (Sie muß sich an ihn lehnen. In diesem Augenblick öffnen die Faninalschen Lakaien die Tür und treten herein, jeder mit einem Leuchter. Durch die Tür kommt Faninal, die Marschallin an der Hand führend. Die beiden jungen stehen einen Augenblick verwirrt, dann machen sie ein tiefes Kompliment, das Faninal und die Marschallin erwidern. Faninal tupft Sophie väterlich gutmütig auf die Wange.) | (sie muss sich an ihn lehnen. In diesem Augenblick öffnen die Faninal’schen Lakaien die Tür und treten herein, jeder mit einem Leuchter. Durch die Tür kommt Faninal, die Marschallin an der Hand führend. Die beiden Jungen stehen einen Augenblick verwirrt, dann machen sie ein tiefes Kompliment, das Faninal und die Marschallin erwidern. Faninal tupft Sophie väterlich gutmütig auf die Wange.[)] |
| Faninal. | Faninal: |
| Sind halt aso, die jungen Leut’! | Sind halt aso, die jungen Leut! |
| Marschallin. | Marschallin: |
| Ja, ja. | Ja, ja. |
| (Faninal reicht der Marschallin die Hand, führt sie zur Mitteltür, die zugleich durch die Livree der Marschallin, darunter der kleine Neger, geöffnet wurde. Draußen hell, herinnen halbdunkel, da die beiden Diener mit den Leuchtern der Marschallin voraustreten. Octavian und Sophie, allein im halbdunklen Zimmer, wiederholen leise.) | Faninal reicht der Marschallin die Hand, führt sie zur Mitteltür, die zugleich durch die Livree der Marschallin, darunter der kleine Neger, geöffnet wurde, [sic] Draussen hell, herinnen halbdunkel, da die beiden Diener mit den Leuchtern der Marschallin voraustreten. Octavian und Sophie, allein im halbdunklen Zimmer wiederholen leise. |
| Octavian | Octavian: |
| (zugleich mit Sophie). | (zugleich mit Sophie) |
| Spür’ nur dich, spür’ nur dich allein | Spür nur dich, spür nur dich allein |
| und daß wir beieinander sein! | Und dass wir beieinander sein! |
| Geht all’s sonst wie ein Traum dahin | Geht all’s sonst wie ein Traum dahin |
| vor meinem Sinn! | Vor meinem Sinn! |
| Sophie | Sophie: |
| (zugleich mit Octavian). | (zugleich mit Octavian) |
| Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, | Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, |
| daß wir zwei beieinander sein, | Dass wir zwei beieinander sein, |
| beieinand’ für alle Zeit | Beieinand’ für alle Zeit |
| und Ewigkeit! | Und Ewigkeit’ [sic]. |
| (Sie sinkt an ihn, er küßt sie schnell. Ihr fällt, ohne daß sie es merkt, ihr Taschentuch aus der Hand. Dann laufen sie schnell, Hand in Hand, hinaus. Die Bühne bleibt leer, dann geht nochmals die Mitteltür auf. Herein kommt der kleine Neger, mit einer Kerze in der Hand, sucht das Taschentuch, findet es, hebt es auf, trippelt hinaus.) | Sie sinkt an ihn, er küsst sie schnell. Ihr fällt, ohne dass sie es merkt, ihr Taschentuch aus der Hand. Dann laufen sie schnell Hand in Hand hinaus. Die Bühne bleibt leer, dann geht nochmals die Mitteltür auf. Herein kommt der kleine Neger, mit einer Kerze in der Hand. Sucht das Taschentuch, findet es, hebt es auf, trippelt hinaus. |